Meinungsforschungsinstituts Forsa: SPD vor dem Untergang

Forsa-Chef Manfred Güllner prognostiziert Auflösung der SPD

Jedenfalls sagte er das im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am 08.10.2019 und bezieht sich auf die Mitgliederentscheidung für die neue SPD-Spitze. Man muss der Meinung eines Meinungsforschungsinstitutes nicht unbedingt folgen; aber auch bei mir hat sich angesichts des Verfahrens große Skepsis festgesetzt. Ich folge Güllner, wenn er behauptet, eine neuer Vorsitzender oder auch zwei Vorsitzende würden nichts ändern. Den aktuellen Mitgliederentscheid um den Parteivorsitz sieht Güllner kritisch: „Die aufwendige Mitgliederbefragung führt dazu, dass sich die SPD nur mit sich selbst beschäftigt.“ Den Bürgern sei es egal, ob der Vorsitzende per Mitgliederentscheid oder auf einem Parteitag gewählt werde. Insofern hat er recht.

Forsa-Chef Manfred Güllner, 55 Jahre Mitglied in der SPD, sieht schwarz für die (seine) Partei. Umfragen lagen schon oft daneben; den Niedergang der eigenen Partei zu prognostizieren ist jedoch nicht hilfreich. Bild: Screenshot ntv

Aber auch ein Forsa-Chef kann sich gewaltig irren 
Was er im weiteren Verlauf des Gespräches von sich gibt, ist aus meiner Sicht hanebüchener Quatsch: Er sagt:

Die Partei habe seit 1998 rund 13 Millionen Wähler verloren, bei der Ursachenforschung komme sie aber nicht voran. „Sie sollte darüber nachdenken, wie es so weit kommen konnte. Das tut sie gerade nicht, wenn sie immer weiter nach links schwenkt. Die SPD hat die Mitte verloren“.

Bis auf die 13 Millionen verlorener Wähler hat er recht. Sein Drang zur Mitte ist der Quatsch den ich meine.

Die SPD hat keineswegs die sogenannte Mitte verloren; sie ist mitten drin, und dies ist ihr Verhängnis. Die linke progressive Seite der Partei ist ins Abseits gerutscht.
Der parteibeherrschende rechte konservative Seeheimer Kreis, den ich in diesem Blog bereits mehrfach benannt und beschrieben habe, ver- und besorgt die sogenannte Mitte, wie sie der vorgenannte Manfred Güllner gerne sieht.
Die 1972, also zu Willy Brandts-Zeiten entstandene Parlamentarische Linke, könnte, sofern sie sich durchsetzte, die vom Ursprung der Partei gesetzten Ziele auffrischen. Parteivertraute Besucher dieses Blogs werden unter den Mitglieder dieser Gruppierung viele bekannte Gesichter erkennen, denen man die Erneuerung der Partei zutrauen könnte. Ein Blick in diese Bildergalerie lohnt sich eventuell.
Dann gibt es da noch, als dritte Strömung in der Partei, das 1999 gegründete Netzwerk Berlin, ein Zusammenschluss von progressiven SPD-Bundestagsabgeordneten.

Von einem Meinungsforscher, zu dem auch noch SPD-Mitglied, sollte man erwarten können zu wissen, wer in Deutschland die sogenannte Mitte besetzt. CDU, CSU, FDP und mit Ausnahmen auch die Grünen haben dieses bundesdeutsche Mittelfeld gründlichst beackert.

Für die SPD führte der Weg in die Mitte direkt in den Keller
Der verzweifelte Versuch der führenden Sozialdemokraten, die Partei in die sogenannte Mitte zu verschieben, hat sie nun in den tiefsten Keller ihrer Geschichte fallen lassen. Selbst bei 12 bis 13 Prozent Zustimmung glauben die derzeit handelnden Protagonisten immer noch an die Auferstehung. 

Ich, seit einem knappen Vierteljahrhundert SPD-Mitglied, erlaube mir, hier aus der Ich-Perspektive und als Blogger, meine persönliche Meinung darüber zu offenbaren, wie es der SPD gelingen könnte, aus dem tiefen Keller wieder ans Tageslicht zu steigen.

„Meine“ gefühlten Gründe, wie es „meiner“ Partei wieder gelingen könnte, den von Forsa-Chef Güllner prognostiziertem Untergang aufzuhalten, sind ganz persönlich geprägt.

Wie die SPD vielleicht wieder Boden gewinnt  

  1. Die klare und eindeutige Absicht zum Programm erhebt, die Agenda 2010 als Sündenfall der Partei anzuerkennen und die menschenverachtenden Gängelungen durch die Hartz IV-Gesetze zu beseitigen.
  2. Deutliche Distanzierung vom politischen US-Einfluss auf die deutsche (Außen-) Politik.
  3. Klare und deutliche Abkehr vom Nato-Säbelrasseln und dem Vordringen in den grenznahen russischen Raum.
  4. Neuorientierung für eine Freundschaftspolitik mit Russland.
  5. Kritische Standpunkte gegenüber der westlichen Berichterstattung über herrschende Konflikte im Nahen Osten.
  6. Eindeutige positive Position gegenüber Iran.
  7. Eindeutige kritische Position gegenüber Saudi-Arabien.
  8. Massentierhaltung bei allen Tierarten auf überschaubare Höchstzahlen einschränken; tiergerechte Haltung in tiergerechten Stallungen. Würdiger Umgang mit allen sogenannten Nutztieren und Achtung als Mitgeschöpfe.
  9. Strenge Einhaltung der Tierschutzgesetze.
  10. Ackergifte Glyphosat für Deutschland sofort verbieten, usw.

Bei der groben Auflistung bin ich mir bewusst, dass es entsprechend den vorgenannten 10 Punkten zu vollkommen unterschiedlichen Auffassungen und Wertungen kommt. Als selbständig denkender Soze weiß ich aber auch, dass meine Vorstellungen von sozialdemokratischer Politik von Vielen mitgetragen würde; auch von Nichtmitglieder der Partei und bei „höherrangigen“ Sozen.

Fazit und Perspektive
Zunächst bleibt sowohl den 440.000 Parteimitgliedern als auch den verlorenen 13 Millionen Wählerinnen und Wähler nur der Blick auf die kommende Vorsitzendenwahl.

 

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