Werner Vontobel und Herbert Karch – muss man in Deutschland nicht kennen, aber was sie schreiben schon!

Eine Debatte über Deutschland unter Schweizern

Vor 50 Jahren war Deutschland noch wirtschaftlich stark, demokratisch und friedliebend. Ein nostalgischer Blick zurück.

Wie Werner Vontobel, (geb. 28. April 1946) Schweizer Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor, das heutige Deutschland sieht, kann man nur im Rückblick auf vergangene Jahrzehnte bewerten. Für Menschen Ü 80 fällt der Vergleich mehr als dramatisch auf.

Dieser Satz des Autors Werner Vontobel setzt sich mit wirtschaftspolitischen und -theoretischen Grundsatzfragen auseinander; er hat zu diesem Thema mehrere Bücher veröffentlicht. Vontobel gibt an, er schreibe für «Leute, die – wie ich – nicht verstehen wollen, warum eine so effiziente Wirtschaft wie unsere so wenig dazu beiträgt, unser Leben freundlicher zu gestalten.» Und meint als Schweizer Bürger damit in erster Linie uns Deutsche.
Was Vontobel mit dem kursiv geschriebenen Text zusammengefasst aussagt, ist wohl für jüngere Menschen kaum nachvollziehbar. Umso deutlicher fällt der Blick auf die letzten 50 Jahre und darüber hinaus bei älteren Zeitgenossen auf.

Vontobels INFOsperber-Beitrag spricht deshalb in erster Linie die Generation an, deren Blick auf vergangene Jahrzehnte gerichtet ist.

Als Deutschland noch eine Demokratie war

Die lebensnahe Beschreibung sowohl des privaten wie auch des politischen und wirtschaftlichen Lebens in besseren Jahren verpflichtet schon fast zum Lesen. Wer die vergangene Zeit nicht kennt oder nicht wahrhaben will, sollte die Mühe aufbringen, Vontobels Text analytisch kennenzulernen.

Der folgende Kernsatz in Vontobels Text wäre ausreichend, um eine weitere Kommentierung des wirtschaftlichen Dilemmas in Deutschland exakt zu thematisieren.
Wenn der Wohlstand eines Landes von Branchen, die viel Energie verbrauchen, wie etwa die Auto-, die Chemie- und die Metall-Industrie, abhängt, dann sollte man nicht ohne Not auf die Kernenergie und auf das billige russische Öl und Erdgas verzichten.
Den Begriff „Kernernergie“ gegen „erneuerbare Energien“ auszutauschen, führte zur vollkommen konformen Formulierung.

REPLIK

Herbert Karch – seine Replik: „Deutschland ist eine lebendige Demokratie“ ist die Entgegnung auf den Beitrag «Als Deutschland noch eine Demokratie war» von Werner Vontobel, der am 30.1.2026 auf Infosperber erschien. Foto: Mit freundlicher Gestattung des Autors

Eine Replik zu Vontobels Essay „Als Deutschland noch eine Demokratie war“ blieb nicht aus. Als besonders bemerkenswert darf man es werten, dass ausgerechnet ein Landsmann von Werner Vontobel den Ausführungen massiv widerspricht. Nicht nur Vontobels Behauptung «sollte man nicht ohne Not auf die Kernenergie und auf das billige russische Öl und Erdgas verzichten», hält der Schweizer Herbert Karch für äußerst unqualifiziert. Als krasse Fehleinschätzung Vontobels bezeichnet Karch auch die Feststellung, „Deutschland sei keine Demokratie mehr“. Das halte er (Karch) für äusserst unqualifiziert!
Deshalb gehört Herbert Karchs Replik zur lesenswerten Kontrastlektüre.


Replik: Deutschland ist eine lebendige Demokratie

Als Blogger stelle ich fest:
Wie immer, hat jede Medaille zwei Seiten. Die eher pessimistische Betrachtung Vontobels über Deutschlands derzeitigen Zustand beinhaltet ein gehöriges Maß an Wahrheiten. Dass Deutschland unter US-Einfluss seine bisherige wirtschaftliche Stärke am verlieren ist, kann kaum jemand, der mit offenen Augen durch die Welt geht, leugnen. In welchem Umfang und wie das geschieht würde den Rahmen dieses Blogbeitrages sprengen und wäre dem Umfang eines Buches würdig.

Wenn in der Replik von Herbert Karch die Gegenrede besagt, „Deutschland ist eine Demokratie!“, dann stimme ich dem zu mit der einschränkenden Feststellung, wir hatten schon mal mehr Demokratie. Auch hier bedürfte es der Buchform, im Einzelnen darüber zu schreiben, wie der deutsche Weg nach weniger Demokratie derzeit aussieht. Wir hatten schon mal einen Kanzler, der mit dem Leitsatz „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ 1969 eine Politik auf den Weg brachte, von dem wir heute wieder weitest entfernt sind. Es ist ein prägender Satz aus Willy Brandts erster Regierungserklärung vom 28. Oktober 1969. Brandts Leitsatz steht für das Versprechen, Demokratie als dauernden Prozess der Teilhabe zu verstehen.
Ja, wir haben noch eine Demokratie in Deutschland – aber die Versuche sie klein zu machen sind allgegenwärtig.

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