„Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt lässt den kritischen Beobachter deprimiert und ratlos zurück“

Ein Kernsatz umschreibt das Ergebnis für Die Linke und SPD

Fernab aller populistischen Fallbetrachtungen und Urteile durch unsere dominierenden Leitmedien ziehe ich die wertneutralen Betrachtungen der NachDenkSeiten für meine Wahlbewertung heran.

Dass ausgerechnet das Thema „Soziale Sicherheit“ mit 31 Prozent das Wahlergebnis dominierte, müsste SPD und auch Die Linke aus dem Reich der Träume zurückholen. Gleichwohl sind die 25 Prozent für Wirtschaft und Arbeit eng mit der Sozialen Sicherheit verknüpft und sollten Domäne linksprogressiver Politik sein, wie der „einfache“ Bürger sie erwartet. Die von den beiden Wahlverlierern bearbeiteten Nebenschauplätze werden als offensichtlich wichtigste Themen hervorgehoben; sind aber bereits bei den gewinnenden Parteien programmatisch eingepflegt.

Ergebnis einer Wahlanalyse von infratest dimap

ARD-Grafik vom 06.06.2021

Meine persönlichen Befürchtungen als auch Bestätigungen haben sich leider erfüllt.
Jens Berger, Redakteur der NDS, hat heute, 07. Juni 2021 um 10:17, eine Wahlanalyse verfasst, die leidenschaftslos das Dilemma der Wahlverlierer deutlich macht.

Sachsen-Anhalt und die Fehler von SPD und Linken

Eine besonders beachtenswerte Statistik (Abbildung im NDS-Beitrag) zum Wahlverhalten der Altersgruppen, Bildung, nach Tätigkeit und eigene wirtschaftliche Lage gibt Einblicke in die politisch-sozialen Interessen der Wählerinnen und Wähler.
Ob die Wahlverlierer irgend welche fruchtbaren Erkenntnisse aus der NDS-Analyse ziehen, ist eher nicht zu erwarten. Das lassen die Kommentare der aufgerufenen Parteienvertreter im Nachgang der Wahl eher nicht zu.

Hier passt zusammenfassend der Satz aus Jens Bergers Wahlanalyse:

„Das ist die Quittung für den Kurs des Führungspersonals beider Parteien, die sich seit Jahren weigern, eine Politik in den Mittelpunkt zu stellen, die die Interessen der Arbeitnehmer und Rentner vertritt.“

Und an anderer Stelle:

„Allen voran die SPD und die Linke setzen ihren Kurs der Abkehr von ihren traditionellen Inhalten nahtlos fort.“

Screenshot Titelleiste NDS mit Bild Jens Berger

Nachtrag:

Unmittelbar nach dem Hochladen dieses Blogbeitrages erhielt ich Post aus dem Willy-Brandt-Haus mit folgendem Wortlaut:


Lieber Egon,

bei der Landtagswahl gestern in Sachsen-Anhalt ist die AfD zweitstärkste Kraft geworden. Wir müssen jetzt alles tun, damit die AfD bei der Bundestagswahl kein gutes Ergebnis erzielt. Denn die AfD steht gegen alles, für das wir als Sozialdemokrat*innen stehen.

Die AfD spaltet das Land und schadet Deutschland. Die AfD will die Ehe für alle verbieten. Die AfD will, dass Frauen sich „nur“ um die Familie kümmern. Die AfD will bestimmen, wer dazu gehört und wer nicht. Die AfD will unsere Gesellschaft kaputt machen. Die Gesellschaft, die wir als Sozialdemokratie, die Du, Egon, aufgebaut hast. Es gibt nur eine Chance: Wir müssen das Bollwerk gegen rechts sein. Wenn wir eine starken Wahlkampf machen und Präsenz zeigen, können wir die AfD klein halten. […]. 

Herzliche Grüße
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Bollwerk gegen rechts!“ Sind das die größten Sorgen der SPD?
Und ich dachte immer, „Soziale Sicherheit“ müsste das größte Anliegen der SPD sein.

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3 Antworten zu „Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt lässt den kritischen Beobachter deprimiert und ratlos zurück“

  1. Karl Kaiser sagt:

    Das Wahlergebnis der AfD erfreut mich natürlich, genauso wie das Wahlergebnis der SPD.
    Obwohl mir weniger für die SPD und mehr für die AfD noch lieber wären.
    Leider sind die Freien Wähler nicht hereingekommen, immerhin blieb die Verschwörungspartei BASIS bei 1%.

    Das gute Ergebnis der CDU ist mir auch ein Rätsel, vermutlich ist es ähnlich wie in den USA bei Biden, viele haben dann die CDU gewählt um die AfD als Sieger zu verhindern.
    Die SPD hat m.M. nach bundesweit die letzte Chance verpasst, etwa um 2010, riesige Mittel wurden für die durch Banken veursachte Finanzkrise aufgewendet, währenddessen wurde um 5 Euro mehr im Monat (!) für ALG II Empfänger geschachert. Auch wenn die SPD nicht immer in der Regierungsverantwortung war, auch in der letzten CDU/FDP Koalition kam da politisch keine Kehrtwende. ( Abgesehen von ganz, ganz wenigen prominenten SPD Politikern wie Ottmar Schreiner )
    Eine Partei der Finanzbosse gibts ja schon, die FDP. Eine die dann mit der „sozialen Stadt“ oder ähnlichen Phrasen wirbt, während man gleichzeitig Arbeitslose mit Tricks in die Obdachlosigkeit sanktioniert, die ist nur eine traurige Realsatire.
    Kurios finde ich allerdings, daß ich von Jüngeren ( unter 30 ) höre, SPD = Hartz IV. Viele Jüngere wissen gar nicht mehr, daß nicht nur DIE GRÜNEN auch dabei waren, sondern daß dies ja von CDU/CSU/FDP auch gestützt wurde.
    Noch mehr wissen gar nichts von den DDR Blockparteien, zu denen auch die CDU gehörte.
    Ich kenne da keine kritische Stellungnahme vom MP, der ja schon zu DDR Zeiten Gerald Göttings „ex oriente lux“ Truppe angehörte.

    • Karl Kaiser sagt:

      Kleine Korrektur, natürlich hieß der Leitspruch der DDR-CDU:
      “ Ex oriente pax “ = “ Aus dem Osten kommt der Frieden „.
      Damit meinte man sich selbst, sowie die ruhmreiche Sowjetunion. Es war tatsächlich ernst gemeint.

  2. Herbert Minn sagt:

    Meine Meinung ist da klar.
    Die SPD ist in Sachsen-Anhalt, zum 2. Mal in Folge als Regierungspartei abgewählt worden.
    Jetzt muss man endlich verstehen, dass eine Erneuerung nur in der Opposition möglich ist.
    Ein weiter so, nur um sich ein paar Pöstchen zu sichern, darf es nicht geben.

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