1919 – Wien die Stadt der Mieter – auch 2019

Sozialdemokraten machten Wien zum Mieterparadies

Wohnen ist eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit. Während die Sozialdemokraten derzeit in Deutschland die Mietpreisbremse als das Nonplusultra gegen explodierende Mieten in Deutschland anführen, müssen sie nun erkennen, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist.

Autor Michael Krätke hat in der aktuellen Wochenzeitung „der Freitag“ das Thema aufgegriffen, das von der allgemeinen Leitpresse/Leitmedien nur ungern publiziert wird. Man könnte ja schlafende Hunde wecken, denn Deutschland ist kein Mieterparadies. Und daran ist die Politik mit schuld.

Errichtungstafel Karl-Marx-Hof 3. Foto: Wienwiki / Helene Huss-Trethan

Wien – Vorbild aus vergangener Zeit,
das man auch heute bei uns in Deutschland wiederbeleben könnte.
Wer weiß es oder hat es in Erinnerung, dass die Sozialdemokraten von 1919 bis 1934 in Wien unangefochten herrschten. Die auch heute noch beispiellose Wohnungspolitik im damals  von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch-Österreichs (SDAP) regierten Millionenstadt zeigte, was eine entschieden linke Politik zu leisten vermag.
Aber auch damals schon Zitat aus der Freitag: Bürgerliche Gazetten mokierten sich über die Verschwendungssucht damaliger Stadtväter, die es fertigbrächten, ein Versailles   (Schloss Versailles) für Arbeiter zu bauen. Und nicht nur eines, gleich viele. 

Der Karl-Marx-Hof in Wien-der längste zusammenhängende Wohnbau der Welt, errichtet im Rahmen des sozialdemokratischen Wohnbauprogrammes der Stadt Wien. Mit ihrer Wohnungsbaupolitik wollte (und hat mit Erfolg) die 1919 bis 1934 in Wien regierende Sozialdemokratie der allgemeinen Wohnungsnot ein Ende machen. Foto: © Bwag/CC-BY-SA-4.0.

Wien – Nicht nur Vorbild aus vergangener Zeit
Während man in fast allen europäischen Hauptstädten die überschäumenden Mieten beklagt, ist Wien auch heute noch der Inbegriff eines entspannten Wohnungsmarktes und gilt auch heute noch als Hauptstadt des bezahlbaren Wohnens. Im internationalen Vergleich gilt die Hauptstadt Östereichs als mieterfreundlich, weil die Politik den sozialen Wohnungsbau zu keiner Zeit verscherbelt hat.

Deutschland war beinahe auch einmal ein Mieterparadies
Dass auch Deutschland früher mal bessere und sozialere Zeiten auf dem Wohnungsmarkt erlebte, verblasst immer mehr. Seitdem der größte Teil von Wohnungen, die im Rahmen des sozialen und staatlich geförderten Wohnungsbaues an finanzstarke Gesellschaften und sonstige Finanzhaie verhökert wurden, müssen Menschen hierzulande horrende Mieten aufbringen, die bis zur Hälfte des monatlichen Einkommens verschlingen.

Kraft- und saftlose Regierungen versagen auf dem Wohnungsmarkt total oder ergeben sich den sogenannten Sanierungsgesellschaften. Auch korrupte westdeutsche Gewerkschaftsfunktionäre haben sich am Reibach beteiligt – und verloren. Deutschlandfunk 2016

„Vor 30 Jahren – DGB muss Wohnungsbaukonzern „Neue Heimat“ verkaufen Die katastrophale Wohnungsnot nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machte die „Neue Heimat“ groß. Das gewerkschaftseigene Wohnungsunternehmen wurde zu einem riesigen Baukonzern. Durch eine riskante Expansion und Betrügereien entstanden aber Milliardenverluste. Heute vor 30 Jahren verkaufte der DGB sein Unternehmen zum symbolischen Preis von einer D-Mark.
Es ging um den Verkauf des gewerkschaftseigenen Baukonzerns „Neue Heimat“ an den Berliner Brotfabrikanten Horst Schiesser. Für den symbolischen Preis von 1 D-Mark erwarb am 18. September 1986 ein der Öffentlichkeit weitgehend Unbekannter das mit 17 Milliarden verschuldete Unternehmen, Europas größten Wohnungsbesitzer.“

Hysterie an allen Fronten
Wagte es doch ein junger SPD-Mann namens Kevin Kühnert, die Worte von Enteignung und/oder Vergesellschaftung auszusprechen, begann in den gelenkten deutschen Medien der Shitstorm gegen Kommunismus und Sozialismus und der Rückfall in schlechtere Zeiten.

Wohnen als Daseinsfürsorge?
Aus der Staatsaufgabe wurde in unserem “ ach so freien und demokratischen Deutschland“ eine sprudelnde Geldquelle für Kapitalgesellschaften und deren Aktionäre.

Ein wirksamer staatlicher Wohnungsbausektor könnte das Problem lösen. Das Problem liegt aber wiederum bei der Politik, das diese meist bestreitet.

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1 Antwort zu 1919 – Wien die Stadt der Mieter – auch 2019

  1. Helmut Ayl sagt:

    Wie ich gelesen habe, hat Österreich eine Gesamtsozialwohnungsquote von ca. 25 %, wir haben in Deutschland unter 10 %.

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