Julian Assange – Mutiger Aufklärer oder krimineller Verräter?

„Über Assange und die Schande des Westens“

das ist der Titel des Kommentars, den ich mir heute morgen in aller Frühe im Deutschlandfunk (DLF) mehrmals angehört habe. In allen Frühnachrichten des DLF ist der Kommentar der NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) in der Presseschau wiederholt worden. Offensichtlich waren die Nachrichtenredakteure überrascht von der deutlichen Stellungnahme des stellv. Chefredakteurs der NOZ, Burkhard Ewert, wie man sie in dieser eindeutigen Weise in anderen Medien nicht wiederfindet.

Julian Assange, 18 August 2014. Foto: Author David G Silvers

Ich hatte mir für heute vorgenommen, auch in meinem Blog die Meinung zur Festnahme von Julian Assenge durch die britische Polizei zu äußern.
Der Kommentar von Burkhard Ewert erspart mir zunächst persönlich die Recherche zum peinlichen Verhaftungsvorgang  in der ecuadorianischen Botschaft in London. Ich nehme mir deshalb die Freiheit, den allessagenden Meinungskommentar, der sich insgesamt mit meinen Ansichten deckt, in diesem Blogartikel abzubilden.

„Osnabrück. Mutiger Aufklärer oder krimineller Verräter? Julian Assange gehört klar in die erste Kategorie. Jetzt hat er sein Asyl verloren. Für die Art des Umgangs mit ihm muss der Westen sich schämen. Ein Kommentar.

Tausende Dokumente über Vergehen des US-Militärs im Irak und in Afghanistan, über Kriegsverbrechen, Folter, Beschuss von Zivilisten und die Vorgänge in Guantanamo wären ohne Assanges Internetplattform Wikileaks im Dunkeln geblieben. Dutzende relevante Enthüllungen über finanzielle Verflechtungen und moralische Verwerflichkeiten von Politik bis Vatikan kamen hinzu.
Chelsea Manning nutzte das Netzwerk – das Video „Collateral Murder“ zeigt, wie US-Soldaten aus einem Hubschrauber heraus feixend Zivilisten im Irak erschießen. Es hat My-Lai-Charakter. Auch bei den Enthüllungen von Edward Snowden über illegale Spionagepraktiken der US-Geheimdienste im eigenen Land und der ganzen Welt spielte Wikileaks eine überragende Rolle.
Beide Akteure wurden verurteilt oder zur Flucht getrieben. Beide Beispiele machen deutlich, dass sich Wikileaks und ihre Betreiber um die Zivilgesellschaft und westlichen Werte verdient gemacht haben – übrigens auch deshalb, weil staatsnahe und saturierte US-Medien die Veröffentlichung kritischen Materials mehrfach scheuten.

Mit einer zweifelhaften Jagd durch die halbe Welt und ungezählte juristische Instanzen wurde auch Assange das Leben schwergemacht, bis – inzwischen verworfene – Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden herhalten mussten, damit die Briten ihn ausliefern wollten.
Sieben Jahre nach seiner Flucht wird Assange nun unter einem erneuten Vorwand der Justiz übergeben. Gut daran ist immerhin, dass das unwürdige Dasein in einem Botschaftstrakt ein Ende hat. Schlecht ist, dass offenkundig windige Absprachen im Hintergrund getroffen wurden und sich die drei beteiligten Staaten auf ein Verfahren zu Lasten Assanges geeinigt haben.
Dabei hätte es auch im Interesse der USA gelegen, wenn sie dem Australier keine Bühne mehr geboten hätten. Stattdessen dringen sie rachsüchtig auf Auslieferung.
Will Deutschland glaubwürdig bleiben, muss es sich vor Assange stellen. In der EU auf den gesetzlichen Schutz von Whistleblowern zu dringen, aber gleichzeitig einem Weltstar der Szene nicht zur Seite zu stehen, wäre unglaubwürdig und schäbig.“
Ende des Kommentars von Burkhard Ewert

Die Nachdenkseiten: Julian Assange: Von den Medien benutzt, bekämpft und begraben

Die Nachdenkseiten: Viele Medien verdanken mutigen Akteuren wie Julian Assange die größten Storys der letzten Jahrzehnte. Medien wie „Spiegel“, „Guardian“ oder „New York Times“ haben Assange und Edward Snowden jedoch erst für ihren Ruhm benutzt, dann teils als „Staatsfeinde“ diffamiert und sie weitgehend – in ihren jeweiligen Asylen in London und Moskau – medial begraben. Von Tobias Riegel.

Die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Whistleblowers Julian Paul Assange sollte man kennen, um sich ein sauberes Urteil über ihn bilden zu können. Der 3. Juli 1971 geborene Australier ist/war Sprecher der Enthüllungsplattform Wikileaks.

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2 Responses to Julian Assange – Mutiger Aufklärer oder krimineller Verräter?

  1. Peter Trauden sagt:

    Man darf davon ausgehen, dass hier tatsächlich eine Verschwörung im Gange ist, nämlich eine staatlich gelenkte. Der Mann mag exzentrisch sein, das sind in dieser Branche wahrscheinlich nicht wenige, aber ein Verbrecher zu sein, weil er Vorgänge an die Öffentlichkeit bringt, die eindeutig hoch kriminell sind und von staatlicher Seite gedeckt werden, ist aller Ehren wert. Diesen Mann mittels maßgeschneideter Anklage an die USA ausliefern zu wollen, ist das nächste Verbrechen, das diese politischen Kriminellen ausgeheckt haben. Der verrückte Amerikaner ruft den Notstand aus, um seine dämliche Mauer zu bauen, legt seine Steuererklärungen nicht offen, führt Geheimgespräche mit Putin, lässt Kinder von ihren Müttern trennen und droht anderen Ländern, sie wirtschaftlich zu vernichten. Diesem gefährlichen Lumpen das Richtschwert gegen Assange in die Hand zu geben wäre die endgültige Bankrotterklärung jeder demokratischer Rechtsstaatlichkeit.

  2. Helmut Ayl sagt:

    Jetzt wollen und werden die USA ihn wegen „Verschwörung“ vor Gericht stellen, er soll bis zu 5 Jahre zu erwarten haben.
    Wogegen hat er sich verschworen? Gegen das Verschweigen von Kriegsverbrechen und illegalen Spionageakten! Das soll jetzt strafbar sein! Das ist dann aber nichts weiter als übelste politische Justiz wie in den von den USA so genannten Schurkenstaaten.
    In den besseren, gerechteren Zeiten der USA (nach dem 2. Weltkrieg) wurden Kriegsverbrecher (in Deutschland und Japan) wegen Verschwörung gegen den Frieden, Herbeiführung von Angriffskriegen und schweren Menschenrechtsverletzungen bzw. Planung und Durchführung von Massenmorden zu Recht vor Gericht gestellt und bestraft. Wie tief sinken die USA noch?

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