Wenn uns einst alles auf die Füße fällt …

Zuspitzungen und Kriegsverlängerung in der Ukraine

Das wird das Ergebnis sein, wenn schwere Waffen der Ukraine fatale Siegeshoffnungen vorgaukeln. Aus Politikern werden Gaukler, wenn sie sich mit ihren verantwortungslosen Forderungen in den Krieg einmischen und somit die Gefahr eines dritten Weltkrieges ignorieren. Sie sollten mit aller Macht ihrer Berufung nachgehen: der Diplomatie.

Vom Glück, Freunde der US-Amerikaner sein zu dürfen!

Es wird uns auf die Füße fallen, wenn Deutschland sich auf die falsche Solidarität mit denen einlässt, die in großem Maße die Kriegsgründe provozierten. Sie sind zumindest im gleichen Maße schuldig am Krieg, wie es auch Russland ist. Mit dem Maidan-Geschehen in Kiew wurde vollendet, was seit Ende des 2. Weltkrieges und ab 1991 in verstärkter Eindeutigkeit das Ziel US-amerikanischer Einmischung in Europas ist. Die systematische Zerstörung der friedlichen Koexistenz mit Russland und letztendlich auch der Ukraine ist vollumfänglich aufgegangen; die EU-europäische Abhängigkeit hat die strategischen Ziele der USA weitestgehend beflügelt.

Die tägliche Presseschau des Deutschlandfunks ist eine Quelle dessen, was sich deutsche Zeitungsjournalisten so alles einfallen lassen, um ihre Brötchengeber zufrieden zu stellen. So klingelten bei mir wieder mal Alarmglocken, als heute Morgen ab 07.05 Uhr ein Kommentar der Zeitung DIE WELT den Besuch von US-Verteidigungsminister Austin und Außenminister Blinken in der Ukraine kommentierte:

„Die USA leisten erheblich mehr als nur ‚Symbolpolitik‘. Allein in den beiden letzten Wochen hat Präsident Biden Militärhilfen für die Ukraine von jeweils 800 Millionen Dollar angekündigt. Und: Biden liefert. Wo bloß stünde die Ukraine, wäre sie nur auf die Hilfen aus Europa angewiesen? Dieser Krieg zeigt nicht nur der Ukraine, sondern auch der Nato und den westlichen Demokratien Europas, wie schutzlos sie im Zweifel ohne die Vereinigten Staaten wären.“

Also doch richtige Freunde? Diese Frage stellt sich, wenn man auf die strategischen Zielsetzungen der USA blickt, die im Grunde sehr leicht zu identifizieren sind. Ich habe in diesem Blog öfters, vermutlich vergebens, über politische Vergesslichkeit und die Verdrängung von Wahrheiten durch die Medien geschrieben. Zuletzt im dem Blogbeitrag:
Die Leitlinien der US-Hegemonialpolitik – Mindestens zwei Männer kennen die Hintergründe.

Auch wenn es keine mildernden Umstände für einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gibt; aber mit Diplomatie wäre er zu verhindern gewesen.
Wer sich mit den Minsker Vereinbarungen befasst, die bei Beteiligung der Ukraine, Russland, OSZE, Deutschland und Frankreich unter den Bezeichnungen Minsk I, Minsk II beschlossen und wieder gebrochen wurden, muss seinen Blick auf das Krieggeschehen von anderem Standpunkt aus wagen.

Zu den o.g. zwei Männern (Zbigniew Brzeziński u. Henry Kissinger) zählt ein Dritter, der weniger als Politiker aber umso tiefgehenderu als Politikwissenschaftler und Autor in Erscheinung tritt. Professor John Joseph Mearsheimer lehrt an der University of Chicago. Er befasst sich hauptsächlich mit Internationalen Beziehungen.

Professor John Joseph Mearsheimer. Foto: Autor John Mearsheimer, Wikipedia

„Mearsheimers Neorealismus und seine darauf gegründete Auffassung, für den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sei vor allem die Außenpolitik der USA verantwortlich, wurde besonders nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine (2022) kontrovers diskutiert.“

Die in den USA umstrittene und teils widersprüchliche Rhetorik Mearsheimers hat zu außerordentlichen Kontroversen geführt, die auch aufgrund der widersprüchlichen Aussagen des anerkannten Politikwissenschaftlers entstanden sind.
Wer die schnelle und kurze Version zu Mearsheimers Denk- und Arbeitsmodellen erfahren will, findet bei Wikipedia unter John J. Mearsheimer, hier in den Unterabschnitten Ukraine-Krise 2014, Ukraine-Krieg 2022 eine straffe Darstellung.

Streit um John Mearsheimer: Er sah den Ukraine-Krieg kommen

Adam Tooze, britischer Wirtschafts- historiker- Foto: Quelle Adam Tooze, Wikipedia

Unter dieser Titelleiste steht in der Wochenzeitung derFreitag die Frage: „Im Ukraine-Krieg ist um die Theorien des US-Politologen John Mearsheimer ein Streit entbrannt. Was ist an den Vorwürfen gegen ihn dran?
derFreitag hat die Analyse des britischen Wirtschaftshistorikers Adam Tooze, den Aussagen Mearsheimers gegenübergestellt.

Der beindruckende Text des Schlussabsatzes von Toozes Analyse zu Mearsheimers Realismus bedeutet für mich als einfach und unkompliziert denkendem Menschen, dass das weitere Anheizen eines Konfliktes durch besagte Waffenlieferungen niemals zum gewünschten Ziel führen wird. Sinnvolle Sanktionen, begleitet von echter Diplomatie und ohne Überforderung des Gegenüber könnten überzeugen und das Kriegsende herbeiführen. Man kann die Zeilen lesen; aber das volle Verstehen ist eine weitere Sache im Streit um die Findung des richtigen Weges. Anständige Experten werden es richtig analysieren. Hier ein Fazit zu ziehen, würde mich als Blogger dieses Beitrags überfordern. Zu meinem Blog: „Sind wir denn alle verrückt geworden?!“ habe ich nichts hinzuzufügen oder wegzunehmen.

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3 Antworten zu Wenn uns einst alles auf die Füße fällt …

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  3. Helmut Ayl sagt:

    Der Blogartikel findet grundsätzlich meine Zustimmung. Scholz und Mützenich machen mit Sicherheit die Faust in der Tasche. Aber es stellt sich – für mich nicht überraschend – heraus, dass Grüne und FDP (vielleicht auch bei weiteren Themen) die Richtlinien der Koalitionspolitik bestimmen wollen. Die Frage ist, wieweit will die SPD da mitgehen. Aber Merz würde morgen für Jamaika bereitstehen… . Weiter glaube ich, dass die Diplomatie doch noch zum Zuge kommt. Es werden doch schon russischerseits ukrainische Waffen erbeutet. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass der Großteil der nunmehr zu liefernden schweren Waffen von der russischen Armee zerstört oder erbeutet werden wird.
    In der Hinweismail des Bloggers war zu lesen, dass bei Umfragen die Mehrheit der Deutschen diesen unseligen Waffengeschäften zustimmt nur so viel: Wer suggestive Fragen stellt, erhält die gewünschten Antworten. Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Deutschen eindeutig kriegsverlängernde Maßnahmen tatsächlich für gut hält. Würde nämlich in einer weiteren Frage das Problem aufgeworfen, dass ein verlängerter Krieg weiteres Elend und vor allem riesige Zerstörungen zur Folge hat und vor allem Deutschland den Wiederaufbau zu finanzieren haben wird, käme die Masse der angeblichen Befürworter von Waffenlieferungen in Grübeln.
    Zu der erwähnten Umfrage würde ich deshalb noch eine weitere Frage formulieren: „Glauben/befürchten Sie, dass Deutschland durch Lieferung schwerer Waffen zur Kriegspartei wird und halten Sie das für richtig?“, die deutliche Mehrheit würde das ganz klar verneinen.

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