Ist die Wahl des Bundespräsidenten ein Szenario für Auserwählte?

Ich hätte einen Anderen gewählt!

Und der heißt Gerhard Trabert, Kandidat der Partei DIE LINKE. Der einzige Abschnitt in der Antrittsrede von Frank-Walter Steinmeier, der ein wenig mein eher wirkungsloses Wohlgefallen fand, waren die Worte:

Prof. Dr. Gerhard Trabert – Die Welt hätte uns um ein solches Staatsoberhaupt beneidet.

„Ich will an dieser Stelle aber auch meinen Respekt ausdrücken für meine Mitbewerberin und Mitbewerber in dieser Wahl. Gestatten Sie mir, sehr geehrter Professor Trabert, noch ein zusätzliches Wort. Sie haben mit Ihrer Kandidatur auf ein Thema aufmerksam gemacht, das mehr Aufmerksamkeit verdient: die Lage der Ärmsten und Verwundbarsten in unserem Land. Dafür gebührt Ihnen nicht nur Respekt, sondern ich hoffe, dass Ihr Impuls erhalten bleibt. Das Thema Obdachlosigkeit beschäftigt uns beide – Sie wissen es – seit langer Zeit. Warum schauen wir nicht, ob wir diesem drängenden Thema gemeinsam mehr Aufmerksamkeit verschaffen können? Ich würde mich freuen, wenn wir darüber ins Gespräch kämen.“

Ein Lippenbekenntnis, das auch in den nächsten fünf Jahren wie zuvor ein solches bleiben wird, so meine Vorhersicht.

Aufgeschreckt hat mich das offenbar zur Auffassung Steinmeiers gehörende Wort „Abschreckung“, das wohl seine Vorstellung von Friedensgarantie unterstreichen sollte. Auch die Schuldzuweisung an den russischen Staatspräsidenten Putin, an den er appellierte: Lösen Sie die Schlinge um den Hals der Ukraine! entlarvte seine Devise einseitiger Schuldzuweisung.

Man muss zu größeren politischen Ein- und Durchblicken befähigt sein, die gesamte Dankesrede des Politprofis Frank-Walter Steinmeier analysieren zu können. Mittels meiner bescheidenen Empfindungen vermag ich diese Durchleuchtung nicht gründlich genug zu beschreiben.

Frieden ist nicht selbstverständlich. Er muss immer wieder erarbeitet werden, im Dialog, aber wo nötig, auch mit Klarheit, mit Abschreckung, mit Entschlossenheit. All das braucht es jetzt“ – weiter im Redetext.

Albrecht Müller, Chef der politischen und eher pazifistischen Plattform „NachDenkSeiten (NDS), ist der politische Sachwalters der Gegenwart und der Vergangenheit. Vielen unbedarft denkenden Menschen verhilft er zur notwendigen Erinnerung. Seine Feststellungen und Fragen zur Bundespräsidentenwahl sollen zum Nachdenken anregen.

Frank-Walter Steinmeier bei der Antrittsrede zu seiner zweiten Amtsperiode.
Die Bundesversammlung wählte ihn im ersten Wahlgang mit 1045 von 1425 Stimmen. Gerhard Trabert (DIE LINKE) mit bescheidenen 96 Stimmen, Stefanie Gebauer (Freie Wähler) 58 Stimmen und Max Otte (AfD) 140 Stimmen. Bild: Screenshot-Video Bundespräsidialamt

Wenn die NachDenkSeiten das Eingangsbild zum Bericht über die Wahl mit dem Titel überschreiben: „Der US-Beauftragte in Schloss Bellevue ist wiedergewählt“, dann wird das auch mit Hintergründen detailliert belegt.

„Dass Frieden immer wieder erarbeitet werden muss, ist richtig. Aber warum bleibt Bundespräsident Steinmeier nicht bei der friedenspolitisch entscheidenden Aussage des Bundeskanzlers von 1969 – „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“? Warum wendet er sich zurück zur Konzeption des Kalten Krieges:“ – so Müller.

Hier die Auflösung der Rede des wiedergewählten Bundespräsidenten.

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