Der „Schweinestau“

Was Agrarverbände fordern ist eine Schweinerei

„Nein, nicht schon wieder ein Tierschutzthema“, so könnten die Besucher meines Blogs reagieren. Das unsägliche Leiden in der Massenhaltung und die brutale Tötungsmaschinerie in den Schlachthöfen lässt mich nicht los; es ist ein barbarischer Krieg gegen die hilflose Kreatur. Hinzu kommen die menschlichen Tragödien, wie es die Ausbeutung der aus- und inländischen Billigstlöhner durch die Coronakrise ans Licht brachte; das ist nicht nur mein Thema. Der unersättliche Fleischkonsument ist hieran nicht ohne Schuld.

Es folgt hier der Phrasenkatalog, der den Tierschutz in unserem Land ad absurdum (zum Sinnlosen) führt.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 20a
„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 90a Tiere
„Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“

Tierschutzgesetz § 1
„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Wir haben die besten Gesetze zum Schutz der Tiere. Executive und Judikative versagen jedoch auf der ganzen Linie; im Gegenteil, Tierschützer, die das unheilvolle Geschehen aufdecken, werden von Politik und Lobby angefeindet und verfolgt.

Wer erwartet, dass die Schlachthof- und Tierzuchtskandale, die nicht nur als Folge der Corona-Pandemie ans Licht kamen, irgend eine positive Entwicklung nach sich gezogen hätten. Schwamm drüber und weiter so!

Schweinestau – das neue Schlagwort

Was soll man anderes erwarten? Statt die Corona-Pandemie, die angeblich Schuld am „Schweinestau“ ist, sollen Politik und Behörden durch Erhöhung der Schlachtmengen dafür sorgen, dass mehr geschlachtet werden soll, die Tötungsmaschinerie soll wieder hochgefahren werden. Es bleibt beim Schrecken ohne Ende.

Die Augen der Tiere drücken ihre verzweifelte Lage im Massetiergefängnis aus. Bild: ARIWA

Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) fordert die politisch Verantwortlichen auf, jetzt die Notbremse zu ziehen.

„Weil Schlachthöfe coronabedingt schließen oder weniger schlachten, drängen sich in den Mastanlagen zu viele Schweine. Landwirt*innen und Agrarverbände fordern von Politik und Behörden unter anderem eine schnelle Erhöhung der Schlachtmengen, um diesen „Schweinestau“ aufzulösen. Dabei ist die jetzige Situation hausgemacht: Die auf Masse und Export ausgerichtete industrielle Tierproduktion kollabiert, sobald nur ein Rad im Getriebe klemmt. Deshalb fordert Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) die politisch Verantwortlichen auf, jetzt die Notbremse zu ziehen. Dieses System, unter dem sowohl die Tiere als auch die Landwirt*innen leiden, muss durch eine zukunftsfähige Landwirtschaft ersetzt werden. Dazu brauchen wir einen Plan zur Abwicklung der Tierproduktion, wirtschaftliche Unterstützung für Betriebe, die aus der Tierhaltung aussteigen wollen, und Förderprogramme für einen veganen Ökolandbau.“

Für die Tiere: Die Hölle auf Erden

Lobby und Politik reden vom Tierwohl. Größte Vorsicht ist geboten, wenn der Begriff von vermeintlich ehrenhaften Zeitgenossen verbraucht wird. Das Label „Tierwohl“ ist das Verharmlosungswort für die gnadenlose und üble Tierzucht und die brutalen Massentötungen.
Leicht und mit einem süßlichen Lächeln geht besonders der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner das Tierwohl über die Lippen.
Und wenn dann die Öffentlichkeit auch noch erfährt, dass der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Sigmar Gabriel, auch mal SPD-Parteivorsitzender, Bundesminister für Umwelt und Naturschutz, Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Bundesminister des Auswärtigen gewesen, es nötig hat, für ein angebliches Salär von monatlich 10.000 € den Berater und Lobbyisten für Deutschlands größten Schweine-Schlachthof (Tönnies, Rheda-Wiedendrück) gibt, dann dürfte klar sein, wie Politiker und Lobbyisten ticken.

Die hausgemacht Situation, dass die auf Masse und Export ausgerichtete industrielle Tierproduktion auf Grund der pandemischen Corona-Krise zu kollabieren droht, kennt offensichtlich nur den einen Ausweg aus der Schlachthofkrise. Den schweren Sünden und Untaten der Schlachthöfe entgegen zutreten heißt nicht, weg von der Qualzucht und dem qualvollen Töten, sondern noch mehr Tiere züchten und töten.

Die Statistik

Jedes Jahr werden in deutschen Schlachthöfen mehr als 750 Millionen Tiere getötet, darunter circa 55 Millionen Schweine. Fast die Hälfte des deutschen Schweinefleischs wird exportiert. Das Hauptexportland ist China sein. Die Grundlage dieser Statistik bildet das Leid vieler Millionen Tiere, die oft unter schlimmsten Bedingungen in den Anlagen der deutschen Tierindustrie leben und sterben. Am Leben gehalten wird dieses System von dem politischen Willen, auf möglichst billige und dennoch profitable Weise Tierfleisch zu „produzieren“.

Nicht nur Schweine sind die Opfer des unersättlichen Fleischkonsums in Deutschland; die Zahlen des Statistischen Bundesamtes beschreiben das Tötungsgeschehen allein in unserem Land.
Zum Ende des Beitrages noch ein heißer Tip, den ich im Magazin Freiheit für Tiere gefunden habe. Er ist gedacht für alle, die ohne Fleisch glauben, nicht zu überleben.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Gesellschaftspolitik, Tierschutz, Umwelt-, Natur- und Klimaschutz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.