Zurück auf die alten Pfade sozialdemokratischer Ideale?

In der Ampelkoalition wird die SPD nicht zu neuer Blüte erwachen

Die SPD hat das Ruder des untergehenden Schiffes wieder herumgerissen“. Wohl dem, der es in dieser reinen Aussage-Form glaubt. Mit vereinten Stimmen der deutschen Leitmedien und der nötigen Hartschlägigkeit hat man es meines Erachtens nun geschafft, der Sozialdemokratie die Zähne echter und überzeugender sozialer Programmatik zu ziehen. Wer grün heutzutage kennt und gelb schon immer kannte, weiß wovon ich schreibe. Aber rot ist auch nicht mehr von gestern oder auch, ist nicht mehr das Gelbe vom Ei!

Andrea Ypsilanti – scheiterte 2008 in Hessen, eine Minder-heitsregierung von SPD und Grünen unter Tolerierung durch die Linken zu bilden. Vier Abgeordneten der eigenen Partei verweigerten die Gefolgschaft. Foto: SPD Hessen

Ich komme nicht umhin, mal wieder nach rückwärts zu schauen um die Irrwege der SPD seit 1998 nochmal aus der Kiste zu holen. Mit hoffnungsvollen 40,9 Prozent bescherten deutlich über 20 Millionen Wählerinnen und Wähler den Sozialdemokraten ihre Stimme. Es war auch das Wahljahr, in dem erstmals die Parteien, die sich traditionell als „links der Mitte“ einstufen, mehr als 50 Prozent der Stimmen für sich beanspruchen konnten. Aber das war vorgestern, als die über 20 Millionen allein der SPD ihre Stimme liehen. Zählt man die gut 2,5 Millionen Stimmen der damaligen PDS (heute DIE LINKE) und die der Grünen mit deutlichen 3,3 Millionen Stimmen hinzu, dann war zu dieser Zeit schon die Grenze von >50 Prozent links der Mitte erreicht. Wie gesagt: Damals!

„Die Malaise der deutschen Sozialdemokratie – zwischen Anpassung und Pulverisierung“

ist ein besonderer Abschnitt in Andrea Ypsilantis Buch „Und morgen regieren wir uns selbst“ überschrieben (Der Link führt zum Artikel in diesem Blog vom 14. Februar 2018).
Wer von den etablierten Sozialdemokraten im Berliner Willy-Brandt-Haus wagte es bislang, die „Malaise“ beim Namen zu nennen und auf die alten Pfade sozialdemokratischer Ideale zurückzukehren? Scholz und Anhang jedenfalls nicht!

Ich habe mit freundlicher Gestattung des Westend-Verlages hier einen Buchauszug verarbeitet, in dem es u.a. heißt: „Außenstehenden, die es gut mit der sozialdemokratischen Partei und ihren Inhalten meinen, erscheint es kaum verständlich“, wie eine Partei sehenden Auges ins Verderben rennen kann.

Hier geht’s zum Buchauszug

Andrea Ypsilantis Buch von 2017 ist keine Abrechnung mit ihrer Partei (SPD) sondern eine schonungslose Beschreibung dessen, was zur Pulverisierung von 1998 bis 2017 geführt hat.

Nicht nur die für Leserinnen und Leser lesenswerte und für die Partei überlebenswerte Passage, sondern das ganze Werk von Andrea Ypsilati beschreibt ohne jeglichen Groll, in kompakter Form, was echte Sozialdemokratie ausmacht und von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger im Land mitgetragen worden wäre (wird). Andere Kräfte wiesen der SPD jedoch den Weg in den Beinahe-Untergang.

In eigener Sache:
Eine persönliche Anmerkung sei mir erlaubt. Ein Blogger ist Herausgeber oder Verfasser von Blog-Beiträgen für die er eine eigene Website oder ein Portal nutzt. Er schreibt zumeist in der Ich-Perspektive und integriert seine persönliche Meinung. Verlinkte Artikel erweitern bei seiner Arbeit das Spektrum der eigenen Meinung.
Als die o.g. persönliche Anmerkung erlaube ich mir hier – ohne die künftige Arbeit einer bevorstehenden Ampelkoalition zu diskreditieren – dass mit einer Frau als Kanzlerin im Geist und im Stile von Andrea Ypsilanti ein besseres Deutschland geblieben wäre. Aber wie schon oben im Text beschrieben: Das ist leider alles von damals!

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2 Antworten zu Zurück auf die alten Pfade sozialdemokratischer Ideale?

  1. Christian Bock sagt:

    Man muss sich nochmal vor Augen halten, was 2008 in Hessen möglich gewesen wäre, und wie erbärmlich die Hessische SPD um Ypsilanti von der Bundes-SPD nicht nur im Stich gelassen, sondern auch noch sabotiert wurde:
    Hermann Scheer wollte zusammen mit Andrea Ypsilanti aus Hessen ein Modelland für eine CO2-emmissionsfreie Wirtschaft machen, mit Scheer, dem Träger des Alternativen Nobelpreises, als Superminister für Umwelt und Wirtschaft.
    „Zum Glück“ hatte Ex-Minister Clement ja kurz vor der Wahl in der „WELT“, der BILD-Zeitung für Akademiker, vor dem Weltuntergang gewarnt, falls man SPD wählt, und damit fehlten dann die entscheidenden % für die energetische Revolution in Deutschland. Was man ja diese Woche schmerzlich bei der COP26 in Glasgow erkennen kann …

    • Egon Sommer sagt:

      Christian Bock stellt in seinem Kommentar das Zusammenwirken von Andrea Ypsilanti mit Hermann Scheer heraus. Ypsilanti schreibt in der sog. „Titelei“ (die Seiten eines Buchs, die dem eigentlichen Inhalt vorangestellt sind) folgenden Text als Ausdruck freundschaftlicher Verbundenheit und des Dankes:

      „Dieses Buch widme ich meinem zu früh verstorbenen Freund Hermann Scheer (1944-2010). Er war seiner Zeit voraus.“

      Hermann Scheer sollte man kennen; auch posthum: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Scheer_(Politiker,_1944)

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