Tierwohl – das Gutwort der Scheinheiligen

Alfons Maximini: Ein Thema zum Weihnachtsfest

Beim Tierschutz versagt der Deutsche Rechtsstaat

Egon Sommers Beiträge zum Tierschutz vom Mai und Oktober 2018, habe ich zwar gelesen, habe da aber noch auf die spärliche Vereinbarung im Koalitionspapier der GROKO gehofft. Unglaublich aber wahr, die CDU/CSU hat sich tatsächlich durchgesetzt und die qualvolle Kastration von Ferkel um zwei Jahre weiterhin genehmigt. Kein Aufschrei vom Koalitionspartner SPD.
Damit erschöpften sich die wenigen Hoffnungen auf einen höheren Tierschutz in der Schlachtindustrie. Rund sechzig Millionen ( 60 Mio.) Schweine werden jährlich in Deutschland für den Verbraucher, der sie nicht „verbraucht“, geschlachtet! Zwanzig Millionen bleiben übrig, die nicht „verbraucht“ und entweder vernichtet oder nach Asien exportiert werden.
Gerne wird von der Schlachtindustrie weit über Bedarf getötet; auch bei Rindern und Geflügel etc., damit der niedrige Kilopreis für den angeblichen geizigen Verbraucher gehalten werden kann. Ist das nicht schlimm?

Katarina Barley – als Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz hätte sie mit Sicherheit Punkte sammeln können, wenn sie die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes auf den ausufernden Fleischkonsum hingewiesen und die Erzeugerpraktiken gegeißelt hätte. Für den Tierschutz braucht man nämlich nicht die  Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner, die ihn eher verhöhnt. Foto: Standbildausschnitt aus Wiki-Video

Schlimm ist, dass unsere SPD-Genossin und Verbraucherministerin Katarina Barley diesem Treiben ohne Kritik zusieht. Die Anzahl der Kontrollen in den Schlachtbetrieben wurde laut Aussage in der äußerst interessanten, brisanten und hochaktuellen Fernsehsendung „Die Anstalt“ im ZDF vom 18.12.2018, einfach halbiert, um weitere Einstellungen zu verhindern.
Wie ich bereits vor Monaten auf der Seite von-links-gedacht geschrieben habe, sitzen die Lobbisten dieser grausamen Tötungsindustrie im Deutschen Bundestag und in den Spitzen der Landwirtschaftsverbände. Johannes Röhring, CDU MdB, (siehe 39.25 Min. in „Die Anstalt“)  ist da kein Einzelfall. Der Verbraucher lässt sich zu gerne von den einlullenden Versprechungen und nichtssagenden Informationen auf den Verpackungen verführen. Der Gesetzgeber schaut zu!
Man muss nicht zum Vegetarier oder gar ein Veganer werden, um seinen Fleischkonsum zu reduzieren. Aber mehr Informationen, kritische Berichterstattung zur besten Fernsehzeit und mehr Mitgefühl für unsere Mitgeschöpfe und eine gnadenlose Verfolgung und Bestrafung der Züchter und Eigentümer der Massentierhaltungsbetriebe und deren Mitarbeiter bei Übertretung der derzeitigen laschen Gesetze muss doch möglich sein. Und ich verlange von einer Regierung und ihren Administrationen bis hinunter in die verantwortlichen kommunalen Aufsichtsbehörden mehr Kontrollpersonal und mehr Kompetenzen. Welche brutale Gesellschaft sind wir denn, dass wir das erbarmungslose Töten und schreddern von Tieren einfach so hin nehmen.
Sind wir denn immer noch Barbaren?

Und die Situation auf dem Arbeitsmarkt der Fleischindustrie ist einfach katastrophal. Arbeiter aus Rumänien, Bulgarien und der Ukraine töten und arbeiten unter schlechtesten Bedingungen im Akkord. Ihre Entlohnung und die Unterbringung dieser blutigen Gehilfen

Tiermaststall, Tiermastanlage – ob für Schweine, Geflügel, Rinder, die Tierfabriken  sehen alle gleich aus; außen hui, innen pfui! Moderne Zuchtanlagen nennen es die Protagonisten der Fleischindustrie und niemand denkt daran, dass es unsere Mitgeschöpfe sind, die wir unbarmherzig in Qualhaltung mästen zum Fressen. Foto: fotolia

Das Lobbyschwein Johannes Röhring und seine Funktionen. Ein Auszug aus „Die Anstalt“, kommentiert von Max Uthoff. Foto: Standbild aus ZDF-Video der Mediathek

ist ebenso menschenunwürdig wie ihre Arbeit. Halbherzige Vereinbarungen mit der NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten) werden umgangen. Es finden sich eben immer Schlupflöcher, und die Lobbisten in den Ausschüssen des Bundestages heben dann  öffentlichkeitswirksam dafür gerne die Hand. Freiwillige Selbstverpflichtungen mit der Fleischindustrie werden als großen Schritt zum Tierschutz verkauft. Und die Plaudertasche aus Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner versteht das Geschäft mit den Verbänden. Schließlich hat sie deren Machenschaften als Weinkönigin und ehemalige Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium kennen gelernt. Und die Mehrheit der Abgeordneten machen vor dem Hintergrund der überladenden Ernährungssituation gerne die Augen zu und durch. Hauptsache wir können für jeden und an jedem Tag Fleischberge anbieten. Und das für wenig Geld und wenig Qualität. Vielleicht soll jeder Verbraucher ein Mal im Verlauf der nächsten Festtage darüber nachdenken, wenn er in ein Stück Fleisch auf der Gabel hat.

Frohe Weihnachten!

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1 Antwort zu Tierwohl – das Gutwort der Scheinheiligen

  1. Yvonne Mich sagt:

    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele!
    Vor fünf Jahren versprachen die „Ferkelerzeuger“, binnen der gewährten Übergangsfrist tierschutzrechtlich unbedenkliche Alternativen zu entwickeln. So wenig wie sie das seither ernsthaft in Erwägung gezogen haben, werden sie das auch in Zukunft tun. Müssen sie ja auch nicht: So lange die dem Bauernverband eng verbundene CDU in der großen Koalition weiter am längeren Hebel sitzt, droht ja keine Verbindlichkeit.
    Dass die SPD diese Entscheidung zumindest mehrheitlich mitgetragen hat, macht mich wütend und fassungslos. Sachgründe für die Verlängerung gibt es nämlich nicht. So werden ausschließlich Gewinnmaximierungsinteressen über das Tierwohl gestellt. Und wohlgemerkt geht es dabei nicht um einen besonderen Komfort der Tiere bei der Unterbringung. Es geht hier um den simplen Akt der Menschlichkeit, die Ferkel davor zu schützen, dass ihre „Erzeuger“ ihnen weiterhin bei vollem Bewusstsein die Hoden abschneiden dürfen.

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