„Wir brauchen mehr Klopp und weniger Nagelsmann“

Die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche übersetzt Deutschlands konjunkturelles Wirtschaftsbild ins Sportliche

Katherina Reiche, Herzdame von Kanzler Merz und glücklose Lobbyistin der deutschen Wirtschaft. Bild: Wikipedia 2026

Es war wieder Mal eine Frühstückslektüre, die zunächst mal neugierig machte, aber dann beinahe denn Bissen im Halse stecken ließ. Katherina Reiche und ihre hinterfragungswürdige Wirtschaftspolitik und -entwicklung in Deutschland passten absolut nicht zum Vergleich Klopp vs. Nagelsmann.

Als sie das im Interview mit dem Trierischen Volksfreund ins Fenster stellte, wusste sie noch nicht von der ersten Niederlage Deutschlands gegen Griechenland. Und das gerade, als mehr Klopp als Aufbruchsignal herhalten sollte. Wenn auch nur 0:1, als Gleichnis passt ihre Antwort dennoch keinesfalls.
Birgit Marschall und Jana Wolf als Interviewerinnen an die Ministerin gerichtet: Wie sieht ihr deutsches Geschäftsmodell für Deutschland 2030 aus?
Klopp und Nagelsmann – keiner der beiden erfüllte am Tag des Interviews die von ihr vorgetragenen positiven Erwartungen. Eine Nachfrage der Interviewerinnen blieb aus, denn was dann folgte waren sogenannte Politphrasen vom Feinsten.

Die gute Nachricht, so Reiche:
„Wir kommen aus der Stagnationsphase raus. Die Wirtschaft wächst, die Auftragsbestände nehmen zu und die Stimmung in den Unternehmen verbessert sich. Das Wachstum beruht allerdings vor allem auf zwei Faktoren: Der Export zieht an, insbesondere in Europa, und die beiden großen Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung entfalten ihre Wirkung. Jetzt kommt es darauf an, aus diesen Impulsen einen dauerhaften, selbsttragenden Aufschwung zu machen.“
Wer’s glaubt, verkennt die Situation Deutschlands.

Diese Aussage kann man getrost als Orakel bezeichnen, wobei es als Offenbarung dient und Antworten auf Fragen zur Zukunft oder zu schwierigen Entscheidungen geben soll. Die Kloppche Niederlage Fußball-Deutschlands gegen Griechenland als Orakel einer Götterbotschaft einzuordnen, ist eine nichtgelungene Botschaft.

Die Dame plädiert im Interview auch dafür, das Rentenpaket wie vereinbart eins zu eins umzusetzen, der Tankrabatt sei sicher kein Glanzstück und auch der geplante Spritpreisdeckel sei kein dauerhaftes Instrument. Also was denn nun?

Die deutschen Raffinerien müssten erhalten bleiben; aber keine Frage, woher das Rohöl kommt. Auch dass im Oktober eine Raffinerienstrategie erarbeitet werden soll, will sie als Energiesicherung verstanden wissen.
Auch der Kohleausstieg stehe fest, meint die Wirtschaftsministerien und unterdrückt die Tatsache, dass stärkere und durchsetzungsfähigere Kräfte im Land weiterhin mit der billigen Kohle kalkulieren.

Die Krone des Interviews ist die abschließende Zusammenfassung, die alles oder nichts aussagen soll. Die Antwort auf die abschließende Frage der Interviewerinnen:
In dieser Woche wurde Ihr Netzpaket im Bundestag beraten, das den Netzanschluss für erneuerbare Energien regelt. Windanlagen-Bauer und große Stromversorger wie RWE halten Ihre Regeln für zu rigoros. Kommen Sie Ihnen noch entgegen?

Windkraft und Netzausbau gehören nicht zum Vorzugsprogramm der deutschen Wirtschaftsministerin. Was in Deutschland fehlt: Windkraft und konformer Netzausbau. Bild: Montage aus zwei Pixabaybildern

Die offenbarende Antwort gibt den Blick in den Hintergrund der halbherzig agierenden deutschen Energiewirtschaft und der zuständigen Ministerin:

„Den Kabinettsentwurf haben wir gegenüber dem Referentenentwurf bereits deutlich zugunsten der Windkraft angepasst. Wir brauchen aber eine stärkere regionale Steuerung. Wer sich wissentlich an einen Netzengpass anschließt, muss damit rechnen, nicht mehr die volle Vergütung zu erhalten. Sonst zahlen wir weiter Milliarden für Strom, der nicht genutzt werden kann. Deshalb rate ich von weiteren Abstrichen am Netzpaket ab. Ich bin Wirtschaftsministerin für alle Bürger und Unternehmen – nicht nur Ministerin für die erneuerbaren Energien oder nur für Kraftwerke“

Ganz unrecht hat sie damit nicht; aber: die Worte liest man, allein es fehlt der Glaube. Die allgemeine Lage beweist ihren bisherigen absoluten Lobbyismus zu Gunsten der immer noch mächtigen konventionellen Energiewirtschaft. Zum Positiven hätte es ihr verholfen, wenn sie den Einfluss ihres Ministeriums für den zügigen Netzausbau eingesetzt hätte bzw. einsetzen würde.

Das Gleichnis von Klopp und Nagelsmann ist deshalb ein Flop der Wirtschaftsministerin. Zudem darf bezweifelt werden, ob beide Trainer mit der politischen Vereinnahmung dieser Art einverstanden sind.

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