Corona – Menschenleid – Tierleid

Eine Profilierungschance für die SPD – Gegen Tierfabriken – für eine solidarische Lebensweise

Corona schafft keine Zeit, aber Pausen. Pausen zum Nachdenken, Pausen zum Ausruhen, Pausen zu innerer Einkehr und zuletzt auch noch Pausen für die Aufarbeitung eigener Notwendigkeiten. Von allen Pausen ist die zum Nachdenken vielleicht die fruchtbarste. Nachgedacht habe ich über folgenden Gedanken, den der Volksmund schon seit endlos langer Zeit kennt. Schon fast ketzerisch klingt der Satz: Kein Nachteil ohne Vorteil!

Sozialminister Heil will durchgreifen
Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, hat jetzt, nach Bekanntwerden des Corona-Skandals in den deutschen Schlachthofhöllen, einen großen Anlauf genommen. Menschen, die zu Niedrigstlöhnen in der Fleischindustrie unter unmenschlichen Bedingungen ausgebeutet werden, künftig zu beschützen, so sein Vorsatz.
Der Corona-Skandal in den deutschen Fleischfabriken ist der Anlass, um aus der Krise letztendlich auch noch einen Vorteil herzuleiten. Bekommen wir eine Wende hin, wie die Organisation „Sozis für Tiere“ sich zum Ziel gesetzt hat?

Hubertus Heil – seit März 2018 Bundesminister für Arbeit und Soziales. Wenn der Erfolg und seine gute Absicht scheitern,  dann voraussichtlich wieder am Koalitionspartner CDU/CSU. Foto: SPD

Julia Klöckner – Ihre Arbeit als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz besteht nachweislich aus Labern und Schwadronieren über Tierwohl und Tierschutz. Die Größe des Fotos entspricht ihrer Bedeutung. Bild: Screenshot ARD

Nicht nur die Menschen brauchen Hilfe. Das Kümmern um die Menschen in den Fleischfabriken ist die eine Seite der Medaille, die andere Seite muss sich in gleicher Weise der Tiere annehmen, die von den Industriellen der Tierindustrie qualvoll gezüchtet und dann zu Tode gebracht werden.
Die unsäglichen und verlogenen Appelle der Regierungsverantwortlichen, allen voran die Exweinkönigin und Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Klöckner, müssen ihre Lobbynester verlassen. Vielleicht schafft das Corona-Virus das, was die Menschen bisher nicht geschafft haben; die Umkehr zu Menschen- und Tierwürde.

Gestern am 30.05.2020 erreichte mich diese Nachricht von campact

Ein Gefängnis aus Eisenstangen, 2 Meter lang, 70 Zentimeter breit. Schweine in der Kastenstand-Haltung können sich weder umdrehen, noch ihre Gliedmaßen ausstrecken. Das ist nicht nur Tierquälerei – sondern laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2016 auch illegal. Doch anstatt den Tieren endlich mehr Platz zu geben, will Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) die Schweinequal sogar legalisieren: für eine „Übergangszeit“ von 17 Jahren. Das wollen wir nicht hinnehmen. Die Grünen können Klöckners schlimmen Plan im Bundesrat stoppen – doch sie scheinen vor der Agrar-Lobby einzuknicken und verhandeln über einen faulen Kompromiss. Der würde die Tierquälerei um acht Jahre verlängern. Viele Millionen Schweine müssten weiterhin leiden. Dabei ist die Mehrheit der Deutschen gegen die Kastenstand-Haltung – und erst Recht die Grünen-Wähler*innen. Unser Appell und deutlicher Protest haben erreicht, dass die grünen Agrarminister*innen die Entscheidung bereits mehrmals verzögerten. Wir wollen ihnen jetzt zeigen: Tierschutz ist uns Büger*innen auch in Corona-Zeiten wichtig – sie sollen die Quälerei beenden.Foto: campact

Über „Sozis für Tiere“

Die Ausbeutung von Tieren ist seit langer Zeit ein vergessenes Thema der Politik im Allgemeinen, der Sozialdemokratie im Besonderen.
Schon seit August Bebel (1840 – 1913) wurde innerhalb der Sozialdemokratie kritisch über das Mensch-Tier-Verhältnis nachgedacht. Von Willi Eichler, Vater des Godesberger Parteiprogramms und langjähriger Angehöriger des Bundesvorstandes der SPD, stammt das Zitat von 1926:

„Rufen wir Proletarier etwa nach einer humanen Ausbeutung? Oder gilt unser Kampf nicht vielmehr der Ausbeutung überhaupt? Gilt er aber der Ausbeutung überhaupt, dann dürfen wir auch nicht selbst ausbeuten; im Gegenteil: gerade die Ausgebeuteten selbst sind am ehesten in der Lage, die Qualen der Tiere nachzufühlen. Sieht man aber diese Qualen – und man sieht sie, wenn man die Augen aufmacht –, dann ist man auch verpflichtet, sie abzustellen, wenigstens so weit, wie man im Augenblick dazu in der Lage ist. Und die Macht des einzelnen reicht wenigstens so weit, selbst Vegetarier zu sein, also für seinen Teil sich fernzuhalten von dem Morden.
Wenigstens, sage ich; denn das ist in Wahrheit noch sehr wenig. Oder was würden wir zu einem „Sozialisten“ sagen, der glaubt, seiner Pflicht als Sozialist dadurch zu genügen, daß er sich nicht an der Ausbeutung der Arbeiter beteiligt. Als Sozialisten bezeichnen wir doch im Ernst nur den, der gegen den Kapitalismus den Kampf aufnimmt und sich nicht damit begnügt, selbst kein Kapitalist zu sein. […].“

Aus dieser sozialdemokratischen traditionellen Philosophie des Mensch-Tier-Verhältnisses hat sich angesichts der scham- und skrupellosen Ausbeutung der Tiere eine sozialdemokratisch orientierte Institution gebildet, deren Grundsatz lautet: Tierschutz muss sich am Wohl der Tiere orientieren – und an nichts anderem.

Sozis für Tiere e.V. setzt sich als Teil der sozialdemokratischen Bewegung für das aktive und nachhaltige Wohlergehen der so abfällig benannten „Nutztiere“ ein. Es reicht nicht aus, dass sich die Parteien, besonders aber die SPD, ausschließlich für Menschen engagiert, auch unser Verhältnis zu Tieren ist zu humanisieren. Die Ausbeutung von Tieren ist ein vergessenes Thema der Sozialdemokratie. Hier nochmals zurück zum Titel dieses Blogbeitrages:

Eine Profilierungschance für die SPD – Gegen Tierfabriken – für eine solidarische Lebensweise

Argumentationstext der „Sozis für Tiere“
Denn die Tiere, über die wir reden, vegetieren für die Zeit ihres ohnehin kurzen Lebens unter elendigen Bedingungen. Sie leiden in hohem Maße unter Knochenbrüchen, Atemwegserkrankungen und anderen Folgen, die mit ihrer Ausbeutung zu ökonomischen Zwecken verbunden sind. Für die 745 Millionen (!) Tiere, die jedes Jahr in Deutschland zu Nahrungszwecken getötet werden, sind auch seltene minimale Verbesserungen kein Trost. Denn ein kritischer Zugang zu dem Leiden der empfindenden Lebewesen muss nach den gesellschaftlichen Bedingungen fragen, unter denen dieses Leid hervorgebracht wird.


 

Wie die Politik auf Kosten der Tiere beim Tierschutz versagt, hat die Organisation aktiontier – menschen für tiere e.V. deutlich vorgestellt.
Eine Leseempfehlung für alle, denen Tierschutz Herzenssache ist.

Warten auf den Tod – das grausame Schicksal von Millionen Tieren; damit wir billiges Fleisch auf den Teller bekommen. Für mich als Blogger muss sich die Politik künftig daran messen lassen. Bildtext: Egon Sommer. Foto: Jan Pfeifer, aktiontier-menschen für tiere e.V.

 

 

Der folgende Text offenbart das Leitmotiv von aktiontier – menschen für tiere e.V.

„Viel Diskussion erregt noch heute der erste Paragraph, nachdem einem Tier ohne vernünftigen Grund kein Leiden oder Schmerzen zugefügt werden darf. Doch genau dies passiert insbesondere in der Massentierhaltung millionenfach, allein in Deutschland, jeden Tag. Denn was genau ist ein vernünftiger Grund, der dieses Leid rechtfertigt?“

 

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1 Antwort zu Corona – Menschenleid – Tierleid

  1. Alfons Maximini sagt:

    Allein die Drohung der Massentierhaltungswirtschaft und der Schlachtindustrie bei regressiveren Arbeitsschutzbedingungen eine Verlagerung der Betriebe ins europäische Ausland vornehmen zu wollen, zeigt das Unrechtsbewußtsein dieses Wirtschaftszweiges. Von Tierschutz bzw. Menschenschutz ist dort nicht die Rede. Die Halbwertzeit der Empörung in Politik und Gesellschaft wird sehr kurz sein. In wenigen Wochen werden die grausamen Bilder der Schlachtindustrie und die menschenverachtenden Wohnbedingungen der meist osteuropäischen Arbeiter aus der aktuellen Tagespolitik verschwunden sein. Zu groß ist die Lobby dieses Wirtschaftszweiges mit der Politik verbandelt. Sitzen doch die Interessenvertreter in den gesetzgebenden Entscheidungsgremien und den anzuhörenden Berufsverbänden. Und auch Hubertus Heil wird sich nicht in dieser Regierungskoalition mit harten Sanktionen bzw. humaneren Arbeitsbedingungen für die Arbeiter und besseren Tierhaltungs- und Tierschlachtungsmethoden durchsetzen können. Leider.

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