Quereinsteigerin auf dem Weg nach Brüssel

Wie der Trierische Volkfreund (TV) über Katarina Barley berichtet 

„Als Quereinsteiger gelten Menschen, die auf einem hohen Niveau in die Politik wechseln – und vorher eine Karriere in einem politikfernen Beruf gemacht haben. Ausschlusskriterien sind dabei eine sogenannte Ochsentour in einer Partei sowie Erfahrungen in politischen Funktionen.“ so leitet Wikipedia die Wortdeutung Quereinsteiger ein.

Wenn jedoch jemand negativ dargestellt wird, dann vermute ich dahinter die böse Absicht. Müssen denn der deutschen SPD-Spitzenkandidatin für Europa, Katarina Barley, nach „guter“ Journalistenmanier Negativbeschreibung vorangestellt werden?
Das Prinzip der Nachrichtenmacher – „das Wichtigste zuerst“ – scheint dem TV in diesem Fall sehr wichtig zu sein.

Katarina Barley – nicht gekünstelt und nicht mit Fotoshop bearbeitet. Bildquelle: REUTERS /Tagesschau.de

Auf Seite 2 des TV von heute (20.05.2019), unten, leitet TV-Redakteur Bernd Wientjes seinen Bericht über die Schweicherin Katarina Barley mit folgenden Worten ein:
„Die 50-Jährige strahlt mit gekünsteltem Lächeln  und auffällig mit Fotoshop bearbeiteten(von den) Wahlplakaten der SPD“. 

Allein dieser Satz ist prägend für den sechsspaltigen Artikel, der unterm Strich den sogenannten negativen Touch durchscheinen lässt. Lässt man die fett gedruckten Worte weg, dann klingt der Text eher wohlwollend!

Anders beschreibt es die ARD-Tagesschau von heute um 11.26 Uhr:

Allzweckwaffe mit Europa im Blut

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Dass jemand für eine Europa-Spitzenkandidatur ein Ministeramt aufgibt, gab es noch nie – bis Katarina Barley kam. Eine SPD-Politikerin, die von sich behaupten kann, Europa sei sogar in ihr drin.

„Sie als Super-Europäerin – das ist Katarina Barleys bestes Verkaufsargument in diesem Wahlkampf: „In mir drin – ich glaube, mehr Europa als das geht einfach nicht“, sagt Barley über sich selbst.
Die geborene Kölnerin ist Halb-Britin. Durch den spanisch-niederländischen Ex-Mann, den sie beim Studium in Paris kennenlernte, haben die zwei Söhne Großeltern mit vier verschiedenen Nationalitäten. An ihrem Wohnort in Trier ist Barley ganz nah dran an Luxemburg, Frankreich, Belgien.“

Zunächst Karriere als Juristin
Mit 26 tritt die heute 50-Jährige in die SPD ein. Zur großen Politik kommt sie aber erst spät, macht erstmal Karriere als Juristin. Sie arbeitet als Rechtsanwältin, Richterin, in der öffentlichen Verwaltung. Vor allem von ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht schwärmt sie noch heute.
Der Aufstieg in der Bundes-SPD geht dann blitzschnell: 2013 Einzug in den Bundestag, zwei Jahre später Generalsekretärin – Spitzname im Willy-Brandt-Haus: „Die Elfe.“ Seit 2017 ist sie Ministerin in verschiedenen Ressorts. Barley hat sich selbst mal als Allzweckwaffe der SPD bezeichnet – und wer sie ein bisschen kennt, weiß, dass sie das ernst meinte, auch wenn sie es später als Karnevalsscherz abtat.

Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio, weiter:

„Ich bin nicht so die Lautsprecherin“
Die typische politische Rampensau ist Barley definitiv nicht. „Ich bin nicht so die Lautsprecherin und auch nicht so die Wadenbeißerin“, sagt sie.

Manche Genossen würden sich ein bisschen mehr Leidenschaft und Kampfesgeist wünschen, aber für die meisten ist Katarina Barley das positive Gesicht der SPD: Freundlich, verbindlich, natürlich, unprätentiös. Dazu gehört, dass sie eine der wenigen Spitzenpolitikerinnen ist, die kaum Make-Up tragen.
Ihre Spitzenkandidatur ist eine Premiere: Noch nie hat eine Bundesministerin oder ein Minister sein Amt aufgegeben, um ins EU-Parlament zu gehen.

Katarina Barley – Spitzenkandidatin der SPD für das Europaparlament. Foto: https://katarina-barley.spd.de/

 

Das ist Positivwerbung für Katarina!
Katarina, wie sie in unserem Trier-Saarburger SPD-Umfeld gerufen wird, leidet bei den Erfolgsaussichten der deutschen Sozialdemokraten unter Folgen, die sie nicht mitzuverantworten hat: Agenda 2010 mit allen unsozialen Auswüchsen, insbesondere dem unglücklichen Hartz IV-Dilemma, aus dem sich die Partei kaum noch befreien kann. Sie selbst wird dagegen ankämpfen, auf europäischer Ebene; dazu brauchen wir und braucht Sie neue Mehrheiten.

Auch als kritisches SPD-Mitglied habe ich Katarina meine Stimme gegeben.

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2 Responses to Quereinsteigerin auf dem Weg nach Brüssel

  1. Alfons Maximini sagt:

    Bernd Wientjes und der Trierischer Volksfreund können es wohl nicht verwinden, dass die SPD eine solch ernstzunehmende, sympathische und kluge Sozialdemokratin und Wahlkämpferin für Brüssel aufbieten kann. Sie ist noch mit Ministerin Franziska Giffey in der jetzigen Regierung einer der Leuchttürme im Kabinett. Klar – dass der Volksfreundredakteur es nicht gerne wahrnehmen will, dass eine Politikerin aus dem Trierer Land auch im Europawahlkampf erfolgreich punkten kann. Der Beitrag von Wientjes ist dermaßen daneben, dass ich das Kampfblatt der CDU umgehend kündigen würde, wenn ich das noch nicht getan hätte. Da gibt der TV Monate vor Wahlen an die politischen Parteien einen sogenannten Kodex vor Wahlen heraus, hält sich, wie das Beispiel Wientjes zeigt, selbst aber nicht daran. Es ist entspannend, morgens beim Frühstück keine tendenziellen Attacken auf die SPD im Bund, im Land und im Landkreis lesen und sich ärgern zu müssen. Bestellt doch diese Zeitung, die von solchen Redakteuren majorisiert wird einfach ab.

    • Egon Sommer sagt:

      Hallo lieber Alfons,
      ich freue mich über jede Reaktion auf meine Blogbeiträge, insbesondere dann, wenn sie mit meinen Vorstellungen übereinstimmen. Zum Thema TV nur so viel:
      Du wirst bemerkt haben, dass ich hin und wieder meine Meinung in Form einer Leserzuschrift an den TV gebe. Zumeist werden sie veröffentlicht, solange man den Redakteuren/Journalisten nicht auf die Füße tritt. Meine letzte Zuschrift hat man auf Nachfrage dem Rundordner zugeordnet und argumentiert, ich sei erst kürzlich < 1 Monat drangekommen. Inhalte sind offenbar Nebensache. Ich hatte Stellung genommen zu einem unsäglichen Kommentar des Redakteurs Markus Grabitz. Dessen Worte: „[...] der Bundesregierung sei es wichtiger, Rentengeschenke an die Zielgruppen von Sozialdemokraten und Christdemokraten zu verteilen, statt sich an die Beschlüsse der Allianz (Nato) zu halten und die Verteidigungsausgaben zu erhöhen“. Meine Reaktion darauf: „Wie viel plumpen Populismus darf ein Journalist den Leserinnen und Lesern einer Zeitung zumuten, bis man ihn wegen übler Hetze und übergroßer Dummheit vor die Tür setzt? Das war dem TV doch scheinbar etwas zu starker Tobak gegen einen aus ihren Reihen. „Wir hoffen auf Ihr Verständnis und freuen uns natürlich auf weitere Zusendungen von Ihnen, die wir, sofern Zeit und Raum passen, gerne veröffentlichen“, teilte man mir mit. Zeit und Raum waren also die Kriterien einer Leser-Veröffentlichung, nicht der Inhalt! Es gibt ein hintergründiges deutsches Sprichwort: „Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.“

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