Der Einheitsbrei des verlagsgebundenen Medien-Irrsinns

Hat Wolodymyr Selenskyj den Sensationsberichterstattern den Wind aus den Segeln genommen?

Großes Erschrecken in den USA, in der westlichen Medienwelt und im Brüsseler NATO-Hauptquartier. War denn unser Kriegsgetöse umsonst?

Der ukrainische Staatspräsident hat wohl auch die Nase voll vom westlichen Gedröhne um die Kriegsgefahr in seinem Land. Vielleicht hat ihm Wladimir Putin geflüstert, die Ukraine nicht anzugreifen, solange der Westen auf den NATO-Beitritt verzichtet; d.h. absehbar wird es den vom Westen herbeigeschriebenen Krieg nicht geben. Foto: Wikipedia, Creative Commons Attribution 4.0 International Lizenz. President.gov.ua

Bereits am 27. Januar hatte ich den Titel „Es gab schon mal mehr politische Vernunft in Deutschland und Europa!“ veröffentlicht. „die Bedrohung durch Russland sei gar nicht so groß, die laufenden russischen Manöver seien eher Routine, die Kriegsgefahr sei überschaubar“, hieß es dort.
Aber erst gestern (02.02.2022) prangten in den US-beeinflussten Westgazetten Schlagzeilen wie „Wolodymyr Selenski irritiert den Westen“ (Trierischer Volksfreund)

Handelsblatt schreibt:
„Wir sollen in ständiger Angst leben“ – Präsident Selenski warnt vor Panik

tonline schreibt:
Drohender Krieg mit Russland – Ukraine irritiert USA: „Fahren bei uns etwa Panzer herum?“

Der Bremer Weser-Kurier weiß:
Keine Kriegsangst in der Ukraine? Selenskyj irritiert Westen

RT DE schreibt:
Ukrainischer Präsident: Westen schürt grundlos Kriegs-Panik wegen angeblichem russischen Aufmarsch

Die Angstmacher des Westens vor einem Krieg in der Ukraine überschlagen sich. Dass dieses geprügelte Land dadurch weiter destabilisiert, gelähmt und wirtschaftlich immer tiefer nach unten gezogen wird, scheint die sensationsgierigen Zeilen- und Bildermacher nicht zu interessieren. Den US-Amerikanern und ihrer konturlosen und abhängigen NATO-Clique geht das scheinbar sonstwo vorbei. Hauptsache die Waffenschmieden behalten ihre vollen Auftragsbücher, die Medien ihre vollen Spalten, das Fernsehen sein aufreibendes Nachrichten-Unterhaltungsprogramm.
Nicht Russland, sondern die US-amerikanischen Hegemoniebestrebungen stürzen das Land immer weiter in die Krise.

Aber glaube nun keiner, das westliche Kriegsangstgetöse sei durch Selenskyjs Abmoderation der Kriegsgefahr nun abgeschwächt oder gar beendet. Wir werden die verstärkten Anstrengungen der Kriegsangsttrommler täglich weiter vernehmen müssen.

Eventuell hängt das aber auch mit neuen Ängsten der Medienwelt zusammen, denen der Stoff für Unruhestiftung ausgehen könnte. Die Lunte am Glimmen zu halten, ist offenbar ihre Berufung.

Verlagsgebundener versus freischaffender Journalismus
Wie kommt es zu den Diskrepanzen bei den Berichterstattungen zwischen verlagsgebundenen Journalisten und den unabhängig freischaffenden Reportern?
Die Frage stellt sich mir seit vielen Jahren, hier der journalistische Einheitsbrei – siehe Ukraine-Russland Berichterstattung – dort die unparteiische Problembetrachtung der selbstständig arbeitenden Journalisten.

Beim „gewerkschaftsforum“ habe ich gefunden, was ich lange gesucht habe.
Dramatische Verrottung – Ein offener Abschiedsbrief an den Vorstand des Deutschen Journalistenverbands und dessen Gefolge.

Wolf Reiser – wer mehr über ihn wissen möchte, sollte seine Vita lesen; ein bunter Strauß „Leben“.

Wer lange sucht, der findet – Wolf Reiser.
Hier ein Auszug aus dem Referenzbericht seiner Homepage:
, Lies das mal! Wolf Reiser hat in „Lettre International“ unter dem Titel „Freiwild“ einige sehr scharfe Sätze über deutsche Chefredakteure und Ressortleiter publiziert. Mit Ausnahme einiger namhafter Autoren hätten freie Journalisten „im Prinzip nur noch eine reelle Überlebenschance, wenn sie weiche Gebiete beackern, Freizeit, Kuchenbacken, Yoga, Rumreisen auf Agenturkosten, Kirmeskultur, Menschelndes, Neospießeralltag und den ganzen überdüngten Landlustgartenlaubenmuff des Sommermärchens“.
Die Essenz seiner Sicht auf den Journalismus ist in einem Abschnitt des „Freiwild“in der Hauptsache beschrieben:
„In Umkehrung der Gewaltenteilung aber liest nun ein Politiker den Medien die Leviten: „Vielleicht waren sich die Journalisten einfach ihres Deutungsmonopols zu sicher. Vielleicht haben sie ihr Herrschaftswissen zu lange vor sich her getragen und nicht gemerkt, welche neue Form von Öffentlichkeit das Internet entstehen ließ. Vielleicht aber auch haben die täglichen Abrechnungen mit dummen, ignoranten Politikern in den Zeitungen das Interesse der Leser an Politik beeinflußt – und am politischen Journalismus. (…) Vielfalt ist einer der Schlüssel für die Akzeptanz von Medien. Die Leser müssen das Gefühl haben, daß sie nicht einer einzelnen Meinung ausgesetzt sind. Reicht die Vielfalt in Deutschland aus? Wenn ich morgens manchmal durch den Pressespiegel meines Hauses blättere, habe ich das Gefühl: Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch.“

Bundeskanzler Olaf Scholz ist gefragt
und Deutschland ist gefragt, das Visier der mediengesteuerten Feigheit hochzuklappen und seine wirtschaftliche und humanitäre Stärke in die Waagschale zu werfen. Es muss die Chance und erste Aufgabe wahrnehmen, abzuspringen vom Kriegdrohkarussell und Stärke beweisen. Die wachsweichen und eher lächerlichen Drohungen an Moskau, dass ein ein Angriff auf die Ukraine schwerwiegende Folgen nach sich ziehen würde; man muss ja seinen US-Freunden zu Diensten sein.

Bundeskanzler Scholz und ZDF-Chefsprecher Sievers. Wer erwartete, dass Christian Sievers die penetrante US-Linie seines Vorgängers Claus Kleber verlassen würde, musste enttäuscht weghören. Die Atlantikbrücke lässt grüßen. Bild: Screenshot ZDF heute Journal

Im heute-Journal des ZDF am 02.02.2022, 21.45 Uhr, stellte Neu-Chefsprecher Christian Sievers die abgedroschenen Fragen an Olaf Scholz: Glauben Sie, dass es einen neuen Krieg in Europa geben wird? Glauben Sie, dass Wladimir Putin in die Ukraine einmarschieren wird?

Das ersehnte deutliche „Nein“ des deutschen Kanzlers blieb wiederum aus; stattdessen die Wiederholung des leidigen Geschwurbels, „… dass es einen hohen Preis haben würde, den Russland im Falle eines Angriffes zahlen müsste, usw, usw, usw.

Passend zum Abschluss dieses Blogtitels: „Der Einheitsbrei des verlagsgebundenen Medien-Irrsinns“ – noch ein brandaktueller Beitrag der NachDenkSeiten:

TV-Programm von RT verboten: Deutschland schaltet „Feindsender“ ab

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Europa, Krieg und Frieden, Medien, Russland, USA veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Der Einheitsbrei des verlagsgebundenen Medien-Irrsinns

  1. Pingback: Das hysterische Kriegsgeheule des Westens gegen Putin und Russland | Von links gedacht

  2. Alfons Maximini sagt:

    Es wurde Zeit diesem russischen Propagandasender den Gar-aus zu machen. Wer immer noch glaubt, es handele sich um einen objektiven, journalistisches Sendeformat muss blind sein. Sein politisch-konformer Einfluss ist so groß, dass die russische Regierung unter Putin im Gegenzug die Deutsche Welle in Russland stillgelegt hat. Damit braucht es keiner investigativen Recherche mehr, ob RT D von Putin gelenkt wird. Unabhängigkeit sieht anders aus. Es reiht sich eine Provokation in die andere rein. Selbst die Verschwörungserzählungen über Corona sind kaum von Telegramm zu überbieten. Ein rechtsnationaler russischer Propagandaapparat eben.

    • Egon Sommer sagt:

      Der Kommentar von Alfons Maximini bezieht sich hier ausschließlich auf die „brandaktuelle“ Nachricht am Ende des Blogartikels: TV-Programm von RT verboten: Deutschland schaltet „Feindsender“ ab
      Ja, ein Propagandasender, von Russland finanziert. Was auch immer man darunter verstehen will; aber nicht minder sind unsere etablierten TV- und Rundfunksender, eingeschlossen die sogenannten Print-Leitmedien im Lande, Propagandamedien zumindest im politischen Sektor. Man muss außerhalb der Gewöhnung jeweils ganz genau hinsehen, hinhören und lesen.
      Auslandsplattformen, in Deutschland (RT) als auch in Russland (DW), bieten doch letztendlich die Sichtweise des Anderen. Die RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan bezeichnete die Entscheidung der deutschen Kommission als „absoluten Blödsinn“. Dieser „Blödsinn“ darf dann auch für DW, die von Deutschland finanzierte Plattform in Russland gelten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.