13. Oktober 2021 – ein Blick in den Trierischen Volksfreund

Zeitungsabonnenten sind bei der Frühstückslektüre besonders kritisch

Warum ich gerade am diesem Tag meine persönliche Bewertung eines Zeitungsinhaltes offenbare liegt vielleicht auch daran, weil gleich mehrere Artikel meinen persönlichen Interessensbereich berühren.

Schon 1994 wehrten sich verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger gegen den seit Jahrzehnten umstrittenen Moselaufstieg. Archivfoto E.S.

Deshalb beginne ich nicht auf Seite 1 unserer regionalen Tageszeitung sondern beginne dort, wo ich mich ganz persönlich angesprochen fühle. Auf Hintergrund – Seite 11 unten, Interview mit Verena Hubertz, der frisch gewählten Gewinnerin des Direktmandats im BTW-Wahlkreis Trier, steht geschrieben “ Beton durch den Wald – das ist ein Konzept der 1970er-Jahre“.
Die Frage von TV-Redakteurin Christiane Wolf: Und was wird aus dem Moselaufstieg? beantwortet Verena Hubertz u.a. so: „Die Kreis-SPD hat sich für eine Zwei-Brücken-Tunnel-Lösung ausgesprochen. Diese Lösung unterstütze ich (eine neue Moselbrücke bei Oberbillig, eine Sauerbrücke bei Langsur und ein Tunnel zur Umgehung von Wasserbilligerbrück (Anm. d.Red.). Dafür müsste nicht der ganze Wald abgeholzt werden. Dieser Idee wurde aber nie nachgegangen, weil in Berlin immer an der Lösung Beton durch den Wald festgehalten wurde. Das ist ein Konzept der 70er-Jahre – aber es braucht Lösungen.“

Warum ich mich beim Lesen dieses Artikels ganz persönlich angesprochen fühle, liegt daran, dass ich als damaliger Vorsitzender des SPD-Gemeindeverbandes Konz dieses Planungsmodell in einer Mitgliederversammlung im Jahre 2010 erstmals vorgeschlagen habe. Die Verfeinerung des Denkmodells habe ich mit fachlicher Beratung und Unterstützung durch den Trierer Genossen Raimund Scholzen, ehemals Verkehrsplaner der Stadt Trier, weiter verfolgt. Das überschlägliche Ergebnis des Planungsgedankens ist im Kurzbegriff 2B + T (zwei Brücken + Tunnel) beschrieben und konnte kraft starker Einflussnehmer bisher leider nicht durchdringen. Sollten ökologische und ökonomische Sichtweisen sich durchsetzen, besteht die Hoffnung, dass eine wirkungsvolle Alternative zum „Moselaufstieg“ sich durchsetzt. Weitere umfangreiche und ergänzende Informationen zum Thema sind auf dieser Homepage im Suchfeld mit dem Suchbegriff „Moselaufstieg“ aufzusuchen.

Hier darf ich ergänzend einfügen, dass der Planungsvorschlag beim Mainzer Verkehrsministerium zur damaligen Zeit wenig bis kein Interesse fand. Dafür sorgte die Lobby der hiesigen Wirtschaft verbunden mit dem christdemokratischen Hintergrund in der Region Trier.

Weiter zum interessanten Inhalt der heutigen TV-Ausgabe. Seite 14 – Ein Bild sagt mehr … Ein Idyll ist plötzlich weg.
Touristen, Wanderer und sonstige Besucher der Südeifel mit ihrer grandiosen Felsenlandschaft kennen, nein, kannten die überdachte hölzerne Fußgängerbrücke über die Irreler Wasserfälle. Sie ist weg; übrig geblieben ist nur noch ein total zerstörtes Flussbett und das zerstörte Ufer, vom Fotografen Rudolf Höser im Bild verewigt.

Das Foto ist der letzte Eindruck, den ich im Frühjahr 2016 aufgenommen habe. Die damalige 20-köpfige Wandergruppe wird mit Schrecken registriert haben, was da im TV abgebildet ist. Die Folgen des Hochwassers im Ahrtal und weiteren Gebieten sind weitgehend bekannt. Weniger wahrgenommen ist, dass allein in der Gemeinde Irrel ca. 150 Häuser stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind; 53 davon sind als abbruchreif eingestuft. Foto: Privat E.S.

Desweiteren hat der TV-Artikel „Warum der Müllerberuf einst als anrüchig und ehrlos galt“ meine besondere Aufmerksamkeit erregt. War doch mein Vater, 1910 geboren, Müller und Mühlenbauer von Beruf. Dass er ein eingerahmter Spitzbube gewesen sein soll, wie auf die Frage: „Wie nennt man einen Müller, der aus dem Fenster schaut?“, widerspreche ich wegen besseren Wissens. Wenn der Autor der Geschichte mit dem Müller vielleicht den Mühlenbesitzer im Sinne hatte, dient das eher meiner Beruhigung. Und dass wegen des Klapperns der Mühlräder keine Störche beim Müller nisteten, weil, „Die Störche brüteten dort nicht – aus Angst, dass der Müller ihnen die Eier klaut …“ , ist im Falle meines Müller-Vaters ausgeschlossen; er war Zeit seines Lebens Hühnerhalter.

Die Themen des Tages (Seite 2) boten wenig Erbauendes. „Bürger müssen für den Giftschlamm zahlen“, ist so oder so eine Tatsache, wenn nach der Herkunft der Steuergelder gefragt wird. Gemeint ist wohl der Giftschlamm in den Abwässern der US-Airbase Spangdahlem.

Der Kampf der Bienen- und Umweltschützer verhallt bei den Verantwortlichen meist wirkungslos. Hierzu ein Meldung der Berliner taz. Foto: Greenpeace

„Kaltes Wetter lässt Honigernte in Rheinland-Pfalz zurückgehen“ Dass die immer intensivere Ausbringung von Pestiziden die Hauptschuld am Tod und Verderben der nützlichsten Insekten überhaupt trägt, wird durch das Einwirken des Lobbyismus allzu deutlich. Dass heutzutage China und andere Länder dieser Erde zu den größten Honiglieferanten gehören ist nicht tröstlich; der Einsatz von Chemie schreitet auch dort ungebremst voran, wie bei uns.

Auf der TV-Titelseite ist folgende Schlagzeile zu finden: „Studie: Förderschüler haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt“. Und auf der Innenseite 3 heißt es unter dem Titel: „Betriebe setzen bewusst auf Förderschüler“, von HWK Ausbildungsbegleiter Ralf Gessinger: „Ausbildende Betriebe sind aufgrund des demografischen Wandels zu mehr Wohlwollen bezüglich der bisherigen schulischen Leistungen bereit“ und „Wenn es auf der persönlichen Ebene (noch) funktioniert, sind Betriebe bereit, den Azuzbi zu halten, und versuchen mit ihm zusammen das Beste herauszuholen.“
Hört sich gut an; wenn man aber in dem Artikel von Bernd Wientjes, dass nach Aussage vom Verfasser der oben genannten Studie, liest, „dass Inklusion in Rheinland-Pfalz faktisch nicht stattfindet“ dann hat sich das Thema von selbst auf Null gesetzt.

„Die Tage der Mengenleere in Berlin“ nein, es soll heißen Mengenlehre, sind trotz der großflächigen Abbildung von Volker Wissing (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Michael Kellner (Grüne) eine halbe Seite Papierverschwendung.

Gleiches gilt für den Bericht von Hagen Strauß, der sorgenvoll berichtet, „So könnte der Unionstanker wieder auf Kurs kommen“ Die fast visionären Zukunftsperspektiven der CDU sollten aus meiner Sicht ein Ansporn für die SPD sein, den christdemokratischen Tanker in Niedrigwasser zu lenken.

Den Kommentar von Thomas Roth, Chefredakteur des Trierischen Volksfreundes, (Hintergrund Seite 11) hätte ich beinahe unerwähnt gelassen weil übersehen. Er war zu erwarten, hat doch der abgewählte Landrat Günther Schartz (CDU) nach seiner deutlichen Niederlage gegen Stefan Metzdorf (SPD) den Medien und deren Berichterstattung zu seinen überaus üppigen Nebenverdiensten eine Teilschuld für die scherzliche Wahlniederlage angelastet. Dass Roth sich gegen den Begriff „Hetze“ verwahrt, ist mehr als nachvollziehbar. Schartz war eben allzu großzügig in seiner Nebenbeschäftigung; unbestritten ist das Recht der Medien, die Öffentlichkeit zu informieren.

Auf den noch nicht verarbeitenden restlichen Zeitungstext würde ich verzichten, wenn es da nicht noch eine der wichtigsten Seiten gäbe, die Traueranzeigen. Wie ich immer wieder erfahre, gehören sie zur wichtigsten täglichen Lektüre. Man könnte ja selbst mal in der Zeitung stehen.

Aber dennoch zum Schluss ein Schmankerl, das es wert ist(?), gelesen zu werden:

„Wenn das Wetter gut ist, gehe ich mit meiner Frau
und unserem Hund spazieren“

sagte Christian Seifert, der am Jahresende scheidende Chef der DLF (Deutsche Fußball Liga) im Fernsehsender „Bild“ auf die Frage, was er am 2. Januar 2022 macht.

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