Kevin allein zu Hause? Verleugnet die SPD ihren Ursprung?

Ein 29-jähriger Juso erschüttert die Scheinheiligenwelt

Trierischer Volksfreund schrieb:
Kühnerts Schuss geht für die SPD nach hinten los
Vorschlag eines Lesers: „Kühnerts Schuss hat gesessen“

Die WeLT berichtet:
SPD-Kollege fordert Parteiausschluss des Juso-Chefs
Der Präsident des SPD-Wirtschaftsforums, Michael Frenzel, forderte den Parteiausschluss von Kühnert.

ZEIT-ONLINE schreibt:
Macht er die SPD zur SED?

Der Pragmatismus hat sich totgelaufen, doch Utopien werden beiseite gewischt: Die Reaktionen der SPD auf Kühnerts Thesen verraten viel über den Zustand der Partei. Im Jahr 2007, nach den Verunsicherungen der Schröder-Jahre, war es für die SPD an der Zeit, sich ihrer Selbst zu vergewissern, sie beschloss das Hamburger Programm, in dem der zweite Satz lautet: 

„Den Menschen verpflichtet,
in der stolzen Tradition des demokratischen Sozialismus,
mit Sinn für Realität und mit Tatkraft stellt sich die deutsche Sozialdemokratie in der Welt des
21. Jahrhunderts ihren Aufgaben.“

Tagesspiegel orakelt:
Ein Gespenst geht um
Kevin Kühnerts Sozialismus-Thesen und die Folgen

Der Juso-Chef stellt eine große Frage: Braucht es mehr Sozialismus? Damit hat Kevin Kühnert plötzlich einen Nerv getroffen. Selten hat ein Juso-Chef mit einigen wenigen Sätzen die Republik so in Wallung gebracht. Der 29-jährige Kevin Kühnert hat mit seinen Thesen zum demokratischen Sozialismus die Union und auch Teile der SPD mitten im Europawahlkampf in Aufregung versetzt.

Die taz vermeldet:
Kühnert will mehr
Der Juso -Chef legt noch mal nach und macht „neoliberale Beschallung“ für die heftigen Reaktionen auf seine Thesen verantwortlich. Bei der SPD dämmert es.

Die taz weiter:
Die Gedankenspiele des Juso-Vorsitzenden sind nicht beunruhigend. Traurig sind seine Genossen, die sich aus Angst von ihm distanzieren.

Statt der albernen Kommentare der sogenannten Qualitätsmedien
erspare ich mir hier weitere Aufzählungen der jämmerlichen Erklärungen unserer sogenannten Qualitätsmedien. Den einzigen vernünftigen und sachlichen Beitrag liefert  Redakteur Jens Berger von Albert Müllers NachDenkSeiten (NDS).

03. Mai 2019 um 8:59
Kevins Traum vom Sozialismus
Der Chef einer zweitrangigen politischen Organisation namens „Jungsozialisten“ erklärt der ZEIT in einem Interview am „Kampftag der Arbeiterklasse“, was er unter Sozialismus versteht, und Deutschlands Meinungslieferanten tun gerade so, als stünde der auferstandene Karl Liebknecht vor den Toren und drohe dem Michel, ihm seine Villen im Tessin wegzunehmen. Zeit, einen Gang herunterzuschalten. Es ist ja schön, wenn Juso-Chef Kühnert wenigstens eine Vision davon hat, wie ein moderner Sozialismus aussehen könnte. Seine Aussagen radikal aus dem Kontext zu reißen und sie als konkrete Forderungen darzustellen, ist absurd. Ein abgekartetes Polittheater, bei dem auch Kühnert und die ZEIT ihre Rolle eingenommen haben und alle Beteiligten ihren Schnitt machen – außer die Öffentlichkeit natürlich; die wird mal wieder für dumm verkauft. […]                                                                                          Hier weiterlesen!

Eine zumindest für mich äußerst zufriedenstellende Analyse des „ungeheuerlichen“ Rückfalles in unglückliche vordemokratische Zeiten. Das Glück dieser Erde beschert uns nun tagtäglich die freie Marktwirtschaft; oder die soziale Marktwirtschaft, von der auch  manchmal verschämt schwadroniert wird.

 

 

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1 Antwort zu Kevin allein zu Hause? Verleugnet die SPD ihren Ursprung?

  1. Peter Trauden sagt:

    Zum Kommentar von heute
    „Kühnerts Schuss geht für die SPD nach hinten los“

    „Kühnerts Schuss hat gesessen“ – so hätte ich einen Kommentar zu dessen Thesen überschrieben.
    Der Juso-Chef hat mit sicherem Instinkt die Spreu vom Weizen seiner Partei getrennt. Sein Kollege
    Johannes Kahrs vom „Seeheimer Kreis“ blafft aufgeschreckt „Was hat der denn geraucht?“
    Der hat nichts geraucht, der hat einfach mal gesagt, was seine Partei endlich wieder werden sollte, nämlich die der Arbeiter, der sogenannten kleinen Leute. Klar, der Kapitalismus funktioniert, die Wirtschaft brummt und die Konzerne schreiben tiefschwarze Zahlen. Nur fallen dabei immer mehr
    Menschen in prekäre Verhältnisse. Die, die einen festen Arbeitsplatz haben, werden sich nicht beklagen, aber was ist mit denen, die seit Gerhard Schröders „Sozial“- Reformen durchs Rost gefallen sind? Die sich seit Jahren in der Hartz IV – Falle befinden, die trotz Mini-Jobs ihre Familien nicht anständig durchs Leben bringen können, die mit ihrer Rente so gerade eben ihre Miete zahlen können und fürs warme Essen bei den Tafeln anstehen müssen?
    Auch das sind Ergebnisse dieses wunderbaren Kapitalismus.
    Darf noch daran erinnert werden, dass 2008 der Steuerzahler für das hemmungslose Zocken der Banken geradestehen durfte? Damals gehörten den Bürgern plötzlich die Banken – freilich nur für die kurze Zeit der Rettung. Dass genau diese Banken genau diese Steuerzahler mit ihren Cum-Ex-Geschäften schon wieder um Milliarden betrügen und Ex-Finanzminister Schäuble diesem schändlichen Treiben sehr, sehr lange ungerührt zuschaute, schafft nicht eben Vertauen in die Politik. Dass Krankenhäuser inzwischen wie Kapitalgesellschaften geführt und die Patienten in Klassen eingeteilt werden, zeugt nicht wirklich von sozialer Verantwortung. Dass sämtliche Verkehrsminister, einschließlich des aktuellen, ihre schützende Hand über die Dieselbetrüger hielten und weiter halten stärkt nicht gerade das Rechtsempfinden der übers Ohr gehauenen Autokäufer. Dass Andreas Scheuer am lautesten gegen Kühnert wettert und ihn als „irre“ bezeichnet, ist da nur logisch.
    Nein, diejenigen in der SPD, die jetzt in diesen Chor der Entsetzten einstimmen, waren und sind genau die, die ihre Partei in den Abgrund geführt haben. Besonders der Seeheimer Kreis, der um der schönen Pöstchen willen seit jeher die Ideale seiner Partei verrät und das mit Pragmatismus verwechselt, würde keinem aufrechten Sozialdemokraten fehlen, sollte er plötzlich verschwinden. Kevin Kühnert und die Jusos scheinen derzeit die einzigen zu sein, die gemerkt haben, dass nur noch ein radikaler Schwenk hin zu den Anliegen der Benachteiligten dieses aus den Fugen geratenen Kapitalismus helfen kann. Schade, dass Martin Schulz seinerzeit nicht den Mumm aufbrachte, sein Eintreten für mehr Gerechtigkeit ebenso klar zu formulieren, stattdessen folgte er den „Seeheimern“.
    Das Ergebnis kennen wir.

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