Zum Teufel mit einer Politik, die ich moralisch für total verkommen halte

Nachdem ich bis zu sechs Ansätze bzw. Anläufe zu einem weiteren Blog wieder verworfen habe, weil sie mir angesichts der Forderungen nach Kriegstüchtigkeit und der Medienflutung zu den Anwürfen gegen Russland absolut undifferenziert und leichtfertig erschienen, stieß ich auf den folgend verarbeiteten Beitrag aus dem gewerkschaftsforum.de.
Wen ich mit meiner Verurteilung in erster Linie im Blickfeld habe, werden mir viele Leser und Besucher meines Blogs vermutlich bestätigen. Merz, Pistorius, Wadephul und eine Nummer kleiner solche Fieslinge wie der CDU-MdB Kiesewetter, der den Krieg nach Moskau tragen will und auch der Besserwisser Norbert Röttgen, der im Namen der Atlantikbrücke Kriegsrhetorik predigt. Es sind viele mehr, die auf meiner inneren Liste stehen, deren Aufzählung meinen Blogbeitrag jedoch ausufern und veröden ließ.
Von „gewerkschaftsforum.de„ erreichte mich gestern ein aktueller Newsletter, in dem mich ein Artikel aus der Feder des Dipl.-Theologen Manfred Böhm, Jahrgang 1956, Publizist und Buchautor, als besonders lesenwerte Lektüre zur Zeit aufmerkam werden ließ.
Manfred Böhm schrieb unter dem Titel:
Vom Gotteskomplex zur „Kriegstüchtigkeit“: Warum wir Horst-Eberhard Richter heute neu lesen müssen

eine zeitgemäße Gegenwartsschilderung fernab dem grausigen gegenwärtigen Politikersprech.
Ich verbiete es mir selbst, Eberhard Richters Friedensprojektion zusätzlich zu kommentieren. Erstens, weil ich es nicht vermag; zweitens, ich es als anmaßend empfinden würde, dem Nestor der deutschen Friedensbewegung noch etwas hinzuzufügen.
Allein die Richter-Biografie bei Wikipedia bildet die Bedeutung dieses großartigen Denkers und Friedenspropheten ab.
Horst-Eberhard Richter – Was würde er heute sagen?
Der Nestor der deutschen Friedensbewegung ist tot. Seine Fragen sind es nicht.
Horst-Eberhard Richter (1923–2011) gehörte zu jenen Menschen, die sich der gefährlichen Gewöhnung an militärisches Denken widersetzten. Als Psychoanalytiker wusste er, dass Angst, Feindbilder und das Bedürfnis nach vermeintlicher Sicherheit nicht nur individuelle, sondern auch politische Kräfte sind.
„Kriegstüchtigkeit“ ist vom früheren Tabuwort zum politischen Leitbegriff geworden. Milliarden werden für Rüstung mobilisiert, Waffenlieferungen als Ausdruck politischer Verantwortung präsentiert und militärische Stärke zunehmend als Voraussetzung für Frieden verstanden. Man könnte sich deshalb fragen:
Was würde Horst-Eberhard Richter dazu sagen?
Richter hätte vermutlich daran erinnert, dass Abschreckung immer auch mit der Gefahr des Scheiterns verbunden ist. Und dass die Behauptung, es gebe zur militärischen Logik keine Alternative, selbst bereits Teil dieser Logik ist.
Muss wirklich jede politische Krise letztlich militärisch beantwortet werden?
Eine solche Frage ist heute offenbar schon verdächtig geworden. Wer nach Verhandlungen ruft, gilt schnell als naiv. Wer vor einer Eskalation warnt, wird nicht selten zum „Putin-Versteher“ erklärt. Und wer mehr Diplomatie fordert, muss sich rechtfertigen, warum er nicht mehr Waffen fordert.
Horst-Eberhard Richter hätte wahrscheinlich darauf bestanden, dass Friedenspolitik gerade dann notwendig ist, wenn sie schwierig geworden ist.
Sein eigentliches Vermächtnis lautet:
Frieden beginnt dort, wo der Krieg nicht als zwangsläufige Antwort auf politische Probleme akzeptiert wird.
Denn eine Gesellschaft, die nur noch darüber diskutiert, wie sie kriegstüchtig wird, sollte gelegentlich daran erinnert werden, dass ihr eigentliches Ziel etwas anderes sein sollte: friedenstüchtig zu bleiben.
