Glyphosat – Größtmöglicher Vertrauensbruch in der Großen Koalition und ein Update zu Monsantos Roundup®

Monsantos Roundup® und dessen Wirkstoff Glyphosat

Ein Update zum Blogbeitrag über die Zustimmung Deutschlands zur Zulassungsverlängerung von Glyphosat

Text aus https://www.youtube.com/watch?v=EI5u_n0iv4Y
Roundup®
ist unter diesem und anderen Markennamen das weltweit am meisten gespritzte Pflanzenschutzmittel. Vierzig Jahre nach dessen Markteinführung wurde sein Wirkstoff Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft. Vor dem Hintergrund der in der Europäischen Union anstehenden Entscheidung über ein Glyphosat-Verbot geht die Doku dem Skandal auf den Grund.

Allein 2014 wurden 825.000 Tonnen des starken Unkrautvernichters Glyphosat auf Feldern und in Gärten ausgebracht. Die Besorgnis hinsichtlich der Gefahren, die von dem weltweit meistgespritzten Pflanzenschutzmittel ausgehen, ist groß. Zumal die Internationale Agentur für Krebsforschung Glyphosat im März 2015 als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen einstufte und damit zu einem ganz anderen Schluss kam als die großen amerikanischen und europäischen Gesundheitsbehörden, die Monsantos Roundup® und dessen Wirkstoff Glyphosat als ungefährlich bezeichneten. Anknüpfend an ihren investigativen Dokumentarfilm „Monsanto, mit Gift und Genen“ aus dem Jahr 2008, zeigt die Autorin Marie-Monique Robin in ihrem neuen Film, dass Roundup® noch gefährlicher ist als bisher befürchtet: Der „Allestöter“ – so der Beiname des Produkts im Spanischen – macht krank und vergiftet Böden, Pflanzen, Tiere und Menschen, denn er ist überall anzutreffen: im Wasser, in der Luft, im Regen, in der Erde und in Lebensmitteln. Außerdem ist Glyphosat nicht nur krebserregend, sondern auch eine hormonaktive Substanz, ein starkes Antibiotikum und ein Chelatbildner, der Spurenelemente bindet. Der Film enthüllt die katastrophalen Folgen dieser Eigenschaften und zeigt aufwühlende Bilder von Opfern in den USA, Argentinien, Frankreich und Sri Lanka; auch zahlreiche Wissenschaftler kommen zu Wort. Roter Faden des Dokumentarfilms ist der symbolische Prozess vom Oktober 2016 in Den Haag: Beim internationalen Monsanto-Tribunal klagte eine Bürgerinitiative den Saatgut-Multi in dessen Abwesenheit auf Ökozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Ergebnis des Prozesses ist ein hieb- und stichfestes Rechtsgutachten, das möglicherweise dazu führen wird, dass „Ökozid“ als Tatbestand im internationalen Recht Anerkennung findet.
Arte-Text Ende

ARTE – der deutsch-französische Kultursender, unverdächtig, den sog. Leitmedien zugeordnet zu werden, hat die Glyphosat-Verzerrungen aus der Richtung beleuchtet, die nicht aus der Hersteller- und Lobbyorganisation entstanden ist. Der Blick weit über den deutschen Tellerrand kann helfen, die Auffassungen für das nicht zu verantwortende Geschehen um den Alleingang des bundesdeutschen Landwirtschaftsministers Schmidt und seiner Mitwisser (einschließlich der Bundeskanzlerin [persönl. Anm. des Bloggers]) im anderen Licht erscheinen zu lassen. Müssen wir nicht hellhörig werden, wenn deutlich wird, dass Frankreich, Italien, Spanien und weiter sechs EU-Staaten der Zulassungsverlängerung nicht zustimmten?

Der bis zum 16. Dezember 2017 auf ARTE verfügbare Beitrag ist weiterhin auf YouTube abrufbar. Den Film

„Roundap, der Prozess“

sollten sich alle anhören; auch diejenigen, die noch Sympathien für Glyphosat hegen. Es lohnt sich, der Wahrheit näher zu kommen. Es gibt sie nämlich!

Ein deutsches Verbot wäre die erstrangige vertrauensbildende Maßnahme gewesen

Die EU hat heute die Zulassung des Pestizids Glyphosat verlängert – Deutschlands Stimme gab den Ausschlag. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist empört – ihr CSU-Kabinettskollege habe sich nicht an Absprachen gehalten.

Ich hab es geahnt und in meinem Blogbeitrag vom 12. November 2017 schon einfließen lassen und berichtet:

„Dass der Bundeslandwirtschaftsminister darüber hinaus auch noch einen Kompromiss sucht, für die deutsche Landwirtschaft die Mitte Dezember 2017 auslaufende Glyphosat-Zulassung zu unterlaufen, […].“

Jetzt hat der ach so liebenswürdig dauerlächelnde Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) eiskalt den Giftlobbyisten den Glyphosatteppich ausgelegt und den GroKo-Partner SPD hinterlistig aufs Kreuz gelegt.

Kein „Unkräutchen“ soll unsere Äcker und Wiesen verunreinigen. Wer offenen Auges durch Feld und Flur wandert schaut verwundert auf die „sauberen“ Felder und Wiesen. Ist es das was wir brauchen? Foto: Fotolia

Die Spannung steigt, wie den nun die SPD mitten in der Debatte um eine Neuauflage der Großen Koalition reagiert. SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks hat ihrem CSU-Kollegen Christian Schmidt Vertrauensbruch vorgeworfen. Sie habe noch am Montag gegenüber dem Landwirtschaftsminister erklärt, sie sei „mit einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat weiterhin nicht einverstanden“. 

Das ZDF berichtete heute, dass das „einseitige Abstimmungsverhalten“ von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt „nicht abgestimmt gewesen“ sei, wie SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles sich dazu geäußert habe“. „Das ist ein schwerer Vertrauensbruch in der geschäftsführenden Bundesregierung“. Vor dem Hintergrund „der einsamen Entscheidung“ stelle sie sich die Frage, „ob Frau Merkel ihre Leute noch im Griff hat“ und „ob da die Mäuse auf dem Tisch tanzen“. Die SPD empfinde das als „schwere Belastung“. Das sei ein einmaliger Vorgang. Üblicherweise enthält sich die Bundesregierung wenn zwei betroffene Ministerien sich nicht einig sind. Warten wir doch mal ab, wie lange die schwere Belastung anhält und welche Lehren daraus gezogen werden.

Wenn wir so weiter machen, werden unsere Kinder diese Bilder von bunten Feldern und Wiesen nur noch aus Geschichtsbüchern kennenlernen. Unkraut statt Wildkraut, das ist der neue sprachliche Umgang mit der Natur. Die Tierwelt stirbt aus; Bienen und Vögel und eigentlich alle für den Menschen lebenswichtigen Lebewesen unseres Planeten wird es nur noch als Bilder geben, wenn wir nicht zur Vernunft kommen. Foto: Fotolia

Nun wissen wir, was von GroKo-Vereinbarungen zu halten ist.

Die begründeten Reaktionen und die Frage nach dem Wissen der Kanzlerin um Schmidts Alleingang sind hier nachzulesen.

Stellen wir uns darauf ein, dass die Bilder mit Wildblumen und Wildkraut zu Ende gehen. Dank christlich demokratischer und christlich sozialer Lobbyarbeit für die industrielle Landwirtschaft und die Chemische Industrie. Hinzu kommt, dass der Hauptproduzent des aus Sicht der Landwirtschaft unverzichtbaren Umweltgiftes, die Bayer AG, voraussichtlich den amerikanischen Chemieriesen Monsanto für über 60 Milliarden Euro übernehmen will.

Nochmal: Einfach weiter so?

 

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6 Antworten zu Glyphosat – Größtmöglicher Vertrauensbruch in der Großen Koalition und ein Update zu Monsantos Roundup®

  1. Alfons Maximini sagt:

    Nach dem Schauen dieser Filmdokumentation müsste Lobbyist und CSU- Landwirtschaftsminister Christian Schmitdt jeden Tag gezwungen werden, 1 kg mit Glyphosat manipuliertem Sojareis zu essen.

  2. Egon Sommer sagt:

    Gestern, 29.11.2017, hatte ich dem SPD-Parteivorstand in Berlin folgendes per Mail geschrieben:
    Ich bin Inhaber und Administrator eines Blogs: http://www.von-links-gedacht.de
    Die aktuelle schlimme Glyphosatgeschichte um Landwirtschaftsminister Schmidt (und Merkel) ist Thema und Information zugleich. Ich möchte den Parteivorstand entsprechend in Kenntnis setzen, wobei der hier angegebene Link den Eingang bildet.
    In der Hoffnung auf Widerhall mit solidarischen Grüßen
    Egon Sommer

    Die Direktkommunikation des Parteivorstandes hat heute Morgen, 30.11.2017, dazu Stellung genommen. Die schnelle und prompte Antwort aus Berlin hier:

    Sehr geehrter Herr Sommer,

    vielen Dank für Ihre E-Mail, die uns am 29. November 2017 erreicht hat.

    Wir können Ihre Empörung sehr gut nachvollziehen. Für die SPD stand vor der Abstimmung ganz klipp und klar fest: Vorrang hat die Gesundheit von Menschen und der Schutz der Umwelt. Wir forderten daher, dass die Anwendung des Wirkstoffes Glyphosat in der europäischen Landwirtschaft beendet wird. Auch viele andere chemische Mittel müssen so weit wie möglich zurückgedrängt werden. Stattdessen müssen wir in eine nachhaltige Landwirtschaft einsteigen und brauchen alternative Methoden. Auch die bewährten Methoden des Ackerbaus, wie weite Fruchtfolgen, mechanische Bodenbearbeitung und biologische Pflanzenschutzmittel, müssen Vorrang vor chemischen Mitteln erhalten. Erst dann werden wir unsere selbstgesteckten Ziele zum Erhalt der Biodiversität und eine widerstandsfähige Landwirtschaft erreichen.
    Fakt ist: Nach mehrfachen Enthaltungen votierte Agrarminister Christian Schmidt (CSU) am 27.11.2017 auf eigene Faust für eine weitere Nutzung des umstrittenen Mittels. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte sich im Vorfeld deutlich und klar dagegen ausgesprochen. Daher ist für die SPD absolut klar, dass Deutschland sich erneut hätte enthalten müssen.
    SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sieht in der eigenmächtigen Zustimmung des Agrarministers zur Verlängerung der Lizenz für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat einen „massiven Vertrauensbruch“ innerhalb der geschäftsführenden Bundesregierung. Angesichts der einsamen und unabgestimmten Entscheidung von Schmidt stellt sich die Frage, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre eigenen Leute noch im Griff hat. „Wir empfinden das wirklich als schwere Belastung“, sagte Andrea Nahles auch mit Blick auf anstehende Gespräche mit der Union über eine Regierungsbildung.
    Wir setzen jetzt insbesondere auf die Freiheit einzelstaatlicher Regelungen, die explizit und trotz der EU-Verlängerung möglich sind. Frankreich zum Beispiel hat angekündigt auch sehr strikte Einschränkungen einführen. Nun müssen national zusätzliche Maßnahmen im Sinne restriktiverer Anwendungen ergriffen werden.

    Mit freundlichen Grüßen aus dem Willy-Brandt-Haus
    N.N.
    Ende der Nachricht aus der Direktkommunikation des Parteivorstandes

    Dann warten wir doch nun mal ab, was unsere SPD in der Folge der allgemeinen Empörung durchsetzen wird. Die Freiheit einzelstaatlicher Regelungen, wie vom Parteivorstand hier angesagt wäre ja schon ein erster Schritt aus dem Dilemma heraus. Leider entzieht es sich meiner Kenntnis, wie viele unserer Abgeordneten die Zeit aufbringen, sich den 90-minütigen ARTE-Film „Roundup, der Prozess“ ansehen bzw. angesehen haben. Das was vermutlich täglich auf den Schreibtisch der Abgeordneten kommt ist mit Sicherheit einfacher zu lesen und bequemer. Kann das alles Lüge sein, was die offiziellen Verlautbarungen über Glyphosat ausgießen? Ich glaube ja!

    Egon Sommer

  3. Alfons Maximini sagt:

    Die gewählten Abgeordneten sind doch nur die Fußballspieler in einem vollbesetzten Stadion von Kapital- und Wirtschaftsbossen, die uns Politiker spielen lassen. Mittlerweile ist diese Metapher bereits von der Realität überholt. Schaut euch mal die Besitzer der Profimannschaften an. Und das was ich bereits vor wenigen Tagen von den Landwirtschaftsverbänden und deren Funktionären geschrieben habe, ist jetzt eben nur von einem politischen Leisetreter aktuell genutzt worden. Leisetreter sind gefährlicher als Maulhelden. Und was hat denn Schmidt zu verlieren. In einem neuen Kabinett wie auch immer das zusammengesetzt ist, wird dieser Lobbyist eh nicht mehr vertreten sein.Und was macht die SPD – letztendlich wird es zähneknirschend akzeptiert.

  4. Raimund Scholzen, Trier sagt:

    hallo Egon, hallo liebe mitblogger/innen,
    ich war nahe dran, mich mit einer Groko abzufinden, bis minister Schmidt (CSU) die verhältnisse wieder „geradegerückt“ hat: die Union ist ein unzuverlässiger partner, für den kein vertrag gilt, wenn er nicht seinen interessen entspricht, und das sind die interessen seiner klientel. selbst die im vergangenen koalitionsvertrag vereinbarten punkte
    • teilzeit/vollzeit
    • bürgerversicherung
    • solidarrente
    hat die Union auf die lange bank geschoben, bis die legislaturperiode rum war. und Herrn Schmidts abstimmungsverhalten in Brüssel setzt dem ganzen die krone auf. unter diesen vorzeichen kann ich keiner GroKo zustimmen.
    gruß Raimund

    • Egon Sommer sagt:

      Die noch amtierende Bundeskanzlerin rügt heute ihren Landwirtschaftsminister. Er habe ohne ihr Wissen einer Lizenzverlängerung des Unkrautvernichters Glyphosat zustimmen lassen. Ohne ihr Wissen? Das ist Verarschung pur. Fast im gleichen Atemzug sagt sie sinngemäß, dass die Bewertung von Minister Schmidt ihr näher stehe, als die von Frau Hendricks. Muss man da noch weiter hinterfragen? Ich meine Nein!
      Schau’n wir mal wie’s weitergeht.

  5. Gabriela Linden sagt:

    Gesundheit ist ein hohes Gut, das war einmal! Ich frage mich, wessen Interessen der Bundeslandwirtschaftsminister vertritt. Aber geschenkt, am Ende des Tages tragen alle in der Groko für diese Entwicklung die Verantwortung und „Empörung“, in welcher Form auch immer vorgetragen, reicht als Reaktion nicht aus. Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen gezogen werden.

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