Ohne Willy Brandt wäre die Nachkriegs-SPD ein Muster ohne besonderen Wert

Vor 50 Jahren erhielt Willy Brandt den Friedensnobelpreis

Die politische deutsche Nachkriegsgeschichte ist durch den bedeutesten ersten sozialdemokratischen Kanzler Willy Brandt geprägt. Der vierte Sozialdemokrat im Kanzleramt der Bunderepublik Deutschland, Olaf Scholz, betrat am 8. Dezember 2021 Deutschlands politische Bühne als Hauptdarsteller; ein Anlass zu einem Rückblick über den Widerstandskämpfer, Kanzler, Parteivorsitzenden und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt. Am 10. Dezember vor 50 Jahren wurden seine Verdienste mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Willi Brandt 1980 – Bild: Wikipedia – Bundesarchiv, B 145 Bild-F057884-0009 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0

Der „Friedenspolitiker“ Willy Brandt würde sich, wie es häufig ausgedrückt wird, „im Grabe umdrehen“, wenn er die Zerrüttung der 1989/1990 entstandenen Friedenbemühungen im Zusammenhang mit der Deutschen Wiedervereinigung heutzutage wahrnehmen könnte. Olaf Scholz‘ Politik wird daran zu messen sein.

Willy Brandt, am 18. Dezember 1913 in Lübeck geboren, hat sowohl die deutsche Vorkriegsgeschichte, die Geschichte des unseligen 2. Weltkrieges und die Nachkriegsgeschichte bis zu seinem Tod am 8. Oktober 1992 erlebt. Er ist und bleibt eine Person der deutschen Geschichte; seine politische Heimat war immer die Sozialdemokratie.

Nils Zurawski – Mehr über ihn und seine philosophischen Weltbetrach-tungen hier im vorangestellten Link. Bild: Von Privat, Fotografin Paula Markert

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) veröffentlichte anlässlich des 50. Jahrestages der Verleihung des Friedensnobelpreises an Willy Brandt, die von Prof. Dr. Nils Zurawski verfasste Lebensgeschichte des Politikers. Das lesenwerte Essay umfasst alle Stadien des politischen Lebens und Teile des privaten Lebens des bedeutenden Politikers, der eine ganze Epoche der jüngeren deutschen Geschichte verkörpert.

Das weitere Spektrum der wissenschaftlichen Tätigkeiten von Nils Zurawski ist schier unerschöpflich. Mehr dazu im vorangestellten Link und im weiteren Link unter dem Foto.

Hier gehts zum Essay von Nils Zurawski bei NDR.de

Begründung des Nobelpreis-Komitees
In der Begründung des Nobelpreis-Komitees hieß es: „Bundeskanzler Willy Brandt hat als Chef der westdeutschen Regierung und im Namen des deutschen Volkes die Hand zu einer Versöhnungspolitik zwischen alten Feindländern ausgestreckt. Er hat im Geiste des guten Willens einen hervorragenden Einsatz geleistet, um Voraussetzungen für den Frieden in Europa zu schaffen.“ Als Außenminister und als Bundeskanzler habe Brandt konkrete Initiativen zur politischen und militärischen Entspannung zwischen Ost- und Westeuropa ergriffen. Dabei hob das Komitee besonders hervor, dass die Bundesrepublik unter seiner Regierung 1969 den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und 1970 mit der Sowjetunion und Polen Gewaltverzichtsabkommen geschlossen hatte. Zugleich wurde aber auch auf Willy Brandts Bemühungen verwiesen, „der Bevölkerung von West-Berlin grundlegende Menschenrechte wie persönliche Sicherheit und volle Bewegungsfreiheit zu sichern“. Auch sein Engagement und seine Initiativen für eine verstärkte Zusammenarbeit in Westeuropa im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft würdigte das Komitee als wichtigen Beitrag zum Frieden.

Telegramm des norwegischen Nobel-Komitees an Willy Brandt zur Ankündigung des Friedensnobelpreises. Bild: © Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie, Bonn

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3 Antworten zu Ohne Willy Brandt wäre die Nachkriegs-SPD ein Muster ohne besonderen Wert

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  2. Helmut Ayl sagt:

    Toll ist es, dass Willy Brandt damals für seine Ostpolitik vor 50 Jahren den Friedensnobelpreis bekommen hat, denn das war Friedenspolitik mit totalitären Regimen, die davon auch profitierten und ab 1989 dann als „Spätfolge“ verschwunden sind. Unsere osteuropäischen EU-Staaten haben das hoffentlich nicht vergessen, wenn sie sich auch wieder von wahrer Demokratie entfernen (Polen, Ungarn). Ich glaube, dass heute eine solche Politik nicht mehr durchsetzungsfähig wäre, denn mit totalitären Regierungen redet man nicht mehr auf Augenhöhe, sondern sanktioniert sie.
    Wenn Russland auf dem eigenen Staatsgebiet Soldaten stationiert, wird das als unumstößlicher Beweis für einen geplanten Angriff auf die Ukraine angesehen, wenn China seine wachsende Wirtschaftsmacht berechtigt in die Waagschale wirft, wird es sanktioniert. Es war einfacher, China als Auslandswerkbank auszubeuten, als es heute als wirtschaftlich mindestens gleichberechtigten Partner auf Augenhöhe anzuerkennen. Wir verbünden uns mit Ländern wie Indien (angeblich die größte Demokratie der Welt, in Wirklichkeit eine hinduistische Diktatur) gegen China.
    Willy Brandt und Helmut Schmitt müssen Vorbild für Olaf Scholz sein: Nach Moskau und nach Peking reisen und den Dialog mit Putin und Xi auf Augenhöhe führen. Selbst Angela Merkel hat China bereist, auch auf die Menschenrechtslage hingewiesen und eben den Dialog aufrecht erhalten. Wenn Olaf Scholz Verständigungspolitik zur Chefsache macht, kann das was werden. Wie vor einigen Monaten Habeck in Tarnuniform mit Sturmgewehr in der Ukraine „Politik“ zu betreiben und wenn das Baerbock-Linie sein sollte, dann gute Nacht. Da hoffe ich doch, dass Scholz mit seinem Duzfreund Lindner gemeinsam an tolle Außenminister wie Willy Brandt, Walter Scheel, Hans Dietrich Genscher, Klaus Kinkel, oder Bundeskanzler wie Brandt, Schmitt, Kohl und Schröder erinnert, die auch in dunklen Krisenzeiten auf Gespräche und Wandel durch faire Verträge mit Russland und anderen Staaten gesetzt haben. Denn ohne diese Verträge von 50 Jahren gäbe es keinen freien baltischen und osteuropäischen Staaten.
    Der eigentliche Hammer, Nordstream II eventuell auf Dauer nicht zu benutzen, ist für das gegenseitige Vertrauen total schädlich. Millionen Gasbezieher in Deutschland (und Europa) zahlen die höhere Zeche und: was sind kapitalistische Verträge noch wert, wenn sie nach willkürlicher Despotenart von Demokratien einfach nicht eingehalten werden. Wer vertraut uns dann überhaupt noch in der nicht westlichen Welt?
    Zu Willys Nobelpreis: wurde im Fernsehen überhaupt daran in einer normalen Nachrichtensendung erinnert!? Vielleicht habe ich das auch verpasst.

    • Egon Sommer sagt:

      Dieser Kommentar ist eine willkommene Ergänzung und Abrundung des Blogartikels.
      Ich würde mir wünschen, wenn durch diese Art der Teilnahme am politischen Geschehen, die Kommentarspalten sich in noch vielfacherem Umfang füllten. Es dürfen und sollten auch andere Meinungen sein, sofern sie konstruktiv und sachlich sind.

      Mit besten Grüßen an die Kommentatoren,
      Egon Sommer

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