Claus Weselsky, Chef der “Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer” – Mutiger Kämpfer für Arbeitnehmer oder Störer der Harmonie?

Fern des Mainstreames stellt ihn Markus Feldenkirchen im Spiegel-Interview vor

Beitragsbild: Werbung zur Gewinnung neuer Lokführer, Foto Joachim Kohler, Wikipedia

Der GDL-Chef ist derzeit eine der umstrittesten Persönlichkeiten in Deutschland. Man darf, nein, man sollte ihn bewundern, ob seiner für die Arbeitnehmer der Bahn(en) verfolgten Ziele.

Markus Feldenkirchen und Claus Weselsky im einstündigen Interview. Bild: Montage aus Screenshots des Interviews.

Markus Feldenkirchen, einer der renommiertesten deutschen Journalisten, hat Claus Weselsky eine Stunde lang intensiv und in fairster Art und Weise be- und hinterfragt. Das Resümee dieses Gesprächs sollte alle, insbesondere abhängig Beschäftigte, zu der Überlegung veranlassen, die Gewerkschaft als Basis des Arbeitlebens zu finden.

Jedes weitere Meinungsbild durch mich, den Blogger Egon Sommer, würde das kluge Gespräch zweier aus unterschiedlichen Berufen kommenden Menschen stören bzw. entwerten. Deshalb hier der Link direkt zum SPIEGEL-Spitzengespräch mit dem vielsagenden Titel:

»Die Lokführer hätten mich angespuckt«

Streikt er nur für sein Ego? Im Spitzengespräch verrät GDL-Chef Claus Weselsky, warum in Bahndurchsagen bewusst gelogen wird und bei welchem Angebot er widerstand, und er gibt Tipps für die nächste Gehaltsverhandlung.

Trotz der Ernsthaftigkeit des Interviews durften auch einige belustigende Einblendungen letztendlich die Leichtigkeit des Gespräches andeuten.

Mit Beispielen aus dem beruflichen Alltag des Lokführers sowie die nachdenkenswürdige Vorstellung der politisch hinterlegten Pofallawende mittels Spielzeugeisenbahn lockerten das im Grunde ernste Thema etwas auf. Bild: Screenshotmontags aus Interviewvideo.

Wer zum Schluss dieses Blogbeitrages noch Lust verspürt und die Zeit aufbringen kann, sollte auch den Artikel aus den Ossietzky-Briefen 1/24 lesen, der die grundlegenden Argumente für die Verkürzung der Arbeitszeit beschreibt.
Für mich persönlich sind das keine Utopien; ich hatte bzw. habe in meiner Sportgruppe sechs Lokomotivführer, deren unstetes Arbeitsleben im Schichtbetrieb bei mir das kalte Grausen hervorrief. Abends um 8 Uhr, abends um 23 Uhr, nachts um zwei Uhr, nachts um 4 Uhr, morgens um 5 bzw. 6 Uhr, ob Sommer oder Winter, das waren die mir bekannten Arbeitsbeginnzeiten meiner Sportfreunde. Da schwadronierte ein Herr Heinrich Nordhoff, damals Generaldirektor der VW-Werke, in Sorge um die Arbeiterschaft:
»Sicher wäre ein freier Samstag für viele ein schönes Geschenk, aber für viele auch ein Fluch. Die meisten Menschen leben ohnehin auf der Flucht vor sich selbst. Ihnen wäre ein fehlender Arbeitstag kein Segen, sondern die Leere würde noch vergrößert.«
Diese Denkweise beherrscht auch heute noch teilweise die Managerebenen, siehe Bahn AG. Deshalb sind Gewerkschaftler wie Claus Weselsky die Elite des Volkes; und nicht diejenigen, die sich ihre Boni verdoppeln und dann vom Geldmangel reden.

Hier folgt der Ossietzky-Brief von Berndt Waltje –  Arbeitszeitverkürzung! Eine Utopie?

Eine persönliche Anmerkung sei mir zum Schluss des Artikels erlaubt: Ich bin seit knapp 60 Jahren Gewerkschaftsmitglied; auch noch als Rentner und Pensionär.

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