Friedensnobelpreis

Meistens mit großen Fragezeichen versehen

Das norwegische Nobel-Komitee hat den Friedensnobelpreis 2021 an den russischen Journalisten Dmitri Muratow und an die philippinische Journalistin Maria Ressa verliehen. Beide erhielten die Auszeichnung „für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden ist“.

Dmitri Muratow, seit 1995 Chefredakteur der „Nowaja Gazeta“. Die auch außerhalb Russlands für ihre investigativen Recherchen über Korruption,
Menschenrechtsverletzungen bekannt ist, deckte auch die Aktivitäten russischer Militär- und Geheimdienste auf. Foto (2012): Own work, Author Euku, Wikipedia
Maria Ressa, Journalistin und Autorin. Sie gehört zu den schärfsten Kritikern des 2016 gewählten Präsidenten Rodrigo Duterte. Nach dessen wahl stellte sie sich gegen seinen blutigen Anti-Drogen-Krieg mit Tausenden von Toten. Furchtlos offenbarte sie Verdrehung von Fakten, von Lügen und Propaganda. Foto (2011): Own work, Author Joshua Lim, Wikipedia

Beide, in der sog. westlichen Welt weniger bis unbekannt, haben sich wahrhaft der Ehrung in Form des Friedensnobelpreises als würdig erwiesen. Ohne Vorschusslorbeeren – ihre mutigen Aktivitäten haben sie bereits erbracht- erfüllen sie das Gebot des friedlichen Kampfes für Gerechtigkeit und Frieden, wie es im Sinne des Nobelpreises heißt:„der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ – und damit – „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht hat“.

Diese kurze und bündige Beschreibung der Nobel-Bedingungen lässt mich als einfachen Blogger zu der Überlegung kommen, welche hintergründigen Argumente es sein konnten, den seit 1901 bisher an ca. 137 Auserwählte zu verleihen. Die Liste wird angeführt von Jean-Henri Dunant (* 8. Mai 1828 in Genf; † 30. Oktober 1910 in Heiden), ein Schweizer Geschäftsmann und ein Humanist christlicher Prägung, dem erstmals 1901 der Friedensnobelpreis für die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zuerkannt wurde.

Die diesjährige Friedens-Nobelpreis-Verleihung hat mich zu einer etwas intensiveren Befassung mit dem Thema veranlasst und mir dem heutzutage doch recht einfachen Zugang zu höchstinteressantem Wissen verholfen. Hier die Liste der Friedens-Nobelpreisträger seit 1901 – und wofür er verliehen wurde.

Auch das Nachkriegsdeutschland (2. Weltkrieg) hat seinen Friedensnobelpreisträger, der bis heutzutage nicht seinesgleichen in unserer Gesellschaft findet. Ein Auszug aus seiner Rede anlässlich der Verleihung kann deutlicher nicht sein und wird von den heutigen politischen „Tätern“ tragischerweise mit Füßen getreten.

„Der Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Es geht darum, Kriege abzuschaffen, nicht nur, sie zu begrenzen. Kein nationales Interesse läßt sich heute noch von der Gesamtverantwortung für den Frieden trennen. Jede Außenpolitik muß dieser Einsicht dienen. Als Mittel einer europäischen und weltweiten Sicherheitspolitik hat sie Spannungen abzubauen und die Kommunikation über die Grenzen hinweg zu fördern.

Friedenspolitik ist eine nüchterne Arbeit. Auch ich versuche, mit den Mitteln, die mir zu Gebote stehen, der Vernunft in meinem Lande und in der Welt voranzuhelfen: Jener Vernunft, die uns den Frieden befiehlt, weil der Unfriede ein anderes Wort für die extreme Unvernunft geworden ist. Krieg ist nicht mehr die ultima ratio, sondern die ultima irratio. Auch wenn das noch nicht allgemeine Einsicht ist: Ich begreife eine Politik für den Frieden als wahre Realpolitik dieser Epoche. …

Wer war es, der diese Worte gesprochen hat? Die Auflösung finden Sie hier!

Aber auch eine andere Tatsache sollte hier nicht außeracht gelassen werden. Die Nichtregierungsorganisation (NGO) change.org hat in einer Petition bereits 2014 den Mitgliedern des norwegischen Nobelkomitees Julian Assange und Edward Snowden zur Verleihung vorgeschlagen. Wie der friedliebende Westen und insbesondere die USA mit den „todesmutigen“ (ja, man darf es so bezeichnen, wenn man die Absichten der USA bewertet) Journalisten und Freiheitskämpfern umspringt, ist ausreichend dokumentiert.

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