Ein Satiriker und ein Realpolitiker in einem Boot

Marco Bülow und Martin Sonneborn können die Jugend und noch mehr gewinnen

Warum verlässt ein relativ junger Politiker, Abgeordneter des Deutschen Bundestages, seine Partei?
Die Gründe für diesen folgenschweren Schritt hat dieser Politiker in dem verlinkten Video in diesem Blog ausführlich erläutert. Bülows politische Statements, gewürzt mit satirischen Seitenhieben auf das politische Alltagsgeschehen durch Martin Sonneborn, sind auch als Politik für Desinteressierte höchst hörenswert.

Marco Bülow ist 2018 aus der SPD ausgetreten und am 17. November 2020 der „Die PARTEI“ beigetreten. Wenn in den Printmedien, insbesondere aber im Leitmedium Fernsehen „Die PARTEI“ thematisiert wird, dann steht stets der Name Martin Sonneborn davor oder dahinter. Bei Sonneborn denkt der Medien-Konsument meist an kabarettistische Satire in Wort und/oder Bild. Beim oberflächlichen Hinsehen und Hinhören könnte man diese Wahrnehmung tatsächlich als real ansehen. Satire als Kunstform; dafür hat Sonneborn nicht nur in Brüssel ein weites Arbeitsfeld. Die Politik bietet reichlich Stoff für den politischen Satiriker. Um es vorweg zu nehmen, der Anschein trügt, auch dann, wenn sich Sonneborn in der Manier eines Donald Trump als GröVaz *) bezeichnet.

*) Der 45. Präsident der USA, Donald Trump, sagte von sich bereits vor seiner Wahl, dass er „der größte Präsident sein würde, den Gott jemals geschaffen habe“. In deutschen Medien spielte man sarkastisch mit dem Akronym GröPaZ (Größter Präsident aller Zeiten).

Marco Bülow – Mitgliedsnummer 50.000 bei „Die Partei“

Ist die Rede von Marco Bülow, dann erinnern sich politische Bürgerinnen und Bürger an den früheren SPD-Politiker, der 2018 die SPD verließ und als MdB auch die SPD-Bundestagsfraktion verlassen musste. Innerhalb der Fraktion gehörte er der Parlamentarischen Linken an.

Für einen relativ jungenPolitiker wie Marco Bülow ist der Parteiaustritt ein mutiger Schritt, zumal er als Abgeordneter seines Bundestagswahlkreises diesen seit 2002 bis 2017 jeweils souverän gewann und seinen CDU-Konkurrenten stets auf Platz 2 verwies. Die Karriereleiter war angelehnt. Mit seiner lauteren Gesinnung sollte er auch in „Die PARTEI“ seinen erfolgreichen sozialdemokratischen Weg und noch mehr fortsetzen können. Bild: HP Bülow

 

 

Nach der erneuten Bildung einer Großen Koalition als Ergebnis der Bundestagswahl von 2017 verließ Marco Bülow die SPD, der er seit 1992 angehörte. Zusammnfassend begründete er das Verlassen seiner Partei mit der wohlüberlegten Aussage, dass nach seiner Ansicht die Politik der SPD nicht mehr sozialdemokratisch sei.

Das folgende Interview in Jung & Naiv: Folge 487, ist eine Offenbarung, die u.a auch darüber aufklärt, weshalb die SPD bereits seit zu langer Zeit im vielbesagten 15-Prozent-Bunker verharrt.

Marco Bülow (links) kann im Gespräch mit Martin Sonneborn die aus seiner Sicht präzisen Gründe für seinen nach langer und reiflicher Überlegung erfolgten Parteiaustritt darlegen. Keine Rechtfertigung für seinen Schritt, sondern unwiderlegbare Argumente sind es, die den verhängnisvollen Weg der SPD nach unten zeichnen. Die satirischen Einwürfe Sonneborns stören die Ernsthaftigkeit des Interviews nicht. Moderator des Gesprächs ist Tilo Jung. Bild: Screenshot aus Video JUNG & naiv. DAS VIDEO STARTET MIT MAUSKLICK AUF DAS BILD.

 

 

Der Eintritt Bülows in „Die PARTEI“ macht ihn zum vorerst einzigen Bundestagsabgeordneten in dieser seit 15 Jahren bestehende Partei, deren Vorsitzender der o.g. Martin Sonneborn ist. Zu seinen Beweggründen sagte Bülow, er sehe die „Die PARTEI“ als „Partei der Zukunft“. Außerdem sei die Tatsache, dass Satire der Gesellschaft und Politik den „Spiegel vorhalte“, mitbestimmend für ihn.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ.net) widmete dem Ereignis vom 17. November 2020 am 18. November einen launigen Bericht, der hier aufzurufen ist.

Bülow will nicht lustig sein

Lustig sein – das will Bülow lieber erst garnicht probieren. Denn seinen Wahlkreis Dortmund I hat er mit mit ehrlichen und glaubwürdigen sozialdemokratischen Argumenten jeweils mit souveränem Vorsprung vor dem CDU-Konkurrenten gewonnen. Das will was heißen in der unsteten politischen Landschaft in NRW und anderswo.
Die Hoffnung, dass er auch als „Die Partei“-Kandidat erfolgreich sein wird, sollte sich erfüllen, wenn die Wählerinnen und Wähler im Wahlkreis Dortmund I ihn weiterhin als den Vertreter ihrer Interessen stützen. Auf die Liste – „Die PARTEI“ – sollte man 2021 besonders achten. Ihr Name ist ein Apronym für Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative.

Das sieht Bülow dann auch als die Schnittmenge mit den Satirikern um Sonneborn. Auch er erkennt im Berliner Politikbetrieb oft Real-Satire. Lobbyismus und Finanzskandale, zu wenig Geld für Umweltschutz, zu wenig für Pflegepersonal – absurd sei das alles, sagt Marco Bülow. „Ich glaube mit Satire gewinnt man die Menschen dafür, genau diese Strukturen aufzubrechen – und das brauchen wir. Und da beginnt die Zusammenarbeit.“

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3 Antworten zu Ein Satiriker und ein Realpolitiker in einem Boot

  1. Alfons Maximini sagt:

    Ich habe meinen Blog nochmals durchgelesen. Davon muss ich nichts zurücknehmen. Ich bin nun fünfzig Jahre Mitglied der SPD, habe seit 1970 alle Höhen und Tiefen der SPD miterlebt. Wenn du die Grundsätze der Sozialdemokratischen Partei ändern möchtest, musst das von Innen her machen. Ich meine nicht hinter verschlossenen Türen. Offensiv und argumentativ vorgehen. Ja das ist ein mühsamer und langer Prozess. Aber was nutzt es wenn die frustrierten guten Leute eine eigene Spartenpartei aufmachen und somit die alte Tante SPD damit schwächt. Siehe Oskar (LINKE) oder auch Teile der Urgrünen. Diese politischen Bewegungen sind alle aus dem Leder der SPD geschnitten. Gemeinsam könnten wir locker die Mehrheit links neben der Mitte stellen.
    Auch wenns schwerfällt – weiter kämpfen und Grundsatzprogramm der SPD aktiv vertreten. Und keine Rücksicht auf evtl. Koalitionspartner nehmen.

  2. Alfons Maximini sagt:

    Ironie und Satire sind etwas für Intellektuelle. Wer meint mit der PARTEI Mehrheiten oder Wähler zum Wechseln zu bewegen ist naiv. Bülow hätte doch viel mehr Menschen und Parteikollegen überzeugen können als aktiver Sozialdemokrat. Denn seine Anliegen im Apronym wie z.B. Tierschutz, Rechtstaatlichkeit, Arbeit usw. sind doch schon in so vielen Parteiprogrammen angelegt, dass es nicht einer neuen Partei braucht. Und Entschuldigung: Sonnenborn im EU-Parlament, ein Satiriker ja, aber kein Politiker. Das sind verschwendete Wählerstimmen.

    • Egon Sommer sagt:

      Lieber Alfons,

      wenn Ironie und Satire etwas für Intellektuelle sind, dann darf man auch dann, wenn man nicht als intellektuell eingeordnet ist, Ironie und Satire verstehen. Und das ist keinesfalls etwas Nachteiliges.
      „Bülow hätte doch viel mehr Menschen und Parteikollegen überzeugen können als aktiver Sozialdemokrat.“, sollte man als Mitglied der SPD annehmen.
      In einem ausgezeichneten von Dir verfassten Blogartikel zu den Inhalten notwendiger Erneuerungen in der SPD, sind alle diese Erfordernisse zur Wiederherstellung sozialdemokratischer Prinzipien enthalten; so wie sie auch ist im Bülow-Sonneborn-Gespräch ausführlich ausgesprochen worden sind.
      Unter https://www.von-links-gedacht.de/index.php/wir-wollen-die-spd-erneuern/ hast Du bereits im Februar 2018 diesen Beitrag verfasst, den ich damals (2018) und heute zu 100 Prozent zutreffend fand, bzw. finde. Ein Letztes noch: Ich halte Marco Bülow, auch wenn er nicht mehr Mitglied der SPD ist, als den immer noch besseren Sozialdemokraten. Leider gibt es zu wenige Bülows, besonders in der oberen Parteietage. Wie immer wieder: Die (meine) Hoffnung stirbt zuletzt.

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