Die Erweiterung der NATO nach 1990 war ein Fehler!

Rundumschlag des Realpolitikers Klaus von Dohnanyi (SPD)

Politiker, die sich aus der aktiven Politik zurückgezogen haben, aber aus ihrer aktiven politischen Ära zur aktuellen Tagespolitik etwas zu sagen haben, werden derzeit eher als unbequeme Störenfriede angesehen, weil sie der Wahrheit kennen und ihr sehr nahe stehen.

Klaus von Dohnany – im Tonprotokoll des Deutschlandfunks (DLF) stellte er am 9. Februar 2022 sein neues Buch „NATIONALE INTERESSEN“ vor. Inhaltlicher Tenor: Der Westen müsse dafür sorgen, dass Putin keinen Grund habe, in die Ukraine einzumarschieren, so Klaus von Dohnanyi (SPD). Foto: Wikipedia
Theo Sommer – man muss die gleiche Zeitspanne wie bei Dohnany zurückblikblicken, um den 1930 gebo-renen deutscher Historiker und Publi-zisten zu kennen. Er war Chefredak-teur und bis 2000 zusammen mit Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt Herausgeber der ZEIT. Bild: Screenshot ZEIT-TV

„Man sollte wissen, dass Dohnany zum politischen Urgestein der alten Bundesrepublik gehört“, schrieb Theo Sommer am 11.1.2022 bei ZEIT-Online. Die Kolumne von Sommer ist überschrieben mit Ein Realpolitiker holt zum Rundumschlag aus und umreißt zunächst das Leben des aktuellen Buchautors, das nur älteren Mitbürgern aktuell noch hinreichend bekannt sein dürfte.

„Er ist der letzte noch lebende Minister des ersten Kabinetts von Willy Brandt, dem er 1972 bis 1974 als Bundesminister für Bildung und Wissenschaft diente. Zwölf Jahre saß er im Bundestag; er war rheinland-pfälzischer SPD-Landesvorsitzender, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Staatsminister im Auswärtigen Amt, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg (1981–1988), nach der Wiedervereinigung Beauftragter der Treuhandanstalt. Im Juni wird er 94 Jahre alt, aber noch immer erhebt er in Aufsätzen, Reden und in seinen Abendblatt-Interviews Dohnanyi am Freitag seine Stimme zu politischen Fragen. In dem nächste Woche bei Siedler erscheinenden Buch Nationale InteressenOrientierung für deutsche und europäische Politik in Zeiten globaler Umbrüche hat er nun zu einem außenpolitischen Rundumschlag ausgeholt.“

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Man darf dem 94-jährigen Dohnany eine weise Sicht in die deutsche Vergangenheit unterstellen, die er als sozialdemokratischer Politiker (SPD) bisher gelebt hat. Dohnany nennt es ein „Buch ohne Schnörkel“ und räumt ein, dass es ihm zur Streitschrift geraten ist. Es ist das Werk eines Realpolitikers, dessen Überlegungen viele teilen, andere jedoch, die Grünen zumal, zur Weißglut reizen werden. Ihm ist das nur recht. Das Buch soll Debatten eröffnen, ist sein Wunsch. Sie werden nicht ausbleiben.

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3 Antworten zu Die Erweiterung der NATO nach 1990 war ein Fehler!

  1. peter trauden sagt:

    Stand heute (31.März):

    Bücher (egal, von wem) sollte man mit der notwendigen Bindung zur Realität verarbeiten.
    Dohnany ist sein Buch inzwischen peinlich (was er öffentlich einräumte). Chapeau!
    Alfons Maximini hat in seinem Kommentar die Lage wohl am besten eingeschätzt.

  2. Alfons Maximini sagt:

    Ich habe das Interview von DLF und Dohnanyi live verfolgt und fand es als eines der angenehmen journalistischen Gesprächen in der letzten Zeit. Nicht allem kann ich zustimmen, dennoch sind alle Bemühungen das Ost-West Verhältnis zu verbessern sehr willkommen. Als Dohnanyi sein Werk begann, konnte er nicht ahnen, dass es zu der jetzigen Eskalation kommen könnte. Auch wenn der ehemalige US-Botschafter George Cannon die Nato-Erweiterung als fataler Fehler bezeichnet, darf die Frage erlaubt sein: Hätten wir die Bitten der ehemaligen geknuteten Sowjetrepubliken ablehnen sollen. Noch gilt das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Oder? Die Aufnahme der Ukraine in die Nato steht zwar zur Debatte, aber ausgemacht ist das nicht. Sicher würden die Falken in der USA das gerne sehen, aber wenn damit die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa auf der Kippe steht, muss eben eine andere Lösung gefunden werden. Dennoch kann es nicht sein, dass aus der persönlichen Verletzbarkeit der Person Putin eine derartige gewaltstrotzende Kriegsmaschinerie an den Grenzen zwischen Ost und West aufgebaut wird. Die geschichtsfälschenden Vorstellungen Putins über ein großrussisches Reich passt nicht mehr in die Zeit. Die Völker auch in Russland sind erwachsen geworden.

  3. Martin Möller sagt:

    Lieber Egon,

    ich habe das Interview mit Dohnany auch gehört und spontan beim Bücherladen von Herrn Kramp das Buch bestellt. Da schon Einige darauf gekommen waren, muss ich jetzt eine Woche warten. Ich werde auf jeden Fall das Buch sorgfältig lesen.
    Neue Perspektiven sind auf jeden Fall gut – nein: unbedingt notwendig. Journalistisch fand ich das Interview übrigens in Ordnung. Das fand wirklich freihändig, ohne Korrekturmöglichkeit statt – also mit vollem Risiko für den Betroffenen. Und Dohnany redete Klartext. Was gibt es Besseres?

    Herzliche, sozialistische Grüße Martin

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