Die Rattenfänger sind unterwegs

Nicht die Ratten, sondern die Fänger sind das Übel!

Die relativ kleine Gewerkschaft, die GDLGewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, stellt sich dem Riesen Bahn AG entgegen und untermauert ihre berechtigten Forderungen für das Bahnpersonal. Die als DGB-Gewerksschaft etablierte EVG sitzt dem Bahnvorstand auf dem Schoß und betreibt die Interessen der Führungsetage des noch zu 100 Prozent bundeseigenen Konzerns. Während die Bahn AG auf einer coronabedingten Nullrunde für die Beschäftigten besteht, unterstützt die EVG dieses angeblich schuldenbedingte Ansinnen des Bahnvorstandes. Der Anspruch der Konzernführung auf einer Erhöhung der Tantiemen und Boni für die Führungskräfte um >10 Prozent(!) ist der Zündfunke für den Bahnstreik, den die GDL mit 95 prozentiger Zustimmung des organisierten Personals für den 48-stündigen Streik ab heute, 11.08.2021, 2 Uhr, ausgerufen hat.

Claus Weselsky, Chef der Lokomotivführer-Gewerkschaft, streitbarer Gewerkschaftsführer, der die Interessen seiner Mitglieder in den Vordergrund gestellt hat. Foto: Wikipedia, Fachtagung der Rosa-Luxemburg-Stiftung 13.4.2015 http://www.rosalux.de/documentation/52680/

Während die EVG, vermeintlich gestärkt durch das Tarifeinheitsgesetz, den Bahnmitarbeitern dieses Spiel schmackhaft machen will, geht die GDL den Weg der Koalitionsfreiheit (Art. 9 Abs. 3 GG). Auch wenn das Tarifeinheitsgesetz weitgehend mit dem Grundgesetz vereinbar ist, wie das Bundesverfassungsgericht urteilte, kritisierte es allerdings, dass die Belange einzelner Berufsgruppen oder Branchen nicht vernachlässigt werden dürfen, wenn bislang bestehende Tarifverträge zugunsten anderer Tarifverträge verdrängt werden würden.

Vielleicht gut gemeint, aber schlecht durchdacht war die Initiative der früheren SPD-Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende, Andrea Nahles, die aus der traditionellen Verbundenheit der SPD mit dem DGB die Stärkung der DGB-Gewerkschaften im Blick hatte.

Bestimmte Wirtschaftskreise, allen voran der Bahn-Vorstand, einschließlich der unternehmensfreundlichen deutschen Medien stehen auf den Hinterhufen, um die Unmöglichkeit eines Streiks (in dieser Corona-Zeit und sonst wann) zu verteufeln. Dass es hierbei ausschließlich um die Interessen der arbeitenden Menschen und ihrer sozialen Zukunft geht, muss demnach in den Hintergrund rücken.

Wer zu dem Thema Bahnstreik/GDL-Streik eine andere, geteilte Meinung pflegt, kann sich außerhalb der gemeinen Medienwelt speziellen Informationsquellen widmen. Selbst das DGB-nahe gewerkschaftsforum.de beschreibt in seinem aktuellen Newsletter, warum der GDL-Streik volle Berechtigung besitzt.
Die sozialen Hintergründe zum Streik und dessen Zielsetzung beschreibt Claus Weselsky in einem persönlichen Statement. Die deutlichen und allgemeinen Standpunkte zu Gewerkschaften und zu den hier im besonderen angesprochenen Bahnmitarbeitern haben im Grundsatz Gültigkeit für alle abhängig Beschäftigten.

In der hier verlinkten GDL-Streikzeitung gehts zum Weselsky-Video.
Titel des Videos: Zeigt den Managern …

Als besonders informativ und aufklärend zu den wenig bekannten Hintergründen ist auch ein Beitrag zum Thema bei den NachDenkSeiten (NDS). Was der Publizist Dr. Werner Rügemer zum „Streik bei Deutscher Bahn: Solidarität mit der GDL – aus vielen Gründen!“, zu sagen hat und eröffnet, ist hier verlinkt.

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2 Antworten zu Die Rattenfänger sind unterwegs

  1. Pingback: Solidarität mit der GDL – von wegen! | Von links gedacht

  2. Raimund Scholzen, Hommerstr. 16, 54290 Trier sagt:

    eine corona-bedingte nullrunde für die vorstände wäre eher zu vertreten als eine nullrunde für die lokführer. daß die vorstände sich um 10 prozent selbst segnen wollen, erscheint in keiner pressemitteilung, und im fernsehen schon gar nicht. ich finde das „unkeusch“.
    Raimund Scholzen

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