Anne Elizabeth Applebaum – made in USA

Die Frau sagt uns, wie gefährlich Putin ist

Vorschaubild: Alexander Issajewitsch Solschenizyn/Anne Elizabeth Applebaum

„Freunden“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin lässt es das Herz höher schlagen, wenn eine amerikanische Autorin solches ausspricht: „Die Deutschen ahnen nicht, wie gefährlich Putin ist„. Die und weitere Worte bilden den Tenor des Interviews, das Sven Böll und Marc von Lüpke von der t-online-Redaktion am 10.03.2021 mit der amerikanischen Historikerin und Journalistin Anne Elizabeth Applebaum führten. Sie warnt: „Deutschland sollte sich vor Russland hüten“. Somit sind Quelle und Ziel der amerikanischen „Osteuropaexpertin“ klar definiert. Das Interview spricht für sich und gegen die US-Autorin.

Anne Applebaum, Direktorin für globale Übergänge am Legatum Institute; Kolumnistin der Washington Post. Bild: Wikipedia, Quelle: Autor: Hb19821970

Anne Applebaum, geboren 1964 in Washington, D.C. Sie arbeitete für renommierte Blätter wie „The Economist“ und „The Spectator“; derzeit ist Applebaum Autorin für „The Atlantic“. Zudem lehrte sie an zahlreichen Hochschulen wie Yale, Harvard, Oxford und Cambridge. Die Osteuropa-Expertin ist Autorin verschiedener Bücher; für ihr Werk „Der Gulag“
(Nicht zu verwechseln mit dem historisch-literarischen Werk „Der Archipel Gulag“ des russischen Schriftstellers, Dissidenten und Trägers des Nobelpreises für Literatur Alexander Issajewitsch Solschenizyn , der von von 1945 bis 1953 selbst im Gulag interniert war und deshalb authentisch ist)
aus dem Erscheinungsjahr 2003 hat Applebaum den US-amerikanischen Pulitzerpreis erhalten. Am 12. März erscheint ihr neues Buch „Die Verlockung des Autoritären. Warum antidemokratische Herrschaft so populär geworden ist

Warum immer wieder Russland und Putin?
So gerät Wladimir Putin, der Böse, auch hier wieder ins Blickfeld des Geschehens.
Mit Solschenizyn, der aus einer anderen Zeit stammt, pflegte Putin z.B. den Gleichklang der Gedanken und Ideen des berühmten Schriftstellers, der auch und im Besonderen in Deutschland höchste Achtung erfahren hatte.
Solschenizyn, der die Sowjetunion und ihre Machthaber, angefangen bei Stalin, Chruschtschow, Breschnew, Andropow, Tschernenko, um nur einige aus der Zeit der Sowjetunion zu nennen, bis zu Russlands Gobatschow, Jelzin und heute Putin, die er wohl wie kein Anderer einschätzen konnte, sah sein Land aus der dunklen Vergangenheit bis heute den im Westen verketzerten Wladimir Putin aus der Sicht eines Menschen, der sein Vaterland liebt. Die Autoren von Wikipedia haben Solschenizyns Sicht dargestellt. Da ist kein Platz für das hässliche Feindtrommeln des Westens gegen Russland.

Wladimir Putin bei Solschenizyn, 2000

Ein Textauszug aus Wikipedia (Politisches Wirken)
Nach seiner Rückkehr 1994 in die ehemalige Sowjetunion war Solschenizyn von den Verhältnissen dort allerdings schon bald enttäuscht, da sein Heimatland in seinen Augen von einer „moralischen Erneuerung“, wie er sie sich erträumt hatte, weiter denn je entfernt war. 1999 übte er mehrfach Kritik am Einsatz der NATO in Jugoslawien: „Unter den Augen der Menschheit ist man dabei, ein großartiges europäisches Land zu zerstören, und die zivilisierten Regierungen applaudieren […] Nachdem sie die Vereinten Nationen auf den Müll geschmissen hat, proklamiert die NATO der Welt für das kommende Jahrhundert ein altes Gesetz – das des Dschungels: Der Stärkere hat immer recht.
Boris Jelzin forderte er während des ersten Tschetschenienkrieges zum Rückzug aus Tschetschenien auf. Gegen den von Wladimir Putin begonnenen zweiten Tschetschenienkrieg hatte er allerdings nichts einzuwenden und forderte in diesem Zusammenhang sogar die Todesstrafe für „tschetschenische Terroristen“. Schließlich traf er sich sogar mit Putin zu einem Gespräch, bei dem sich beide über das Schicksal und die Größe Russlands unterhielten.

Solschenizyn mit Wladimir Putin, 2007

Solschenizyn lehnte die Entwicklungen in Russland besonders unter Jelzin ab, weshalb er auch die von ihm angebotenen Staatspreise zurückwies. Gorbatschow schien ihm politisch naiv, unerfahren und verantwortungslos: „Das war keine Machtausübung, sondern ein sinnloser Verzicht auf Macht. Durch die Begeisterung des Westens fühlte er sich in dieser Verhaltensweise bestätigt.“ Boris Jelzin war seiner Meinung nach für den desolaten Zustand Russlands hauptverantwortlich, den er in seinem Buch Russland im Absturz dargestellt hatte. Die unter seinem Diktat durchgeführte Privatisierung führe zum „hemmungslosen Raub des russischen Reichtums“. Jelzin fördere außerdem separatistische Tendenzen und „ließ Beschlüsse verabschieden, die den russischen Staat in Stücke zerreißen sollten. Damit wurde Russland seiner wohlverdienten historischen Rolle und seiner Stellung auf dem internationalen Parkett beraubt. Was vom Westen mit lautstarkem Applaus quittiert wurde.“

Man darf sich nun fragen, wer die bessere und realistischere Sicht auf Russland und Putin beschrieben hat: Alexander Issajewitsch Solschenizyn oder die US-Journalistin Anne Elizabeth Applebaum.

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3 Antworten zu Anne Elizabeth Applebaum – made in USA

  1. Alfons Maximini sagt:

    Ich maß mir nicht an, in einen Historiker Diskurs einzutreten. Dennoch, Hegemoniebestrebungen der USA sehe ich eher nicht. Klar – verteidigen beide Weltmächte ihre Vorhöfe (USA Lateinamerika, Russland Ukraine und die unabhängig gewordenen ehemaligen Ostblockstaaten). Das sind geostrategische Scharmützel, die bisher über Abrüstungsverträge abgemildert sind. Aber Landbesetzungen wie z.B. die Annexion der Krim – ob nun schon immer von Russen mehrheitlich bewohnt, sind eben völkerrechtswidrig. Punkt. Ich erinnere an den Abschuss von LH 17, die Besetzung des Donbass durch russische Kombattanten, die brutale Zerschlagung der Opposition, die Ermordung von unliebsamen Journalisten bis hin zu der Vergiftung mit Nowitschok an Nawalny und Skripal nebst Tochter. Möglicherweise hat und hatten die Sowjets, jetzt die Russische Führung, ja immer noch das Trauma der Waffengänge der letzten zweihundert Jahre durch Napoleon und dann die Deutsche Wehrmacht noch nicht verarbeitet. Dafür kann man ja Verständnis haben.
    Aber mittlerweile bestehen die Westmächte aus Demokratien und nicht aus Occupanten. Und im Einflussbereich der Russischen Föderation sehe ich das nicht.

  2. Alfons Maximini sagt:

    Solschenizyn und Applebaum gegenüber zu stellen finde ich dann doch etwas danebengegriffen. Hier prallen zwei Galaxien aufeinander. Grundsätzlich teile ich die Meinung von Frau Applebaum über die Einteilung von gefährlichen Autokratien/Diktaturen mit Hegemoniebestrebungen wie z.B Russland, China, Nordkorea und autokratischen Regierungen wie Ungarn, Türkei und andere. China halte ich jedoch für gefährlicher ( wenn überhaupt von einer Kriegsgefahr ausgegangen werden kann). Es kommt ja immer auf die handelnden Personen an. Erdogan, Orban sind kleine Gernegroße, die am Tropf des Westens hängen. Xi Jinpin hat China aus der Steinzeit in ein hochindustrialisierte Riesenreich geführt. Eine Stimme – ein Volk, dass ohne offene Kritik seinem Führer bedingungslos folgt. Das kennen wir Deutsche ja und wissen wo das hinführt. Personenkult und totaler Konformismus ist für die Demokratien im Westen weitaus gefährlicher als die Putin´sche Autokratie. China wird die Welt mit Hilfe ihrer großen, gigantischen Wirtschaftsmacht – die es übrigens den USA und den dem Westen zu verdanken hat, eher in Schwierigkeiten bringen als es die Russen jeweils könnten.

    • Egon Sommer sagt:

      Wer von Hegemoniebestrebungen der Anderen schreibt und bei dieser Aufzählung die USA auslässt (oder vergisst?), trennt die Welt in gut und böse. Wir und unsere amerikanischen Freunde zählen natürlich zu den Guten, oder?

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