Oskar Lafontaine, der Sozialdemokrat

Vor 20 Jahren begann der Niedergang der SPD 

Man muss nicht unbedingt ein glühender Anhänger Oskars sein. Wer aber heutzutage immer noch dem Weg der SPD seit 2003 huldigt, hat den tieferen Sinn der Sozialdemokratie und die Hintergründe für ihren Niedergang nicht verstanden.

Über 20 Jahre liegen seit Lafontaines spektakulärem Rücktritt als Finanzminister im Kabinett Schröder und als SPD-Parteivorsitzender zurück. Die Gründe hierfür sind mittlerweile ausreichend bekannt, die Wiederholung dieser Umstände werde ich deshalb hier nicht wieder aufwärmen.

Oskar Lafontaine, Jg.1943, ist seit 2014 mit Dr. Sahra Wagenknecht verheiratet. Der Diplomphysiker und die Volkswirtschaftlerin sind das Traumpaar der politischen Linken. Zu viele neoliberale  Elemente im Land verhinderten den Durchbruch zu sozialdemokratischer Gesellschaftpolitik. Die einfache Wahrheit spricht aus dem Bildtext. Bild: Oskar Lafontaine-Facebook

Ein Paukenschlag für die fassungslose SPD

Das SPD-Parteiorgan „vorwärts“ nennt das Ereignis „Paukenschlag für die fassungslose SPD“.
„Der Konflikt zwischen Lafontaine und Schröder tritt nach dem Sieg in der Bundestagswahl am 27. September 1998 offen zu tage. Im Wahlkampf noch vereint, kämpfen beide um die Führung in der Bundesregierung: Ist Parteichef und Bundesfinanzminister Lafontaine der Architekt des großen Wahlsiegs der SPD? Oder ist es der populäre Kanzler Schröder?“

Ich meine, der echte Sozialdemokrat Lafontaine war Architekt und Motor. Das Ergebnis von Schröders Modernisierungskurs kennen wir alle zu gut. Leider lässt sich das Rad nicht so einfach zurückdrehen. 

Weiter auch das Eingeständnis:

Schröder kann die Partei nicht einen

„Schröder gelingt es nicht,  die Partei zu einen. Die Genossen arbeiten sich an der Agenda 2010 ab. Nach fünf Jahren als Parteichef räumt der Kanzler ein, dass es über seine Reformpolitik in der SPD ein „Vermittlungsproblem“ gebe. Am 6. Februar 2004 stellt er sein Amt als Vorsitzender zur Verfügung. Er schlägt Franz Müntefering als seinen Nachfolger vor, in der Hoffnung, dass der treue Parteisoldat die Genossenreihen schließen kann. Müntefering hält den SPD-Vorsitz für das „schönste Amt neben Papst“.

Eine Lanze für Oskar Lafontaine

Auch auf die Gefahr hin, dass ich bei einigen Besuchern und Lesern meines Blogs in Ungnade falle, breche ich hier eine Lanze für den Sozialdemokraten Oskar Lafontaine. Auch scheue ich nicht davor zurück zu behaupten, dass die (deutsche) Welt besser und anders aussehen würde, wenn sich Oskar gegen Schröder und Co. hätte durchsetzen können. Die SPD stünde heute mit Sicherheit besser da und dümpelte nicht im 15-Prozent-Keller dahin.

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans neue Hoffnungsträger der SPD?

Wer den politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen der neuen Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans folgen kann, sieht die Nähe des sozialdemokratischen Impetus der Beiden sehr nahe bei den Absichten Lafontaines. Trotz Hoffnung auf die Erneuerung der SPD bleibt jedoch eine Menge Skepsis angesichts der internen Parteiströmungen, dem Einfluss der konservativen Medien und der Wirtschaft sowie der politischen Konkurrenz bestehen. Zu lange Zeit ist der Abwärtsstrudel der Partei nach unten hingenommen und schöngeredet worden. Der 20 Jahre andauernde Abstieg der Partei benötigt, wenn überhaupt noch möglich, noch einmal 20 Jahre um aus dem Tief herauszukommen. Die einzige Chance, es schneller zu schaffen, ist die Vereinigung der links-progressiven Kräfte im Land.

Oskars Bilder auf Facebook

Wie schwer die politische Eintracht sowohl in Deutschland als auch in der übrigen Welt herzustellen ist, zeigt Oskar Lafontaine auf seiner Facebook-Seite. Die Bilder mit Textspalte beschreiben die schier unlösbaren Probleme, unsere Gesellschaft unter einen Hut zu bringen.
Hier sechs Beispiele aus Oskars Polit-Bildershow, die insgesamt wie politische Satire wirkten, wenn die Themen nicht so ernst und aussagekräftig wären. Es ist die interessanteste, unterhaltsamste und ernsthafteste politische Bilderfolge die mir je begegnet ist.
Viel mehr hier!

Die vollkommen abstrakte Vorstellung beschreibt dieses Bild. Eine deutsche (linke?) Parteivorsitzende will Putin zu Räson bringen. Man fasst es nicht! Derzeit keine guten Aussichten für fruchtbare linksprogressive Zusammenarbeit in Deutschland.

Oskars Aussage deckt sich mit der Meinung vieler SPD-Mitglieder und sehr vieler Menschen in Deutschland, die einst SPD gewählt haben. Die neue SPD-Spitze wird sich mit den erkennbar guten Absichten nicht durchsetzen können, weil die Gegenströmungen einfach zu stark sind. Nur in einer gemeinsamen linksprogressiven Parteienlandschaft wären die Perspektiven vielleicht aussichtsreich.

 

 

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