SS-Sonderlager und KZ Hinzert – Die Hölle für Opfer und Überlebende

Ein Zeitzeuge: „Alle schlimmen Dinge, die man sich überhaupt nur vorstellen kann, passierten dort.“

Zitat des ehemaligen niederländischen Häftlings Geert van Rijckevorsel.

Selbst wenn man alljährlich am Volkstrauertag an derselben Stelle verweilt und an der jährlich wiederkehrenden Gedenkfeier teilnimmt, ist es ein immer wieder aufwühlendes Erlebnis, das nicht nur im Augenblick des Gedenkens nachdenklich stimmt, sondern nachhaltig auch in der Folgezeit wirkt. Die hervorragende Architektur der Gedenkhalle und deren Ausstattung unterstreichen die Würde des Ortes und zeigen auf, was hier in Hinzert Unrühmliches geschehen ist.

Hervorzuheben ist, dass es die Jusos im Kreis Trier -Saarburg sind, die alljährlich am Volkstrauertag die Erinnerung schärfen. Die Erinnerung daran, dass es letztlich auch Opfer waren, die in ihren Irren noch Schlimmeres angerichtet haben.
Fast unglaublich klingt dann auch, wenn eine Besucherin aus einer benachbarten Gemeinde Hinzert’s fassungslos bemerkt, noch nie die Gedenkstätte besucht zu haben. Für sie war dieser Ort ein einfacher Soldatenfriedhof. Soldaten, denen man am Volkstrauertag an den Kriegsdenkmälern der Gemeinden gedenkt.

Henri Juda bei seiner gedankenreichen Rede, in der er von dem Unheil sprach, das seiner jüdischen Familie während der Naziherrschaft  widerfuhr. Foto: E.Sommer

Henri Juda,
président fondateur et honoraire MemoShoa Luxembourg asbl, (Gründungspräsident und Ehrenmitglied der MemoShoa Luxembourg) 

und, wie der Name leicht vermuten lässt, jüdischer Bürger Luxemburgs. Er
war Hauptredner der diesjährigen Gedenkveranstaltung. Die mittelbare Verbindung zu Hinzert war schnell hergestellt, als er von den schlimmen Schicksalen seiner Vorfahren in den Konzentrationslager sprach.

„Besonders erfreut es mich, dass die Einladung von jungen Leuten kam die sich zu politischem und sozialen Grundwerten bekennen, denen ich durchaus nahe stehe, auch wenn ich den größten Teil meines Lebens meine Brötchen als Fronarbeiter des unethisch, hinterhältigen und ausbeuterischen Luxemburger Kapital – sammelnden – Bankenunwesens gewirkt habe, dem so viele steuerzahlungsunwillige Bundesbürger zum Opfer fielen . So gesehen, habe ich denn auch meine persönliche Vergangenheitsbewältigung einzuleiten!“ […]

Mit den folgenden Einleitungsworten ließ Henri Juda aufmerken, dass man sich auf eine spannende Rede einrichten konnte:

„Mit mir können Sie wohl kaum mit einer dieser Sonntagsreden rechnen, wie sie Politiker abzuspulen belieben …. so etwa nach dem Muster: ach wie schlimm, nie wieder, wachsam bleiben, Brecht-Zitat mit der Frucht im Schoss usw..

Der mitunter brisante Inhalt der Rede war dann auch so, wie man es erwartete.

Mit seiner Erlaubnis habe ich die Juda Gedenkrede vom 18.11.2018 hier verlinkt. Man darf nachlesen, was einer jüdischen Familie im benachbarten Luxemburg angetan wurde. In Luxemburg tausendfach; in Deutschland und im weiteren Europa geschah das millionenfach.

Mit den an die Jugend gerichteten Sätze schloss Juda seine Rede ab. Ein Appell, der nachwirken muss!„Sie brauchen die Last der Väter nicht zu schultern, aber die Geschichte kennen und anerkennen sollten sie. Ehrliches Gedenken ist angebracht.
Und aus der Geschichte lernen. Und wir alle sollten uns mit Herz und Seele dafür einsetzen, dass das große Friedensprojekt Europa nicht von neuem Fremdenhass, Ausgrenzung, Demagogie und wieder aufkommenden nationalistischen Parolen zerstört werden darf.“

Eine der Bildtafeln in der Gedenkhalle. Die gesamte menschenverachtende Niedertracht der Nazis ist in vielen Bild- und Texttafeln dokumentiert. Foto: E. Sommer

 

 

 

 

 

Der Lebenslauf des KZ-Mörders Paul Sporrenberg. Foto: Dokumentation in der Gedenkstätte Hinzert

 

 

 

 

 

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