Oskar Lafontaine, der Sozialdemokrat

Das war’s: Oskar Lafontaine (78) hört als aktiver Politiker auf

!!! Beachten Sie auch die Updates am Ende dieses Artikels !!!

Oskar Lafontaine – zur Zeit noch Fraktionschef der Partei DIE LINKE im saarländischen Landtag. Der Vollblutpolitiker, ohne Zweifel einer der bekanntesten linken Köpfe Deutschlands, verlässt wohl mit einer gewissen Enttäuschung die Bühne. Sein Traum, in Deutschland und auch darüber hinaus eine vereinigte Linke im Sinne Willy Brandts zu erleben, erfüllte sich nicht. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons

das schrieb SOL.DE (Partner von RP-Online) schon vor einigen Monaten und bestätigt wurde die Meldung mit der Tatsache, dass Oskar für die Landtagswahl am 27. März 2022 nicht mehr antreten werde.

„Im Saarland hat alles angefangen. Und an der Saar geht es zu Ende: Nach mehr als fünf Jahrzehnten beendet Oskar Lafontaine seine politische Karriere. Seiner linken Politik ist er treu geblieben, auch wenn es weh tat“ – berichtet die Internetplattform weiter.

Kaum ein Deutscher zuckt bei dem Vornamen „Oskar“ nichtwissend die Schultern; alle kennen Oskar Lafontaine.  Seinen Rücktritt von der aktiven Politik hatte Oskar schon vor einigen Monaten angekündigt; vollzogen wird sein Abschied von der Tagespolitik nach der Landtagswahl im Saarland am nächsten Sonntag.

Linkssozial heißt links und sozial

Waren früher damit noch klare politische Bekenntnisse verbunden, herrscht heute jenseits der Beschreibung von Schreckgespenstern vor allem eines: viel Verwirrung darüber was links und rechts in der Politik bedeuten.
Links-soziales Denken prägte Oskars politische Ambitionen. Sein Sinn war es, in der Nachfolge Williy Brandts, ein anderes, besseres Land zu schaffen, als es heutzutage einerseits eher als Land der Privilegierten und andererseits das der Armen geworden ist. Wer nachdenkt und Oskar Lafontaine nicht als „Verräter“ an der echten sozialdemokratischen Idee schimpft, wie es viele sogenannte Sozialdemokraten auch heute noch tun, blicken zu wenig in die Vergangenheit.

Oskars politischer Lebenslauf

Georg Fülberth – Politikwissenschaftler, ist Autor bei gewerkschaftsforum.de – Bild: Sven Teschke, Licence: CC BY-SA 3.0-de über Wikimedia Commons

Der Rückblick in die politische Vergangenheit des Politikers Oskar Lafontaine, der, das muss gesagt sein, seine Würde bewahrt hat, wird von dem Politikwissenschaftler Georg Fülberth auf Gewerkschaftsforum.de frei von emotionalen Einflüssen, sachlich und wahrheitlich beschrieben.

Der Politikwissenschaftler Georg Fülberth hat in einem Absatz seiner Kurzbiografie mit außerordentlicher Prägnanz beschrieben, was Oskar beseelte:

„Oskar Lafontaines politischer Kurs in all diesen Jahren war durch zwei Konstanten bestimmt: Friedens- und Klassenpolitik. Er zitierte Jean Jaurès: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“, und hält Menschenrechtsimperialismus für brandgefährlich. Dass die AfD unter Arbeitern und Arbeitslosen überdurchschnittlichen Zulauf hat, alarmiert ihn. In seinem Versuch, diesen Einbruch einzudämmen, benutzte er zuweilen ein Vokabular, das diese Menschen wohl auf dem Niveau ihrer Wahrnehmungsverzerrungen abholen sollte. Die Bezeichnung „Gastarbeiter“, in Zeiten hohen Wachstums und guter Integrationsmöglichkeiten vielleicht angebracht, hält er heute angesichts mieser Jobs für Migranten für beschönigend und sprach einmal von „Fremdarbeitern“. Die AfD appelliert an Rassismus, Lafontaine an verschüttetes Klassenbewusstsein. Das ist der Unterschied von rechtem und linkem Populismus.“

Wer mehr und es genauer wissen will, kann dies in den Büchern lesen, die von dem auch als Publizist tätigen Politikprofi Lafontaine auf dem Büchermarkt sind. Hier einige Beispiele:

Oskar Lafontaine: Politik für alle. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft

Oskar Lafontaine: Die Wut wächst. Politik braucht Prinzipien

Oskar Lafontaine Das Herz schlägt links

STURZGEBURT – Streitgespräch zur Deutschen Einheit Oskar Lafontaine/Peter Michael Diestel,
wobei der Link zu einer Leseprobe führt, die den Charakter des Streitgespräches zur Deutschen Einheit aufzeigt.

Besucherinnen und Besucher meines Blogs könnten bei der Sucheingabe „Oskar Lafontaine“ einschließlich des aktuellen Artikels 21 Beiträge auffinden. Auffällig ist die nicht ganz zufällige Trefferzahl zu Blogartikeln, die im Zusammenhang mit Oskars Ehefrau Sahra Wagenknecht (seit 2014 verheiratet) und derer politischer Heimat stehen, die letztendlich aber doch zufällig in 20-facher Auflage enthalten ist.

Ein brisanter Aspekt im Leben von Oskar Lafontaine dürfte das Attentat vom 25. April 1990 sein, bei dem er fast ums Leben kam, als ihm eine geisteskranke Frau ein Schlachtermesser in den Hals stieß. Eine Tatsache, die auch mir erst jetzt bekannt geworden ist, dürfte das nachträgliche Schreckensszenario sein, dass Oskar Lafontaine von dieser Freilassung nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Der Kölner EXPRESS berichtet am 05.08.2014, 18:14 Uhr darüber.

Ein Update von heute, 19.03.2022

Oskar Lafontaines letzter Auftritt im saarländischen Landtag. Die NachDenkSeiten (NDS) bereiteten dem Abschied des populären Politikers einen großen Raum. Die letzte Rede lag außerhalb der Landespolitik; Oskar widmete sie seiner Sichtweise zu Kriegen im Allgemeinen und im Speziellen dem unseligen Ukrainekrieg mit allen seinen Nebenaspekten. Bei Aufruf des Videos stehen weitere Links zur Verfügung, in dem Oskar u.a. seinen Parteiaustritt aus der Partei DIE LINKE begründet. Bild: NDS

Die überaus beachtenswerte 24-minütige Rede ist ausdrücklich ein Verzicht Lafontaines auf oppositionelle Angelegenheiten des Landtages, sondern befasst sich ausschließlich mit Krieg und im Besonderen dem Ukrainekrieg.
Die weiteren Stellungnahme wie Oskar zum Parteiaustritt und Albrecht Müllers Anmerkungen zu Parteiaustritten im Allgemeinen und zu Lafontaine im Besonderen werden durch Mausklick auf das Bild und hier eröffnet.

Ein weiteres Update vom 24.03.2022,

das sich mit dem Abschied Oskars Lafontaines befasst, ist eine eher unpolische Beschreibung des Ausnahmepolitikers. Die Wochenzeitung derFreitag veröffentlichte in seiner Ausgabe 12/2022 den Beitrag der Redakteurin Elsa Köster ausdrücklich außerhalb der Bezahlsperre…

Zum Abgang von Oskar Lafontaine: Niemand kann einen Freigeist lenken

Analyse Der Austritt des ehemaligen Spitzenpolitikers aus der Linkspartei beweist seine Stärke und Tragik zugleich. Elsa Koester | Ausgabe 12/2022 31

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