Das NachDenkSeiten-Leserforum

Den Tageszeitungen billig; den NachDenkSeiten teuer!

Christian Reimann – NDS- Mitarbeiter, Studium Soziologie und Wirtschafts-recht, Politikwissenschaften, Philosophie sowie Neuere und Neueste Geschichte. Foto: NDS

Als Überleitung meines Blogbeitrages von vorgestern und dem dort verlinkten NDS-Artikel von Albrecht Müller Die Russen haben die propagandistische Leistungsfähigkeit des Westens unterschätzt hier bereits die Folge, in Form von Leserzuschriften bei den NDS. Aus eigener Erfahrung und im Austausch mit anderen Lesern von Tageszeitungen kenne ich die Lust, „Lesermeinungen“ vorzugsweise für einen Blick in die Seelen der Leserschaft zu nutzen. Auch ich tue das in meiner abonnierten Tagesjournaille. Und weil die NachDenkSeiten auch zu meiner täglichen politischen Erbauung gehören, zählen auch dort Lesermeinungen fast zur Pflichtlektüre. Sowohl Albrecht Müller als auch Leserbriefschreiber Thomas Arnold werden es mir nicht allzusehr negativ anlasten, die „brisante und hintergründige“ Einzelmeinung hier als Copy & Paste wiederzugeben. Es fehlt hier aber auch nicht die komplette Zusammenfassung verschiedener Meinungen bei den NDS-Leserzuschriften von Redakteur Christian Reimann.

10. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten, lieber Albrecht Müller,

eure Beiträge zur Ukraine-Krise, zu Russland und zur medialen Berichterstattung passen einfach nicht mehr in die moderne Zeit. Wollt ihr denn ewig im Frieden leben?
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sind nun fast 80 Jahre vergangen. Den Deutschen fehlte die wirkliche Herausforderung. Urlaubsreisen und Fußballweltmeisterschaften sind nur ein armseliger Ersatz für richtige Abenteuer. Einigen fehlte wohl auch der Schlachtenlärm, der Pulverdampf. Aber diese Zeit ist vorbei. Wir müssen jetzt unsere Zivilisation, unsere Werte verteidigen gegen das Böse. Denn das Böse ist wieder da: Putin, Autokrat, ex KGB-Offizier und arroganter Macho bedroht alles was uns heilig ist. Putin bedroht LGBT- und Frauenrechte. Putin ist ein übler Rassist (warum gibt es in der russischen Regierung nicht eine einzige people of color?). Putin ist schlimmer als jeder Faschist und jeder Bolschewist, denn er ist gleichzeitig beides. Putins Gas und Öl bedrohen das Weltklima. Putin hackt unser Internet kaputt. Putin macht sich mit dem Chinesen gemein, der noch schlimmer ist als Putin selbst. Putin will die unschuldige Ukraine versklaven und den tapferen Alexej Nawalny im Kerker verrotten lassen. Putin ist schuld, dass der finstere Donald Trump 4 Jahre die USA, das Land der Freiheit, in Finsternis stürzte. Putin führt in Syrien Krieg, damit Millionen von Flüchtlingen das friedliche Europa stürmen. Jetzt hat Putin hunderttausend brutale Kämpfer, Schläger, Terroristen zusammengezogen, um die tapfere stolze Stadt Kiew anzugreifen. Kiew, die Wiege der Demokratie darf nicht in die Hände des finsteren Autokraten fallen. Denn wenn Putin erst Kiew hat, wird er Polen überfallen, Litauen, Estland und Lettland und dann gehts weiter mindestens bis zur alten deutschen Zonengrenze. Wir kennen keine Parteien mehr, keine Rechten und Linken. Ob ARD oder ZDF, ob Spiegel oder Bild, ob Julian Reichelt oder Sascha Lobo, ob Annalena Baerbock oder Norbert Röttgen: Seit an Seit kämpfen sie gemeinsam für die Freiheit, für den Frieden, für die Demokratie, für Menschenrechte und ein besseres Klima, gegen Nordstream 2, für klimaneutrales amerikanisches Freiheitsgas und für die Nato. Wir sagen Danke.

Die Zeit wäre reif für eine groß angelegte patriotische Aktion. Wie anno 1916 könnten die Deutschen ihre gehorteten Goldbarren und Krügerrands gegen Eisen eintauschen. Das Gold könnte im Rahmen dieser Aktion „Gold gab ich für Eisen zwopunktnull“ unserem tapferen Verteidigungsbündnis Nato für seine humanitäre Mission zur Verfügung gestellt werden. Es wäre damit in guten Händen und müsste nicht in deutschen Wohnzimmerschubladen ein unnützes Dasein fristen.

…Nichts für ungut liebe Nachdenkseiten. Tatsächlich schätze ich natürlich eure Artikel zur Ukraine-Krise, zu Russland und zum Zustand unserer Medien. Und gleichzeitig wird mir schlecht, wenn ich sehe, wie Journalistinnen und Journalisten heute ihre Aufgabe wahrnehmen: unkritisch und penetrant primitivste Nato-Propaganda verbreitend.

Mit besten Grüßen
Thomas Arnold

Fazit dieser NDS-10. Leserzuschrift:
Endlich mal einer, der die Dinge beim Namen nennt. Das ist doch ein klarer Unterschied zu den US-Friedensengeln, wie sie im vorhergehenden Blog abgebildet und beschrieben sind. Ich hoffe hierbei, auch den Geschmack einiger Besucher meines Blogs getroffen zu haben, denen meine Putin-Bild eher weniger gefällt.

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2 Antworten zu Das NachDenkSeiten-Leserforum

  1. Alfons Maximini sagt:

    Ich bin nun kein unpolitischer Mensch, aber keiner der in den Leserbriefen angegebenen Büchern, Dokumentationen, Studien oder Essays gelesen hat. Verfolge auch nicht immer und jedes was von den NDS und Albrecht Müller über die Ost-West Beziehungen geschrieben und kritisiert wird. Dennoch beherzige ich Müllers Credo: Glaube wenig – Hinterfrage alles – Denke selbst, soweit ich intellektuell in der Lage bin.
    Andererseits zweifele ich stark an der Objektivität der NDS. Zu sehr russlandlastig bzw. Putinfreundlich. Selbstkritische Hinterfragungen nach Müllers Credo passiert sehr selten. Ich denke lieber ungesteuert, selbst über politische Weltlagen nach, ohne dass mir die Quellen von Investigativjournalisten zur Verfügung stehen.
    Satire – so wie in oben stehenden Beitrag von Christian Reimann, tragen nicht zur objektiven Betrachtung bei. Die wenigsten Menschen den Sinn von Satire. Und in Bezug zur Ukraine finde ich sie nicht angebracht. Zu sehr könnte es um Menschenleid, Tod und Unfreiheit gehen. Ich möchte dem NDS-Mitarbeiter nicht zu Nahe treten, viel Lebenserfahrung hat Christian Reimann wohl nicht. Wie auch die aufgeführten Studienabschlüsse: Soziologie, Wirtschaftsrecht, Politikwissenschaften, Philosophie sowie Neuere und Neueste Geschichte lassen wenig Raum für Selbsterfahrung. Fakt ist: Nicht die NATO und der Westen besetzten gegen Völkerrecht die Krim, nicht der Westen befeuerte Kombattanten ohne Nationalitätenzeichen – aber in russischen Uniformen, dieOstukraine zu besetzen. Nicht der Westen schoss mit einer russischen Abwehrwaffe auf die LH 17 und seine Passagiere. Der jetzige ukrainische Präsident wurde nicht von Russland aufoktroyiert, sondern von den ukrainischen Menschen gewählt. Sicher – nicht mit 98 %, wie in Sowjetzeiten üblich, aber mit glaubhaften 60 % plus. Nicht der Westen und die NATO oder der CIA vergifteten den ehemaligen Doppelspion Skripal und deren Tochter. Nawalny, der ständige Querolant und Nationalist hat sich nicht selbst mit Novitschok verunreinigt. Russische Hacker-Trolle legen mit freundlicher Zustimmung der Nomenklastura westliche öffentliche Einrichtungen lahm. Beweise? – gibt es natürlich keine. Der sympathische Außenminister Lawrow (Gromyko-Avatar, SZ), diktierte in die Schreibblocks der westlichen Journalisten: ….dort wo russische Interessen berührt werden, würden sie unmittelbar eingreifen, egal wo auf der Welt! Diese harte Rhetorik, zunächst von Lawrow, setzt sich jetzt mit Putin fort. Meine einstige Hoffnung auf Demokratisierung und Öffnung in Putins Russland habe ich abgelegt. Noch stehen die Hunderttausenden Soldaten auf russischem Boden. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn – ja wenn die rhetorische Begleitmusik und die inakzeptablen Forderungen nicht wären.
    Keinem vernünftigen Menschen kann an einer militärischen Auseinandersetzung gelegen sein. Die Menschen wollen in Frieden leben.

    • Egon Sommer sagt:

      Eigentlich ist ja alles gesagt; sowohl in meinem Blogbeitrag als auch im Kommentar von Alfons Maximini. Dennoch vier Sätze als Nachschlag!
      Meine uneingeschränkte Zustimmung zum letzten Satz in Alfons Maximinis Kommentar. Sehr eingeschränkt ist jedoch die Zustimmung zu seiner Feststellung: „Die wenigsten Menschen (erkennnen?) den Sinn von Satire.“

      Sein davorstehender Text passt ebenso uneingeschränkt zu den Meldungen über den Ukraine-Konflikt in der heutigen Presseschau des Deutschlandfunks (DLF). Die Meldungen in der „FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG“, die „NZZ AM SONNTAG“ aus Zürich und der „SUNDAY TELEGRAPH“ aus London bestätigen Alfons Maximinis Sichtweise im Sinne der überwiegenden westlichen Weltanschauung.
      Siehe: https://www.deutschlandfunk.de/die-presseschau-1352.html

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