Gesinnungsethiker – Verantwortungsethiker

Vom Glück, Gesinnungsethiker zu sein

Es bereitete mir bis heute einiges Kopfzerbrechen, zu verschiedenen Kommentaren (siehe Spalte rechts „Neueste Kommentare) unter meinen Blogartikeln zur Thematik „Russland-Ukraine-Konflikt“ Zugang zu finden. Wenn ich diesen Zugang nun glaube gefunden zu haben, dann stehen die o.g. Gesinnungsethiker konträr zu den Verantwortungsethikern, selbst dann, wenn die Empfindungen der Gesinnungsethiker zu respektieren sind.

Dr. Leo Ensel, auch Autor bei den NachDenkSeiten (NDS) und vielseitig gefragter Interpreter des Zeitgeschehens. Bild: Screenshot KeyWest

Als nicht akademisch und dennoch nicht völlig ungebildeter Normalbürger bleibt einem bei der Suche nach Argumenten neben der eigenen Lebenserfahrung nur das Suchen, Auffinden und Bestätigen von Rechtfertigungsgründen für den eigenen Standpunkt.

Das Suchen hat sich im speziellen Fall erübrigt, denn die schweizerische Informationsplattform „INFOsperber“, Fundstelle für viele sachkundige und prominente Aussagen zu aktuellen Themen der Zeit, hilft weiter, wenn Gegenargumentation gefragt ist.

Dr. Leo Ensel („Look at the other side!“) ist Konfliktforscher und interkultureller Trainer mit Schwerpunkt „Postsowjetischer Raum und Mittel-/Ost-Europa“. Veröffentlichungen zu den Themen „Angst und atomare Aufrüstung“, zur Sozialpsychologie der Wiedervereinigung sowie Studien über die wechselseitige Wahrnehmung von Russen und Deutschen. Im neuen Ost-West-Konflikt gilt sein Hauptanliegen der Überwindung falscher Narrative, der Deeskalation und der Rekonstruktion des Vertrauens. Dr. Ensel könnte nach eigener Aussage „ohne die Songs von Bob Dylan nicht leben“.

Als ich heute Morgen (30.06.2022) den Artikel des INFOsperber, im Rubrum kurzbeschrieben als

An sauberen Händen besteht kein Mangel, die Gesinnungsethiker sind Legion.
Eine Polemik

in meiner E-Mailbox aufgefunden habe, war nach Lesen des Beitrags von Ensel eine kleine Offenbarung eingetreten, die diesen neuen Blog begründen sollte.

Der Text des Eingangsabschnitts von Leo Hensel war mir auch dann die Bestätigung, dass die Verantwortungsethik über der Gesinnungsethik stehen muss. Es heißt hier:
Ich wäre auch gerne Gesinnungsethiker. Ich stelle mir das richtig toll vor. Es muss ein gutes Gefühl sein, immer auf der richtigen Seite zu stehen. Mit flammender Leidenschaft das Böse und die Bösen anklagen. Die Lauen aufrütteln und ihnen ins Gewissen reden. Keine Nacht würden sie mehr schlafen. Das gesamte Elend dieses Planeten – ich würde es liebend gerne auf meine schmalen Schultern laden. Und die ganze Welt würde es sehen!
So ganz daneben konnte ich also mit meinen Blogbeiträgen und den ausgewählten Links zum Russland-Ukraine-Konflikt nicht gelegen haben, wenn meine Ansichten mal aus anderer Adresse bestätigt worden sind.

Als Bekräftigung zur Überlegenheit der Verantwortungsethik gegenüber der eher leichtfertigen Gesinnungsethik schreibt Leo Ensel im Schlussabsatz seines INFOsperber-Beitrages:

„Es gab mal einen, der sich für diese Arbeit nicht zu schade war. Der im Tagesdreck schuftete, oft im Hintergrund. Und sich einen Dreck darum scherte, wenn man ihn mit Dreck bewarf und als Landesverräter denunzierte. Der sich dem Max Weberschen „starken und langsamen Bohren harter Bretter mit Leidenschaft und Augenmass zugleich“ – übrigens ebenfalls ein Zitat aus dem genannten Vortrag – verschrieben hatte und es in aller Stille jahrzehntelang praktizierte.
Nach einem Vierteljahrhundert hatte er sein Ziel endlich erreicht: Der (erste) Kalte Krieg war beendet! Ohne dass ein einziger Schuss gefallen war.
Im Sommer 2015 ist er im Alter von 93 Jahren gestorben. Sein Name: Egon Bahr.“

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2 Antworten zu Gesinnungsethiker – Verantwortungsethiker

  1. Pingback: Die Ideen für die Beendigung des Krieges kommen nicht von den Kriegsparteien | Von links gedacht

  2. Alfons Maximini sagt:

    Allein schon den Angriffskrieg als Ukraine-Konflikt zu bezeichnen ist eine perfide Verharmlosung.

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