„Empfänger unbekannt“ – Originaltitel: „Address Unknown“

Einladung der Gedenkstätte KZ Hinzert zum Anlass der Befreiung des NS-Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee 

Der heutige 27. Januar 2020 ist der 75. Jahrestag der Befreiung des NS-Vernichtungslager Ausschwitz/Birkenau, durch die Rote Armee. Sehr spät, erst 1996 in Deutschland und 2005 international ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erhoben worden.

Der 1938 erstmals erschienene und vielfach neu aufgelegte Roman „Address Unknown“ hatte sofort Erfolg in englischer Sprache, wurde aber in Europa von den Nazis verboten. Es wurde zu einem internationalen Bestseller und in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Ein Roman von anhaltender Wirkung mit unvergesslichen Erkenntnissen. Die deutsche Übersetzung „Empfänger unbekannt“ ist in der Buchhandlung Kolibri in Konz erhältlich.

In einer für mich bisher unbekannten Form und Intensität habe ich am Sonntag (26.01.2020) das Entstehen und die Entwicklung des Nationalsozialismus erfahren. Dafür musste ich 80 Jahre alt werden um den finstersten Beginn eines Zeitabschnittes der deutschen Geschichte in einer Art und Weise kennenzulernen, wie mir das am vergangenen Sonntag zuteil wurde.

Eine brillante Theaterinszenierung mit den beiden Schauspielern Manuel Klein und Michael Raphael Klein in der Halle der Gedenkstätte Hinzert, die wegen des außerordentlichen Publikumsinteresses fast aus den Nähten platzte. Veranstaltungskoordinator Georg Mertes und Dieter Burgard, Vorsitzender des Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert e.V., zeigten sich erfreut und baten um Nachsicht für den unerwarteten Publikumsandrang.

Das nach dem Briefroman der amerikanischen Schriftstellerin Kathrine Kressmann Taylor (* 1903 in Portland, Oregon; Juli 1996) und in der Version Hinzert von Hannelore Bähr inszenierte Drama, lässt die Entstehung des Nationalsozialismus am Beispiel einer Freundschaft, die an einer vom Nazismus vergifteten Gesellschaft zerbricht, lebendig werden.

Der Einladungsprospekt zur Aufführung in Hinzert zeichnet in Kurzform:

„Der Deutsche Martin Schulse und der amerikanische Jude Max Eisenstein betreiben in den USA eine gut gehende Kunstgalerie. 1932 entscheidet sich Schulse , mit seiner Familie nach Deutschland zurückzukehren. Ein reger Briefwechsel beginnt. 
Zunächst scheint die Freundschaft nicht unter der räumlichen Trennung zu leiden. Doch Schulse, der die politischen Entwicklungen in Deutschland anfangs noch kritisch betrachtet, entwickelt sich nach und nach zum bekennenden Nationalsozialisten … .“

Die überzeugende schauspielerische Umsetzung des Zweipersonenwerkes durch Manuel Klein und Michael Raphael Klein ist im Veranstaltungsprospekt beschrieben. Die künstlerischen Qualitäten verlangen meines Erachtens erstklassige Schauspielausbildungen, wie sie auch nachfolgend erklärt sind:

Manuel Klein. Foto: Magdalena Seitz

Manuel Klein, geboren 1977 in Wittlich, erhielt seine Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie in München. Sein erstes Engagement hatte er noch während des Studiums am Theater Ingolstadt. Von 2001 bis 2006 war er am Oldenburgischen Staatstheater engagiert. Von 2006 bis 2014 war er Ensemblemitglied am Landestheater Linz und spielte hier u. a. den Tempelherr in Nathan der Weise, Malvolio in Was ihr wollt oder Goldberg in Die Goldberg-Variationen. 2014 wechselte er ans Pfalztheater Kaiserslautern, wo er u. a. als Benedikt in Viel Lärm um Nichts und als Möbius in Die Physiker zu sehen war. Seit 2017 ist Manuel Klein freischaffend tätig. Er tritt mit verschiedenen Lesungsprogrammen auf, arbeitet als Sprecher auf der Konzertbühne und am Rundfunkmikrofon und wirkt auch als Schauspiellehrer und Workshopleiter.

Michael Raphael Klein. Foto: (c) by Christian Hartmann

Michael Raphael Klein absolvierte 2007 seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums trat er u. a. am Staatstheater Wiesbaden, an der Alten Oper Frankfurt und am Schauspiel Frankfurt auf. 2007 wurde er ans Pfalztheater Kaiserslautern engagiert, wo er unter anderem als Brick in Die Katze auf dem heißen Blechdach, als Ferdinand in Kabale und Liebe und im Solostück Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran zu sehen war. Seit 2010 arbeitet Klein frei und war bei den Burgfestpielen Bad Vilbel u. a. als Spiegelberg in Die Räuber und als Staunfinger in Tintenherz zu sehen. Seit 2017 wirkt Klein auch in der RTL-Serie Sankt Maik mit und drehte 2018 seinen ersten Spielfilm für das ZDF.

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