Zwei-Brücken-Modell – Die kleine Lösung mit großer Wirkung

Das Gespenst namens Moselaufstieg – Zwei Brücken und ein Tunnel könnten ihm den Garaus machen

Die Verkehrssituation in der Region Obermosel von und nach Luxemburg zerrt tagtäglich an den Nerven der Grenzgänger, die ihren wertvollen Arbeitsplatz im „Ländchen“ gefunden haben. Geduldig wie die Lämmer ertragen die vielen Tausend Pendler den geballten täglichen Strom nach und von Luxemburg. Der tägliche Verkehrs- und Aggressionsstau scheint niemand mehr aufzuregen; oder haben die betroffenen Menschen resigniert?
Resigniert deshalb, weil den politischen Regionalfürsten im Verein mit der regionalen Wirtschaft seit über dreißig Jahren nichts anderes einfällt, als einen heutzutage als unbrauchbar erkannten Lösungsvorschlag wie eine Monstranz vor sich herzutragen. Die Westumfahrung der Stadt Trier, besser bekannt als „Moselaufstieg“, sollte die Himmelsleiter sein, die den Verkehr der Süd-Nord-Achse aus dem Quellgebiet der B 51 und aus den Räumen Saarburg und Konz bewältigen soll. Das Festhalten an der ökologisch und ökonomisch nicht mehr sinnvollen Süd-Nord-Verbindung über die Mosel bei Konz, vorbei zwischen Igel und Trier-Zewen, durch fast 3 km zusammenhängendes Waldgebiet nördlich von Trier-Zewen, um bei Herresthal mittels einer neuen Autobahnzu- und abfahrt die A 64 zu erreichen, ist eine mehr als eingeschränkte Sichtweise.

Rückblick
Seit Sommer 2004 befand sich die sogenannte Westumfahrung Trier, auch „Moselaufstieg“ genannt, in der Planfeststellung. Geplant war, von Konz die B 51 mittels einer neuen Moselbrücke über Igel westlich des Trierer Bergs auf einer neuen Trasse auf die Moselhöhen zu führen und dort an die A 64 anzuschließen. Am 12. Mai 2005 hob das Oberverwaltungsgericht Koblenz den dazu gefassten Planfeststellungsbeschluss jedoch auf. Im März 2013 erklärte die rheinland-pfälzische Landesregierung, dass diese beiden Vorhaben, West- und Nordumfahrung Trier, endgültig fallen gelassen würden.

Ursprüngliche Idee des Moselaufstieges (Westumfahrung) war es , den aus dem Süden (B 51) kommenden Verkehr an der Stadt Trier vorbei Richtung Norden (B 51 hinter Trier) zu leiten. Die Forderung für die Westumfahrung Triers entstand in den frühen 70er Jahren. Dazumal verfolgte sie das Ziel einer Süd-Nord-Verbindung der B 51 westlich an Trier vorbei. Diese Zielsetzung hat heute nur noch untergeordnete Bedeutung, hat sich doch in der Zwischenzeit bis heute eine vollkommen andere Schwerpunktlinie gebildet. Diese in nordwestliche Richtung führende Verkehrslinie müsste heute insbesondere den Verkehr aus dem südlichen Quellgebiet der B 51 einschließlich Saarburg und Konz in Richtung Luxemburg führen.

Zwei-Brücken-Modell des SPD-Gemeindeverband Konz
Hauptursache für das tägliche grenzüberschreitende Verkehrsdilemma ist in erster Linie durch das Fehlen einer weiteren Moselbrücke zwischen Trier (Adenauerbrücke) und Wellen/Grevenmacher (Grenzbrücke) bedingt.
Statt Moselaufstieg (Westumfahrung) könnten zwei bautechnisch relativ unkomplizierte  Brückenbauwerke in Verbindung mit einer Tunnellösung, angebunden an eine kurze Teilneubaustrecke zwischen B 49 und B 418, das regionale Verkehrsproblem lösen.

In folgender Abbildung ist der Verkehrsfluss über größtenteils bestehende Straßeninfrastruktur dargestellt. Ein Brückenbauwerk von der B 419 zwischen Wasserliesch und Oberbillig zur anderen Moselseite in Höhe Löwener Mühle führte zu einer Verknüpfung der B 419 mit der B 49.

Straßentunnel als Ortsumgehung Wasserbilligerbrück
Eine denkbare Umgehung der Teilgemeinde Wasserbilligerbrück (Ortsgemeinde Langsur) durch Bau eines ca. 580 m langen Tunnels könnte die Anwohner vom größten Teil der Verkehrslast befreien und andererseits den Verkehr zügig über ein Brückenprojekt vor Langsur über die Sauer zur luxemburgischen N 10 führen. Über ein kurzes Teilstück der N 10 ist die unmittelbare Verbindung zur Wasserbilliger Autobahnauffahrt  A 1/A 64, Wolfsmühle/Wollefsmillen hergestellt.

Derzeitiger und künftig weiter anwachsender grenzüberschreitender Verkehr könnte mit dieser Lösung berührungsfrei für bewohnte Bereiche geleitet werden.

Politische Umsetzung
Grundlegende Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung des Modells dürfte der einheitliche politische Wille auf der Länderebene Rheinland-Pfalz-Luxemburg sein. Hinzu kommt die Notwendigkeit, dass bestimmte hiesige Interessengruppen die reale Verkehrsentwicklung der letzten 30 Jahre zur Kenntnis zu nehmen.

Aktuelle Verkehrszahlen
Dem früher zu Grunde gelegten Süd-Nord bzw. Nord-Süd-Verkehr der B 51 (Entlastung Trier) müssen heutzutage die aktuellen Verkehrszahlen entgegen gehalten werden. Die von einem renommierten Gutachterbüro im Auftrag des Landesbetriebes Mobilität (LBM) ermittelte und hier nur auszugsweise abgebildete Verkehrsnachfrage aus dem Jahre 2008 beschreibt für 2025 ein Verkehrsangebot/Tag von etwa 3.200 Fahrzeugen aus und in die Eifel (Bitburg), dagegen ca. 18.300 Fahrzeuge von und nach Luxemburg, also in nordwestlicher Richtung.

Die Vorteile des sogenannten Zwei-Brücken-Modells

  • Eine dringend notwendige weitere Brücke zwischen den Moselbrücken in Trier (Adenauerbrücke) und Wellen/Grevenmacher (Grenzbrücke) führt zu enormen Verkürzungen der heutigen Verkehrswege des Pendler-, Individual- und ÖPNV-Verkehrs Deutschland-Luxemburg und umgekehrt.
  • die heutzutage extrem belasteten deutschen Moselgemeinden südlich der Mosel Oberbillig und Temmels – und nördlich der Mosel auch Igel – werden wesentlich entlastet.
  • Die luxemburgische Kommune Mertert-Wasserbillig wird von dem vorher zur A 1/A 64 abfließenden Pendlerverkehr befreit.
  • Der Verkehr über die Moselbrücke Wellen/Grevenmacher verringert sich durch die frühzeitige Ableitung über die neue Brücke B 419/B 49 bzw. B 419/B 418 zum Vorteil der Kommune Grevenmacher dramatisch.
  • Die Zufahrt zur A 1/A 64 für den im regionalen Raum entstehender Güterverkehr und aus Richtung B 51 Saarbrücken-> Trier, könnte Trier vom Transitverkehr zur A 602 und zur B 51 Richtung Bitburg entlasten.
  • Verkehr aus der deutschen Seite des Sauertals erhält uneingeschränkte direkte Anbindung von und zur Autobahn A 1/A 64
  • Das Modell ist wegen nur geringfügigem Landschaftsver­brauch ökologisch vertretbar, und ökonomisch vorteilhaft, weil es voraussichtlich deutlich kostengünstiger als der bisher diskutierte Moselaufstieg realisierbar ist.
  • Die höchst wirksamen Verdünnungen der Durchgangsverkehre in Mertert-Wasserbillig und Grevenmacher sprechen für die luxemburgische Projektbeteiligung zumindest an der Brücke über die Sauer zwischen der B 418 und der luxemburgischen N 10.
  • Die Gleichlage deutsch-luxemburgischer Interessen beim moselüberschreitenden Verkehr und die wirkungsvollen Entlastungen der Durchfahrtsgemeinden auf deutscher Seite Oberbillig, Temmels, Igel, Wasserbilligerbrück und auf luxemburgischer Seite Grevenmacher, Wasserbillig, sind weitere positive Aspekte für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
  • Der ÖPNV (Straße) als weiterer potenzieller Verkehrsträger erhält mit dieser Linienführung deutlich verkürzte Straßenverbindung von und nach Luxemburg.

Ausgehend von der unabweislichen Notwendigkeit einer weiteren Moselüberquerung zwischen Trier und Wellen/Grevenmacher ist die Denkrichtung vorgegeben. Belastbare Vorstellungen zur Finanzierung des Gesamtmodells sind geboten.

Überschlägliche Kostenbetrachtung
Die Zahlen sind aus Modellbeispielen entwickelt und jeweils an der oberen Grenze angesiedelt. Sie erheben keinen Anspruch fundiert ermittelter Kosten.

  • Moselbrücke mit B 49-Überquerung und Bahnüberquerung einschließlich der Brückenköpfe ca. 15 Millionen €  (Orientierung: das vorerst auf Eis gelegte Vorhaben „Mittelrheinbrücke“ war mit 40 Millionen € veranschlagt)
  • Ca. o, 300 bis 0,350 km Straßenverbindung vom Ende der neuen Moselbrücke bis zum  Tunnel ca. 1 Million €
  • 580 m Straßentunnel für Umgehung Wasserbilligerbrück bei 20.000 €/m gerundet ca. 12 Millionen €  (Findung eines Mittelwertes aus 17 deutschen Tunnelbauvorhaben [BAB, Bahn und Straße] in den Jahren 1994 bis 2002, Teuerungszuschlag 2002 bis 2012 und Berücksichtigung nicht vorab abwägbarer Einflüsse)
  • Sauerbrücke einschließlich der Brückenköpfe ca. 5,0 Millionen €
  • Eventuell auf luxemburgischer Seite notwendige Kosten für den Ausbau der vorhandenen Wasserbilliger Autobahnauffahrt  A1/A64, Wolfsmühle/Wollefsmillen sind nicht verifiziert.

Einschließlich 2 Millionen Euro für „Unvorhergesehenes“ errechnet sich ein Gesamtkostenvolumen von 35 Millionen Euro.

Abschlussbetrachtung
Man sollte sich endgültig von dem landschaftsfressenden und umweltbelastenden  Projekt Westumfahrung/Moselaufstieg verabschieden. Der gewaltige Eingriff in zusammenhängendes Waldgebiet hätte dramatische ökologische Folgen; des weiteren wären durch die Aufschüttung eines riesigen Straßendammes quer durch das Trierer Tal schwerwiegende klimatische Auswirkungen für die Stadt Trier zu erwarten. Die weitere Behinderung der Luftzufuhr würde das bekanntlich fast subtropische Klima in der Tallage Triers weiter verstärken.

Unter Berücksichtigung derzeitiger und auch künftig zu erwartender politischer Vorgaben sind Straßenneubauprojekte nur noch unter den Aspekten geringstmöglichen Landschaftsverbrauchs und ökonomisch sinnvoller Bedarfsdeckung realisierbar.

Panorama für Moselbrücke

So könnte das Herzstück des Zwei-Brücken-Modells aussehen! Die angedachte Brücke – hier eine reine Visualisierung ohne B49-Auffahrt – über die Mosel zwischen Wasserliesch und Oberbillig. Aber auch andere landschaftsverträgliche Brückenvarianten wären möglich.
Foto und Montage: E. u. A. Sommer

 

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